Auch in diesem Jahr sucht die Volksstimme unter dem Motto "Du bist spit-ze" den Lokalmatadoren. Acht Kandidaten stehen zur Auswahl. Wir präsen-tieren die Nominierten im Porträt. Heute: Gerold Giese, Vorsitzender des Vereins "Oldtimerfreunde Jerichow".

Jerichow l Als im vergangenen Jahr der erste "Tag der Vereine" in Jerichow stattfand, da war es vor allem Gerold Giese zu verdanken, dass das ein solch gelungenes Fest wurde. Er hatte sich vor den sprichwörtlichen Karren gespannt, um alle Vereine, Gruppen und Institutionen in Jerichow, Klietznick, Mangelsdorf und Steinitz zu mobilisieren, gemeinsam eine solche Veranstaltung zu organisieren. Denn die Vergangenheit hatte gezeigt: Einer allein schafft das nicht mehr.

Viele haben mitgeholfen und zum Gelingen beigetragen. Aber bekanntlich funktioniert es nicht ohne das unermüdliche "Zugpferd". Gerold Giese ist das. Er ist jemand, der nicht nur Ideen hat, sondern diese auch umsetzt - allen Zweiflern zum Trotz. Anpacken und loslegen. Hürden sind schließlich dazu da, bewältigt zu werden.

Vor etwa einem Jahrzehnt gehörte Gerold Giese zu denen, die die Interessengruppe "Oldtimerfreunde Jerichow" gegründet haben, aus der vor gut einem Jahr ein Verein geworden ist. Aber auch schon vorher hat er sich engagiert. "Wir haben dreimal einen Frühlingslauf organisiert", erinnert er. Bei der Frage, wie es dazu kam, muss er lachen: "Eigentlich aus einer Bierlaune heraus: Alt und Jung haben sich gestritten, wer länger durchhält..."

Die Vorgeschichte der "Oldtimerfreunde" reicht, was Gerold Giese betrifft, ziemlich weit zurück. Er hatte früher, noch daheim in Melkow, mal eine MZ, die er dann weggeben musste, weil seine Mutter den Platz im Stall brauchte. Dem Motorrad hat er lange nachgetrauert. Und als er dann das eigene Grundstück in Jerichow hatte mit genügend Platz, da versprach ihm seine Mutter: Wenn er eine passende Maschine findet, kauft sie sie ihm. Und es klappte. Zwei Tage hat er an der alten MZ rumgebaut, dann lief sie. Allerdings hatte er damals gerade auch eine ETZ gekauft. Die stand irgendwo beim Bauern zwischen den Treckern. Und so ging es weiter. Im Sommer, wenn viel Arbeit war, blieben die alten Maschinen im Stall, und im Winter wurde mit einem Kumpel daran herumgebastelt.

Irgendwann habe er sich gefragt: "Warum gibt es in Jerichow keinen Oldtimerclub!" Sein Kumpel habe gesagt: "Das habe ich probiert, das kannst du vergessen!" Und er: "Das ist ein Sch...Spruch! Du wirst sehen!" Er vereinbarte mit ihm, dass jeder seine gleichgesinnten Bekannten mobilisiert und man sich erstmal trifft. Dann ging alles ganz schnell. Ein Objekt wurde gesucht und in einem Teil der Nebengebäude der ehemaligen Domäne hinterm Kloster gefunden.

Anfangs waren es zehn, zwölf Oldtimerfreunde, jetzt gehören 24 zum Verein. Und bei den Oldtimertreffen, die nun schon sechsmal stattfanden, wurden es immer mehr, die aus der Region, aber auch von weither kamen. "Das macht das Ambiente hier hinterm Kloster", ist Gerold Giese überzeugt. Denn andere Oldtimertreffen finden meist irgendwo auf einer Wiese statt mit nichts drumherum. So etwas wie hier, das gebe es sonst nirgends.

Unheimlich viel haben sie seither allein im Gebäude gemacht, und dann wurde darin gewerkelt und manch alter "Schatz" wieder zum "Leben" erweckt. "Bei uns ist das so familiär", sagt Gerold Giese. Man freue sich über jeden Interessierten, der kommt, "und wir kümmern uns auch um die Leute. Dank unserem Uwe haben wir auch jemanden, der sich wahnsinnig mit diesen Fahrzeugen auskennt, von Vorkriegszeiten bis heute, der geht mit den Leuten über den Platz und erklärt alles..."

"Wir sind schon eine gute Truppe", freut sich Gerold Giese. Die Höhepunkte für alle sind neben den Oldtimertreffen jedes Jahr die gemeinsamen Ausfahrten. Voriges Jahr ging es wieder nach Polen, dieses Jahr sind drei Tage Müritz geplant. "Wir machen das jetzt immer im Wechsel: mal drei Tage über Himmelfahrt, mal eine große Wochentour." Die soll das nächste Mal nach Schweden gehen...

Wie die Idee zum "Tag der Vereine" entstand, ist auch so eine Geschichte für sich. Daran habe Marcus Porsch, der seit dem ersten Klostergartenfest jährlich nach Jerichow kommt - damals noch als Mitglied der "Askanier" - großen Anteil, erzählt Gerold Giese. Es könnten doch alle zusammen hier im Klostergarten etwas Gemeinsames machen, meinte er. Hier auf dem Gelände wurde es zwar nichts, aber rings um "Poeges Hotel" und Jugendklub hat es dann super funktioniert.

Aber auch das wurde erstmal in Frage gestellt. "Giese, das wird sowieso nichts!" sagte ihm jemand. Harald Bothe und Andreas Dertz, Bürgermeister und Ortsbürgermeister, fanden die Idee aber klasse, und als er es in der Runde der Vereine vorstellte, wurde gleich ein Termin festgelegt.

"Es hat Spaß gemacht", blickt Gerold Giese auf die Vorbereitungen zurück. Einmal im Monat treffen sich immer alle, und es sei gut, auch mal über die Probleme der anderen Vereine etwas zu erfahren und sich auszutauschen. Jeder könne so auch das Neueste in den eigenen Verein tragen. "Es ist was Gutes draus geworden!"

Beruflich ist Gerold Giese Dachdecker im Groß- und Einzelhandel und hat seine Arbeitsstelle in Genthin. Gelernt hatte er eigentlich Schmied, erzählt er. In Jerichow wohnt der ehemalige Melkower seit 29 Jahren. Etliche Jahre hat er hier auf dem Volksgut gearbeitet. "Ich konnte ja alles, ich bin ja vom Dorf...". Danach war er einige Jahre auf Montage. Er hat eine Tochter und ist vor kurzem 47 Jahre alt geworden.

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