Der Unmut über die Schließung der Begegnungsstätte in der Genthiner Schillerstraße ist groß. Einige Senioren machen dem bisherigen Träger Volkssolidarität deutliche Vorwürfe. Dort versucht man die Wogen zu glätten.

Genthin l Enttäuschung und Wut bei den Senioren, die in den vergangenen fünf Jahren regelmäßig in der Begegnungsstätte Schillerstraße zu Gast waren.

"Wir sind zu Kaffeenachmittagen, Spielerunden und Vorträgen zusammengekommen und haben uns immer auf die Veranstaltungen gefreut", erzählen regelmäßige Teilnehmer. Doch damit ist ab dem 31. März Schluss. Die Begegnungsstätte wird mit großer Wahrscheinlichkeit geschlossen. Hintergrund: Die Volkssolidarität als bisheriger Träger der Räumlichkeiten hat den Mietvertrag zum 31. März gekündigt.

"Bei ähnlichen Angeboten werden üblicherweise Serviceverträge abgeschlossen", erläutert Britta Krüger, Koordinatorin der Volkssolidarität im Jerichower Land. Über diese Verträge wird ein entsprechendes Dienstleistungsangebot finanziert. In Genthin seien diese Verträge nicht abgeschlossen worden.

Auch andere Gruppen und Vereine mochten sich nicht in der Schillerstraße ansiedeln, wodurch Einnahmen fehlten. Die Volkssolidarität finanzierte Personal und Mieten selbst. Auf die Mieten konnte und wollte die Städtische Wohnungsbaugesellschaft hingegen nicht verzichten.

"Wir hätten das Angebot gern im Haus behalten", erklärt SWG-Geschäftsführerin Angelika Domsgen. "Eine Ausschreibung für einen neuen Träger, der die Räumlichkeiten weiterführt, blieb ohne Resonanz."

So ist es wahrscheinlich, dass die Volkssolidarität die Räume zum Monatsende an die SWG zurückgibt und diese dort zwei kleine Wohnungen einrichtet. "Es gibt bereits eine Warteliste", bestätigt Angelika Domsgen die Attraktivität des Gebäudekomplexes, in dem seit 2010 bereits 22 seniorengerechte Wohnungen existieren.

Für die Senioren, die gern die Begegnungsstätte weitergenutzt hätten, ist die Schließung ein Affront. "Die Verantwortlichen sparen an der falschen Stelle", meint Heinz Kebsch in einer Zuschrift an die Redaktion. "Der Name Volkssolidarität sollte Verpflichtung sein, alles für das Wohl der Mitglieder zu tun." All das, was in fleißiger Tätigkeit aufgebaut und sehr gut angenommen wurde, werde durch die unvernünftige Entscheidung des Trägers wieder kaputt gemacht.

Großen Anteil am Erfolg des bisherigen Angebotes hat Hannelore Gerbet. Sie organisierte und betreute die Veranstaltung in den vergangenen Jahren und wird diese Tätigkeit nicht mehr ausüben. "Für mich gibt es nach dem 31. März keine Aufgabe mehr", bestätigt sie und bedauert, dass die Schillerstraßen-Gemeinschaft nun wohl auseinanderfallen werde.

Nicht ausgeschlossen, denn die Volkssolidarität hat auf die Vorwürfe reagiert und Alternativen aufgezeigt. "Die Mitglieder der Schillerstraße können sich anderen Ortsverbänden anschließen", sagt Britta Krüger. Neben der Gruppe Stadtmitte/Altenplathow gäbe es auch die in Genthin Süd und Ost.

Eine weitere Möglichkeit sei die Fortführung in der Begegnungsstätte "Damals HO". Betreiberin Marina Krause bietet dafür den Mittwoch an, schränkt aber ein: "Eine Betreuung kann ich nicht bieten, ich stelle die Räume zur Verfügung und koche Kaffee, alles andere würde meine Möglichkeiten überschreiten." Britta Krüger hakt diesbezüglich ein: "Wir können zukünftige Treffs in diesen Räumlichkeiten durchaus organisieren."

Auch für die An- und Abreise würde gesorgt werden. "Wenn der Bedarf vorhanden ist, kann ein Bus zur Verfügung gestellt werden."Ob die Senioren dieses Angebot annehmen, ist derzeit fraglich. "Wir möchten nirgendwo anders hin", ist von einigen Schillerstraße-Teilnehmern zu hören. Die Räume in der Schillerstraße seien optimal für ihre Zusammenkünfte gewesen.

Die Volkssolidarität will mit ihren Mitgliedern nun noch einmal ins Gespräch kommen. Spätestens im April wollen wir die Besucher der Begegnungsstätte Schillerstraße über die künftigen Möglichkeiten informieren", kündigt Britta Krüger an. Ort und Zeit werden noch mitgeteilt.