Die Sekundarschule Loburg muss zum Schuljahr 2016/17 schließen. So hat es das Landesschulamt entschieden. Als Außenstelle der Gemeinschaftsschule darf Loburg nur ein Jahr lang existieren. Für einen Widerspruch bleiben dem Kreis nur noch zwei Wochen Zeit. Im Bildungsausschuss herrscht gestern Unsicherheit.

Loburg/Burg l "Der Schulträger ist aufgefordert bis zum 31. Juli 2016 Bedingungen zu schaffen, um alle Schüler in Möckern zu beschulen", zitiert Kreisvorstand Bernhard Braun gestern Abend aus einem Bescheid des Landesschulamtes. Im Saal Jerichow herrscht angespannte Stille. Die Mitglieder des Bildungs- und Kulturausschusses haben der Tagesordnung zufolge Informationen zur Gemeinschaftsschule Möckern/Loburg erwartet - aber offensichtlich nicht damit gerechnet, dass das Land den Kreistagsbeschluss vollkommen in Frage stellt.

Möckerns Gemeindebürgermeister Frank von Holly (CDU) sitzt in den Reihen der Zuhörer und ist merklich geschockt. "Ich bin fassungslos und habe nichts davon geahnt." Dass die Kreisverwaltung bereits von Planungen in punkto Ausbau der Möckeraner Sekundarschule spricht, verunsichert ihn. Erst im Oktober vergangenen Jahres hatten sich die Kreistagsmitglieder auf einen Kompromiss geeignet. Die Sekundarschulen in Möckern und Loburg sollten zu einer Gemeinschaftsschule fusionieren, Loburg zur Außenstelle werden.

Hintergrund sind vom Land geforderte Mindestschülerzahlen. Für Sekundarschulen mit Mehrfachstandorten sind das 40 Schüler, pro neuer Klasse bedeutet das 20. Die im Fall Möckern/Loburg nach aktuellem Stand für das kommende Schuljahr auch erreicht werden. 20 Anmeldungen gibt es in Loburg bereits. Genügend für eine Klasse, stellt Braun fest.

Ob diese Anzahl auch für 2016/17 erreicht wird, spielt jetzt keine Rolle mehr. Denn: Laut Landesschulamt darf eine Außenstelle nur ein Schuljahr lang existieren. Das erklärte Landrat Steffen Burchhardt (SPD) gestern gegenüber den Ausschussmitgliedern.

Anbau an der Möckeraner Schule bereits abgestimmt

In dem Kreistagsbeschluss sah das noch anders aus: Die Außenstelle sollte solange existieren, wie es die Schülerzahlen erfordern. Burchhardt ist froh, dass es jetzt Klarheit für die Betroffenen gibt: "Man hat versucht, jeden Hebel in Bewegung zu setzen, um die Schule zu retten." Doch an irgendeinem Punkt habe man den Kampf verloren, die Sache in die Länge gezogen, um Zeit zu gewinnen. "Für alle Beteiligten führte diese Unklarheit zu einem langen Leidensweg."

Ausschussvorsitzender Hartmut Dehne (CDU) will sich in Sachen Schulschließung noch nicht geschlagen geben: "Welche Möglichkeiten gibt es Rechtsmittel einzulegen?" Burchhardt hat bereits ausgerechnet, dass ein Widerspruch bis genau einen Tag vorm nächsten Kreistag eingereicht werden müsste. Und macht deutlich: "Dafür bräuchten wir aber eine Argumentationsgrundlage." Und die habe man in der Verwaltung bisher nicht gefunden.

Dehne hakt nach: "Haben wir denn überhaupt genügend Räumlichkeiten, um in Möckern in einem Jahr alle zu beschulen?" In der Kreisverwaltung haben die Verantwortlichen sich offensichtlich dazu bereits ausführlich Gedanken gemacht. "In Abstimmung mit dem Planungsbüro könnten in Möckern Räume an den Flachbau angebaut werden", erläutert Bernd Girke. Geht es nach dem Kreisvorstand wäre jede Investition in Loburg mit Blick auf den aktuellen Landes-Bescheid nicht mehr sinnvoll. Jedoch dringend nötig. In Sachen Brandschutz sei der Risikofaktor jetzt bereits hoch. "Bleibt der Standort noch länger als ein Jahr erhalten, müssten wir unbedingt investieren", macht Girke deutlich und hinterfragt den Sinn einer Investition bei einer ohnehin anstehenden Schließung.

Augenmerk soll auf Schülerbeförderung liegen

Alles sieht also danach aus, dass der Ort Loburg seine Sekundarschule verliert. Und Ausschussmitglied Klaus Bock (FDP/WG/FW) weiß, was das bedeuten kann: "Ohne Schule ist es schwierig, Einwohner zu halten oder neue junge Familien zu gewinnen." Kommunalpolitiker André Gröpler (CDU) kommt aus Loburg und plädiert ganz klar für einen Widerspruch gegen den Beschluss des Landes. "Das wird in Loburg zu Unmut führen, der Ort wird an der Schließung Schaden nehmen."

Dem widerspricht Andreas Dertz (FDP/WG/FW) nicht, aber für ihn steht jetzt an erster Stelle, dass die Bürger vor Ort Klarheit bekommen. "Sonst fühlen sich sowohl die Lehrer als auch die Eltern und Schüler immer weiter wie auf einem sinkenden Schiff." Viel eher sollte man nun "vernünftige Grundlagen in Möckern schaffen". Genau das will auch Landrat Burchhardt. "Wir sollten jetzt die Möglichkeiten ausnutzen, die wir haben."

Und das betreffe sowohl die Sanierung in Möckern als auch den öffentlichen Nahverkehr: "Über vernünftige Fahrzeiten für den Schulweg und den Ausbau des Gebäudes in Möckern muss jetzt diskutiert werden."

Kreisvorstand Girke räumt die Möglichkeit einer neuen Aula für Möckern ein und versichert, dass der Ausbau den aktuellen Schulbetrieb nicht stören wird. Obwohl gestern Abend unter anderem für Politiker Klaus Bock fest steht, dass es keine Perspektive für Loburg gibt, besteht Ausschussvorsitzender Hartmut Dehne auf eine Diskussion im Kreistag.

Am Ende der Sitzung steht ein Kompromiss: Landrat Burchhardt will heute im Landesschulamt um eine Verlängerung der Frist bitten, so dass im Kreistag am 11. März noch über die Option des Widerspruchs diskutiert werden kann.