Mit Buchautorin Sieglinde Seele aus Berlin machte sich gestern eine wichtige "Patin" der Genthiner Bismarck-Ausstellung, die Bismarck-Türme und -steine thematisiert, ein Bild von der musealen Umsetzung. Sieglinde Seele gilt als Fachfrau auf diesem Gebiet und besuchte erstmals das Genthiner Museum.

Genthin l Der bevorstehende 200. Geburtstag von Otto von Bismarck hat das Museum einfallsreich werden lassen. Bei dieser Sonderausstellung konnte sich das Museum auf fundiertes Recherchematerial des Heimatforschers Günter Heine sowie der Buchautorin Sieglinde Seele stützen und es zu einer Präsentation vereinen, erklärt Museumsleiterin Antonia Beran. Nicht allein eine Auswahl aus den Sammlungsbeständen des Museums macht also die aktuelle Bismarck-Ausstellung aus.

Hobbyhistoriker Günter Heine aus Wust, der bereits seit Jahren engagiert mit dem Museum zusammenarbeitet, begeisterte bei der Vernissage die Gäste mit zum Teil abenteuerlichen Geschichten, wie er Bismarck-Steine in den vergangenen Jahren aufgestöbert hat. Bei einem Krankenhausaufenthalt erhielt er beispielsweise zufällig Kenntnis von einem bis dato fast in Vergessenheit geratenen Bismarck-Stein in Molkenberg aus dem Jahr 1896. Eine Geschichte, die auch Buchautorin Sieglinde Seele kennt. Die Entdeckung dieses Steins ging ein in die mittlerweile über Jahre gepflegte Korrespondenz zwischen der Familie Dr. Wolfgang und Sieglinde Seele aus Mannheim/Berlin und Günter Heine aus Wust. "Netzwerke sind eben alles", sagt die Fachfrau, als sie das Foto von dem Molkenberger Stein in der Ausstellung entdeckt. Sieglinde Seele hat sich als Buchautorin ausführlich mit Bismarck-Türmen, Bismarck-Säulen und später auch mit Bismarck-Denkmälern in ganz Deutschland beschäftigt und damit für die Genthiner Ausstellung quasi ein Grundgerüst vorgegeben.

Es fasziniere sie, sagte sie bei ihrem gestrigen Besuch in Genthin, dass in der deutschen Geschichte keinem Dichter, Denker oder Politiker soviele Denkmale gesetzt wurden wie Bismarck. Ehemann Dr. Wolfgang Seele teilt die Leidenschaft seiner Frau. Gerade als ehemaligem Westberliner haben ihn Bismarcks Verdienste bei der Reichseinigung stets beeindruckt.

Im fachmännischen Urteil von Sieglinde Seele schneidet die Sonderausstellung des Kreismuseums sehr gut ab. Eine sehr übersichtlich geordnete Präsentation, eine klare Gliederung und dezente Beleuchtung der Vitrinen, resümiert die Autorin ihren Rundgang, deren Denkmalleidenschaft bei einem Urlaub von einem Bismarck-Turm am Starnberger See in Bayern geweckt wurde. Obwohl längst eine gestandene Größe auf dem Gebiet der Bismarck-Denkmale habe sie beim Besuch der Genthiner Ausstellung zwar ihr bekannte Denkmale wiedergefunden, doch einige der ausgestellten Fotografien seien durchaus neu für sie. Besondere Aufmerksamkeit des Ehepaares Seele fanden übrigens Exponate aus der Bismarck-Bibliothek des Kreismuseums, die einst von Museumsleiter Vogeler begründet wurde. Seine Fahrt in Richtung Berlin führte das Ehepaar nach dem Besuch in Genthin nach Zitz, wo eine Bismarck-Eiche steht.

Neben einem Bismarck-Turm in Burg gibt es in Sachsen-Anhalt noch weitere 17 Türme, unter anderem in Halberstadt, Coswig, Halle, Naumburg und Salzwedel.