Nicht leicht fiel es den Mitgliedern des Rechnungsprüfungs- und Finanzausschusses, die Aufnahme eines KfW-Darlehens über eine halbe Million Euro zu empfehlen. Aber nur so kann die Modernisierung der Straßenbeleuchtung umgesetzt werden.

Genthin l Mehr LED-Licht in Genthins Straßenbeleuchtung, das hat der Stadtrat im vergangenen Jahr beschlossen. Um den steigenden Energiekosten zu begegnen, soll ein großer Teil der Straßenbeleuchtung mit kostengünstigen Leuchtmitteln ausgestattet werden.

Derzeit gibt es 2817 Leuchten in Genthin und den Ortschaften. Insgesamt kostet die Straßenbeleuchtung derzeit knapp 324000 Euro jährlich, etwa 115 Euro pro Lampe. Kosten, die mit neuer Technik deutlich gesenkt werden könnte. Vor der Ersparnis stehen allerdings die Anschaffungs- und Umrüstungskosten. Zur Finanzierung des Vorhabens plant die Stadt, einen KfW-Kredit über 500 000 Euro aus einem Kreditprogramm zur Stadtsanierung aufzunehmen.

Mit einem Zinssatz von 0,7 Prozent und einer Laufzeit von zehn Jahren rechnet die Stadtverwaltung. Mit positiven finanziellen Effekten durch die Energieeinsparungen im Haushalt rechnet die Stadt bereits nach einem Jahr. Janett Zaumseil, Leiterin des Fachbereichs Finanzen, wies darauf hin, dass man die Darlehens-Tilgung ab dem ersten Jahr vornehmen werde. Im Kreditprogramm gewährt die KfW-Bank hingegen eine zweijährige Tilgungsfreiheit. Die Kreditaufnahme berge keine Verwerfungen mit der Kommunalaufsicht. "Diese hat uns die Kreditaufnahme bewilligt", machte Bürgermeister Thomas Barz (parteilos) während der Sitzung deutlich. Dennoch hatten einige Ausschussmitglieder sichtlich Bauchschmerzen vor der Entscheidung. "Es ist ein trauriger Tag für Genthin, weil wir nach 20 Jahren wieder ein Darlehen aufnehmen", bemerkte Andreas Buchheister (CDU). "Eigentlich wollen wir Schulden zurückzahlen." Dennoch wolle er zustimmen.

Die traurigen Tage seien schon länger da, erwiderte ihm der Bürgermeister. "Wir rutschen immer wieder in die Liquiditätskredite hinein." Die Verwaltung versuche es zu vermeiden, aber es werde kein Einzelfall bleiben. Das Darlehen sei die einzige Chance, um Investitionen zur energetischen Sanierung kurzfristig durchführen zu können. Der Ausschussvorsitzende Wilmut Pflaumbaum (FDP) fragte genauer nach der Vorgehensweise bei der Umrüstung. "Wir stellen nicht alle Lampen um", verdeutlichte der Bürgermeister. Vielmehr wolle man differenziert vorgehen und jeden Straßenzug gesondert betrachten. Es gäbe nicht eine Lampenmodell in allen Straßenlaternen, sondern möglicherweise vier bis fünf Varianten. Dies läge darin begründet, dass die Ausleuchtung aus sechs Meter Höhe eine andere sei, als aus vier Metern. Diese baulichen Unterschiede seien zu berücksichtigen. Die Stadt Genthin wolle zudem von Erfahrungen anderer Kommunen profitieren. "Einige Kommunen haben sich mit der Wattzahl vertan und sich bei der Belastbarkeit der Lampen verschätzt." Dadurch sei weder die energetische, noch die finanzielle Ersparnis erzielt worden.

Barz kündigte an, dass der Bau- und Vergabeausschuss in den weiteren Verlauf der Maßnahme einbezogen werde. Die vom Finanzausschuss bestätigte Vorlage wird heute im Hauptausschuss und am 12. März im Stadtrat abschließend beraten.