In der Kundenbetreuung durch die Agentur für Arbeit in Genthin wird es ab Mai Veränderungen geben. Die Reaktion aus der Bevölkerung fällt erwartungsgemäß aus: Wieder geht etwas aus Genthin weg.

Genthin l Gestern Abend lag die Angelegenheit auf dem Tisch des Stadtrates. Bestürzung machte sich auch hier breit. Erst Anfang des Monats war Bürgermeister Barz über die Veränderungen in der Kundenbetreuung durch die Agentur für Arbeit in Magdeburg informiert worden.

Um was geht es?

Der Kundenservice für die Kunden der Arbeitslosenversicherung, ALG I, wird in der Geschäftsstelle Genthin zum 4. Mai eingestellt. Die Arbeitssuchenden müssen zukünftig die Agentur für Arbeit in Burg aufsuchen. Im Amtsdeutsch hieß es: "Kundenvorsprachen zu Terminen der Arbeitsvermittlung sind nur noch in Burg möglich."

Dazu gehört auch, dass die Leistungsanträge, zum Beispiel Arbeitslosengeld, dann in Burg abgegeben werden müssen. Als Begründung für diesen Schritt führte Jana Echternach, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Magdeburg, an, dass die Arbeitslosigkeit im Bezirk der Geschäftsstelle Genthin gesunken sei. "Die Agentur für Arbeit passt nun ihr Dienstleistungsangebot den geänderten Rahmenbedingungen auf dem lokalen Arbeitsmarkt an", hieß es.

2010 waren im Bereich Genthin 660 Personen ohne Job, was einer Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent entsprach, 2014 waren es 576 Personen, was eine Arbeitslosenquote von 3,7 Prozent bedeutete.

Echternach betonte gegenüber Volksstimme, dass sich das Serviceangebot für die Kunden der Arbeitsagentur Genthin trotz der Veränderungen insgesamt nicht ändern würde. Sie machte darauf aufmerksam, dass Firmen, wenn sie eine größere Zahl von Entlassungen planen, gesetzlich verpflichtet seien, dies der Arbeitsagentur zu melden. Echternach: "So können wir die Unterstützung zum Beispiel bei der Arbeitssuchendmeldung oder Antragstellung direkt vor Ort im Unternehmen anbieten." Allesamt Argumente, die für Bürgermeister Thomas Barz (parteilos) und den Genthiner Stadtrat die Entscheidung der Agentur für Arbeit nicht rechtfertigen.

Barz appelliert deshalb an die Agentur, die Entscheidung noch einmal zu überdenken. Gerade den Genthiner Bürgern würde damit ein weiterer Service verlorengehen. Dies sei ihm in vielen persönlichen Gesprächen vermittelt worden.

Der Bürgermeister hält es für ein politisch fatales Signal, wenn die Bundesagentur für Arbeit in einer so strukturschwachen Region wie Genthin ihre Präsenz vor Ort nicht mehr gewährleiste. In einem Schreiben an die Bundesagentur, das Volksstimme bekannt wurde, schreibt Barz: "Bei allem Verständnis für die Suche nach effizienten Verwaltungsstrukturen muss die Arge als vom Bund finanzierte Behörde oberste Priorität auf die Interessen der Kunden legen, die unbestritten in der Region Genthin (leider) reichlich vorhanden sind. Servicetelefone können hier nicht die Lösung sein. Auch im digitalen Zeitalter bleibt der persönliche Kontakt Grundlage für eine zielführende und zufriedenstellende Kundenberatung und Betreuung."

In Genthin wird weiterhin das Dienstleistungsangebot für die Kunden des Jobcenters aufrechterhalten.