Die höchste Ehrung der Stadt Genthin geht in diesem Jahr an den Leiter des Amateurtheaters. Genthin sagt Eckhard Neumann mit dem Bürgerpreis "Danke". Danke für unzählige Märchen, kulturelle Bereicherung und unermüdliche Jugendarbeit.

Genthin l Ungläubig sieht Eckhard Neumann von der Medaille zur Urkunde und wieder zurück. Ein strafender Blick trifft Bürgermeister Thomas Barz, der dem Gat-Leiter das Goldene Buch der Stadt Genthin reicht. "Man hat mich verarscht", sagt Neumann, während er die Fraktionsvorsitzenden und Mitglieder des Amateurtheaters mustert, die im Rathaussaal Platz genommen haben. Wegen der Sanierung des Stadtkulturhauses war Neumann ins Rathaus gebeten worden, nun sah er sich mit Bürgerpreis, Medaille, Goldenem Buch und zahlreichen Gratulanten konfrontiert.

Doch Neumann ist Künstler und Künstler lieben den Applaus. "Der Beifall ist uns genug", pflegt er auf die Frage zu antworten, warum er und seine Truppe den Großteil ihrer Freizeit opfern, um den Genthinern Weihnachtsmärchen, Valentinade, Lesungen und andere kulturelle Höhepunkte zu liefern.

Und so freut sich Neumann natürlich über diese höchste Ehrung, die seine Stadt zu bieten hat und nimmt gerührt Glückwünsche und Medaille entgegen. Neben einem herzlichen "Dankeschön" sorgt auch sein Satz, dass er noch lange nicht ans Aufhören denke, für Beifall."

"Eckhard Neumann hat die kulturelle Entwicklung der Stadt bereichert", ist seit Dienstag im Goldenen Buch zu lesen. Seit 1971 bereichert er das Weihnachtsfest der Genthiner mit dem Weihnachtsmärchen. Märchenrevue, Schneekönigin, Jorinde und Joringel, Katzenhaus ... Die Liste der Märchen ist lang. Genau so wie die Liste der Darsteller. Frank Zelmanski, Rita Wagner, Marina Conradi, Jürgen Wagner, Elke Hinze, Claudia Laubvogel, Dominik Patté ... Sie alle haben schon sorgenvoll in sein Gesicht geschaut, wenn die Probe ihm nicht mehr als ein Stirnrunzeln entlockte.

Ob Märchen, Sketch, Hans-Sachs- oder Gegenwartsstück. Unter perfekt macht es Eckhard Neumann nicht. "Du sollst nicht sagen, dass dir kalt ist, man soll es sehen", musste sich Mareike Rathge 2010 unzählige Male sagen lassen, als die damals Zwölfjährige die Gerda aus der "Schneekönigin" gab. Der Lohn: Zur Aufführung im ausverkauften Stadtkulturhaus hat jeder gesehen, wenn Gerda kalt war, wenn Gerda litt, wenn Gerda sich freute ... So kennt das Ensemble des Genthiner Amateurtheaters Eckhard Neumann seit 44 Jahren. Streng, aber freundschaftlich bei den Proben, strahlend nach der gelungenen Aufführung.

Die Begeisterung für das Theater begleitet den 73-Jährigen ein Leben lang. Schon als Schüler leitete er seine eigenen Theatergruppe, als Lehrer ließ er sich das ebenfalls nicht nehmen und als Lisa Wolf 1971 einen Regisseur für ein Jugendtheater suchte, ließ sich Neumann nicht lange bitten. Aus dem Weihnachtsmärchen ist eine Genthiner Tradition geworden. Vorläufiger Höhepunkt ist der Bürgerpreis.

"Gut, dass der nicht fürs Lebenswerk ist", sagte Neumann bei der Verleihung. "Aufhören, das ist nicht in meinem Sinn."

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