Zerben (sta) l Ihren 90. Geburtstag hat gestern Frieda Müller aus Zerben gefeiert. Dazu ging es mit der ganzen Familie, die zu Besuch kam, nach Güsen in die "Roxy". Ansonsten wohnt die Jubilarin allein in ihrer Wohnung unweit der Schleuse und kommt mit Hilfe einer Schwester, die täglich nach ihr schaut, noch gut zurecht.

Hier in das Haus an der Schleuse ist Frieda Müller bereits 1951 mit ihrer Familie eingezogen. Ursprünglich stammt sie aus Stutthof bei Danzig. 1945 musste ihre Familie dort weg. Die Mutter ist mit vier Kindern zunächst in Elbing untergekommen, wo viele im Fliegerhorst arbeiten und beschädigte Militärflugzeuge instand setzen mussten. Der Vater war im Krieg, aber sie haben ihn später wiedergefunden. "Eine Cousine wohnte in Aschersleben. Das wussten alle, und dort haben sich alle getroffen."

Ihren Mann hat Frieda Müller dort in Elbing kennengelernt. Er stammte aus Güsen, wohin die beiden dann auch gezogen sind. Arbeit hat er damals auf der Schleuse bekommen und blieb hier auch. Als die damalige Betriebswohnung neben der Schleuse frei wurde, sind sie hergezogen.

Frieda Müller war allerdings nicht hier beschäftigt, sondern im Blumenladen in Güsen.

Die beiden haben vier Kinder bekommen, von denen zwei in Magdeburg leben und eines in Köln. Ein Sohn ist leider bereits verstorben. Inzwischen sind auch sechs Enkel dazu gekommen.

Die "Magdeburger" kommen im Wechsel regelmäßig her, erzählt Frieda Müller. Dann fahren sie gemeinsam einkaufen und füllen die Vorräte auf. Da ist sie gern selbst mit dabei.

Und auch sonst ist sie immer noch recht aktiv. "Ich stricke ganz viel, vor allem Socken." Das funktioniert fast automatisch, da brauche sie kaum noch hinzuschauen. Früher habe sie auch Pullover für die Leute gestrickt, dazu hatte sie eine Strickmaschine, berichtet sie.

Von Langeweile und zu viel Ruhe ist also keine Spur in ihrem Leben. Auch von Bekannten bekommt sie immer wieder mal Besuch. Und (fast) vor der Tür ist schließlich schon seit einigen Jahren auch eine Menge los: Die Schleusen-Großbaustelle. Ob sie der Lärm stört? Anfangs, sagt sie, sei es schon laut gewesen, aber inzwischen habe sie sich dran gewöhnt und es störe gar nicht mehr.