Seit Ende Januar steht in der Ferchländer Kirche eine elektronische Kisselbach-Orgel. Einem solchen Instrument fehlt freilich als "Hingucker" ein Orgelprospekt. Den gibt es nun seit gestern. Original-Orgelpfeifen sind im halbrunden Fenster zur Empore hinterm Altar eingebaut. Sie sind allerdings nur Dekoration.

Ferchland l Die schmucke Verkleidung aus Eichenholz, in einem zu den anderen Holzeinbauten der Kirche passenden Farbton lasiert, hatte Matthias Beckmann daheim in Friesack in seiner Werkstatt vorgefertigt. Trotzdem hatte er zusammen mit seinem Kollegen Gottfried Göhler hier vor Ort noch tüchtig zu tun, um alles genau einzupassen. Denn bei einem alten Kirchengemäuer ist wohl immer alles ein bisschen "schief".

Pfeifen funktionieren noch, werden aber schweigen

Die 28 Orgelpfeifen brauchten dann nur noch von hinten in die Halterungen hineingesteckt werden - das ging ganz schnell. Es sind echte Orgelpfeifen, wobei Matthias Beckmann die längeren etwas gekürzt hat, damit sie hineinpassen. Einige mussten ein bisschen repariert werden, und alle haben einen neuen Überzug aus Silberbronze bekommen.

Sie alle klingen noch, wenn man hineinbläst, und auch die Stimmrollen sind noch funktionstüchtig. Das Kürzen der Pfeifen habe keinerlei Auswirkungen auf den Ton, erklärt Matthias Beckmann. Schweigen werden diese Pfeifen künftig aber doch.

Von der alten Orgel der Ferchländer Kirche stammt allerdings keine der Pfeifen. Zwar hatte im Januar Gemeindekirchenratsvorsitzender Friedrich Schwarz die Ferchländer aufgerufen, in Schuppen und auf Dachböden nachzuschauen, ob sich noch Pfeifen von der nach dem Krieg geplünderten Orgel anfinden. Ein paar besitzt die Kirchengemeinde auch noch.

Doch nur einige davon zu verwenden, hätte nicht funktioniert, erklärt Beckmann. Denn sie müssen schon der Größe nach zueinander passen. Und sie durch "fremde" zu ergänzen, hätte kein schönes Bild gegeben.

Alte Prospektpfeifen von der Orgel in Glöwen

Dass nun trotzdem alte Originalpfeifen eingebaut werden konnten, ist dem glücklichen Umstand zu verdanken, dass der Friesacker Orgelbaumeister diese bei sich noch eingelagert hatte. "Es sind Pfeifen von der Lütkemüller-Orgel der Kirche Glöwen", sagt er. Von der ursprünglichen Orgel stammen sie aber nicht - die hätte die dortige Kirchengemeinde ganz bestimmt nicht herausgerückt. Aber die waren bereits im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen worden. Später erhielt die Orgel Zinkpfeifen für ihren Prospekt, die bei der Restaurierung 2012 wieder ausgebaut und durch Zinn-Pfeifen, wie sie früher waren, ersetzt wurden.

Es sei nur in ganz wenigen Fällen möglich, Orgelpfeifen in einer anderen Kirche wiederzuverwenden, betont Matthias Beckmann. In der Regel sei das nicht mit dem Denkmalschutz in Einklang zu bringen. Für ihn ist es hier das erste Mal in den zehn Jahren, seit er sich als Orgelbaumeister, Restaurator und Tischlermeister - spezialisiert auf Kircheneinbauten - selbständig gemacht hat. Somit wird Ferchland für ihn in besonderer Erinnerung bleiben, obwohl es nur ein vergleichsweise kleiner Auftrag war.

Im Jahr 2012 hat Matthias Beckmann mit seinem Team die Orgel der Derbener Kirche restauriert, die damals gerade 100 Jahre alt wurde. Auch in den Kirchen Zerben und Parey war er schon tätig.

 

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