Für geschäftiges Klingeln der Redaktionstelefone sorgte das Foto, das wir in der vergangenen Woche im "Heimaträtsel" veröffentlichten. Es zeigt die Gaststätte der Familie Deicke in Wiechenberg. Für die Anrufer war des Rätsels Lösung kein Problem, viele Anekdoten gab es inklusive.

Wiechenberg l "Das ist die Gaststätte der Familie Deicke", sagt Hannelore Babick aus Bergzow. Sie muss es wissen, denn als Schülerin war sie mit der Tochter der Wirtsfamilie befreundet und dementsprechend oft im Parchener Ortsteil Wiechenberg zu Gast. Direkt an der B1 zwischen Parchen und Genthin steht das Gebäude.

Auch Siegfried Wegemann kennt es gut. Er hat viele Jahre als Zimmerer gearbeitet und Anfang der 50er Jahre die Toiletten in der Gaststätte eingebaut. Toiletten sind auch Hauptbestandteil der Anekdote, die Heide Schmidt aus Brettin erzählt. Kurz bevor Siegfried Wegemann kam und sanitäre Anlagen eingebaut hat, muss es gewesen sein. Heide Schmidt berichtet jedenfalls vom berühmten Wiechenberger Plumpsklo. "Da gab es zwei Löcher ohne Trennwand, ideal für die Damen, die zusammen aufs Klo gehen wollten."

Besonders bei Radfahrern war die Gaststätte beliebt. Günther Schulenburg, der damals als Lehrer gearbeitet hat, berichtet: "Nach Wandertagen haben wir oft dort angehalten und mit den Schülern eine Brause getrunken." Auch von Tanzveranstaltungen und Hochzeitsfeierlichkeiten erzählt Schulenburg. Der Parchener wohnte damals noch in Jerichow. "Auch auf dem Weg zum Fußball haben wir oft in Wiechenberg Halt gemacht." Objekt der Begierde: Eine Molle Bier. Neben Anekdoten hat Schulenburg, der heute in Parchen ehrenamtlich als Ortschronist tätig ist, auch Daten parat. "1910 wurde das Gebäude vom Bauherrn Hesse errichtet. Gaststättenbesitzer war Otto Bühring, später Otto Schröder und ab 1926 Werner Deicke." Laut Schulenburg ist das Wohnhaus ein Putzbau mit Ziegeleindeckung und einem Erker. "Das Torhaus wurde 1950 angebaut, rechts der Gaststätte befand sich der Saal." Im Besitz der Familie von Werner Deicke war das Lokal bis 1984. Es gab Bockwurst, Bier, Wein und Brause. Die letzte Cola trank Günther Schulenburg dort 1984. "Danach war Schluss", sagt er bedauernd.

"Heute steht an der Stelle oft ein Blitzer", sagt Siegrid Schuhknecht aus Kade, während sie sich an das beliebte Ausflugsziel für Radfahrer erinnert.

"Ein uriger, alter Gasthof." So ist das Lokal auch der Genthinerin Inge Weller im Gedächtnis geblieben.

"Nicht nur das Lokal, auch der Radweg, den es damals wenigstens zwischen Wiechenberg und Genthin gab, ist lange verschwunden", berichtet Karl-Heinz Zigan. Auch er hat oft mit dem Rad bei Deickes angehalten, um sich mit einer Brause zu erfrischen.

Die Genthinerin Heidrun Schulze schreibt per Mail: "Ich erkenne auf dem Foto die Gaststätte in Wiechenberg. In den 60er Jahren bin ich als Kind mit meinem Vati und meinem jüngeren Bruder hier oft eingekehrt. Wenn wir nach längeren Radtouren oder auf dem Rückweg vom Parkfest in Parchen waren, bestellten wir hier traditionell Bockwurst und Fassbrause." Auch heute ist die Genthinerin dort oft mit dem Rad unterwegs. "Leider ohne Rastmöglichkeit bei Deickes."

Auch einer unser treuesten Heimaträtsel-Anrufer ließ uns beim Foto aus Wiechenberg nicht im Stich. Günter Müller aus Genthin berichtet: "Ich habe in der Gaststätte zwar nie gefeiert, aber gearbeitet." Der Elektromeister war für den Autohändler Mario Kühn tätig, der mit seinem Autohaus in das Objekt ziehen wollte. Müller: "Das hat aber nicht geklappt, Kühn eröffnete sein Autohaus dann in Parchen."

Gewonnen hat in dieser Woche Karl-Heinz Zigan. Das kleine Überraschungspaket kann werktags zwischen 9.30 und 16 Uhr in der Redaktion abgeholt werden.

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