Genthin l Über die Genthiner Sportstätten wurde in den vergangenen Monaten hitzig diskutiert. Im Bildungs-, Kultur- und Sozialausschuss sagte Bürgermeister Thomas Barz vor Kurzem: "Wir wollen nicht mehr über einzelne Hallen sprechen, sondern ein Konzept für alle Sportstätten entwickeln." So solle die Diskussion versachlicht werden.

Beim Sportstättenentwicklungskonzept handelt es sich um ein Modellprojekt des Sozialministeriums Sachsen-Anhalts. Vom Land hat jede Kommune einen Leitfaden bekommen, der bei der Erstellung helfen soll. In diesem wird darauf hingewiesen, dass es immer weniger junge Menschen, dafür mehr alte geben wird. Immer weniger Menschen würden Sport in Vereinen machen. Mehr Bedarf bestehe dagegen bei individuellen, gesundheitsbezogenen Sportangeboten. Auf diese Entwicklung müssten die Kommunen sich einstellen.

Im Leitfaden heißt es außerdem, dass jede Kommune eine ausreichende Sportinfrastruktur zu "vereinsverträglichen Konditionen" gewährleisten soll. In Genthin müssen die Vereine seit Anfang des Jahres einen Teil ihrer Betriebskosten in den städtischen Hallen selbst zahlen. Auch darüber wurde viel diskutiert. "Über andere Vereine wurde dagegen gar nicht geredet", sagt Barz. "Der Kegelverein zahlt zum Beispiel seine Betriebskosten seit Jahrzehnten selbst."

Zurück zum Entwicklungskonzept. Dessen Erarbeitung umfasst zehn Schritte. An den Anfang sind Bestands- und Bedarfsermittlungen gestellt. Es muss also erfasst werden, welche Sportstätten vorhanden sind, wie sie genutzt werden und in welchem Zustand sie sind. Außerdem soll ermittelt werden, wie viele Leute die Sportstätten gegenwärtig nutzen. Dazu sind die Bevölkerungsprognosen des Statistischen Landesamtes heranzuziehen. "Dieser Demografie-Check ist auch Pflicht, wenn man Stark III-Fördermittel möchte", erklärt Barz. Solche Mittel wurden beispielsweise für die Uhland-Halle beantragt.

Aus Bestands- und Bedarfsanalyse ergibt sich dann ein Fehl- oder Überangebot an Sportstätten.

Unter Sportstätten fasst das Sozialministerium die unterschiedlichsten Räumlichkeiten zusammen: Innen- und Außenräume, richtlinienabhängige und -unabhängige Räume. Stätten für spiel- und bewegungsorientierte Freizeit sowie Räumlichkeiten zur allgemeinen Freizeit und Erholung. Richtlinienabhängig sind zum Beispiel Sportarten wie Fuß- oder Volleyball, wo die Spielfeldgrößen genau festgelegt sind. An Stätten für diese Sportarten werden ganz konkrete Anforderungen gestellt. Flexibler ist man dagegen bei richtlinienunabhänigen Räumen. Laut Ministerium wünschen sich viele Menschen gymnastischen und fitnessorientierten Sport in gut erreichbaren kleineren Räumen. All diese Räumlichkeiten sollen die Kommunen nun systematisch erfassen. In einem nächsten Schritt werden Bevölkerung und Sporvereine befragt, außerdem wird mit Experten diskutiert.

Am Ende steht ein "Masterplan", in dem aufgeführt wird, welche Sportstätten in Genthin gebraucht werden. Sanierungsbedürftige Hallen werden aufgelistet, außerdem wird erfasst, was die Sanierung kostet und woher das Geld kommen kann. Momentan werden die Vereine beteiligt. Spätestens im Mai soll die Bürgerbefragung starten. Der Masterplan soll laut Barz im Herbst fertig sein und dann in den politischen Gremien diskutiert werden.