heute Bürgermeister von Genthin. Über gute und schlechte Tage im Rathaus sprach er mit Redakteurin Kristin Schulze.

Volksstimme: Ihr Terminkalender wirkt sehr voll. Oft sind Sie spät abends oder am Wochenende unterwegs. Haben Sie noch ein Privatleben?

Thomas Barz: Natürlich. Aber bei mir gibt es keine strikte Trennung mehr. Viele Termine interessieren mich privat, das ist für mich nicht wirklich Arbeitszeit.

Was sagt Ihre Frau dazu?

Ähnliches. Wenn sie es mit ihren Arbeitszeiten vereinen kann, begleitet sie mich. Wie zum Beispiel zur Parchener Kreativmesse.

Viele Menschen scheitern an der Balance zwischen Arbeit und Familie. Was ist Ihr Geheimnis?

Geheimnis würde ich es nicht nennen. Meine Familie ist mir heilig. Ohne das Einverständnis meiner Frau und meines Sohnes hätte ich nicht als Bürgermeister kandidiert.

Wenn Sie schon kein Geheimnis haben, dann vielleicht ein kleines Rezept?

Wir drei verstehen uns ohne viele Worte. Und ich ziehe mich nicht aus familiären Pflichten zurück, bin zum Beispiel für den Getränkeeinkauf zuständig.

Beruflich sieht man Sie meistens im Anzug. Wie sehen Sie aus, wenn Sie Getränkekisten schleppen?

Ich habe zwei Jogginganzüge, bin privat aber eher der Jeans- und Pulli-Typ.

Was war der schönste Moment ihrer Amtszeit?

Es ist schwer, das an einem Moment festzumachen. Ich bin dankbar, dass ich so gut aufgenommen wurde. Ich bin Schopsdorfer und für einen Kommunalpolitiker verhältnismäßig jung. Ich habe mich anfangs oft gefragt, nehmen die mich ernst? Zumal wir von Beginn an vor einer leeren Stadtkasse standen. Als der Stadtrat die Sparmaßnahmen beschloss, war das ein guter Moment. Weil es zeigt, dass die Räte den Weg zu geordneten Finanzen mit der Verwaltung gemeinsam gehen.

Und ein schwerer Moment?

Schwer ist und war die Einschätzung, die Probleme um die Feuerwehr Paplitz angehen zu müssen, gegebenenfalls auch zu empfehlen die Feuerwehr aufzulösen. Ich bin selbst Mitglied einer Feuerwehr. Ich weiß, wie anspruchsvoll Feuerwehr ist. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen und ich hoffe eigentlich noch immer, dass die Feuerwehr Paplitz uns durch intensive Aus- und Fortbildung sowie der Gewinnung von neuen Mitgliedern vom Gegenteil überzeugt. Die Feuerwehr hat es selbst in der Hand.

Erzählen Sie mehr von schlechten Rathaus-Tagen.

Sorgen macht mir die schlechte Finanzlage der Stadt. Zu mir kommen oft Leute mit guten Ideen. Die muss ich mangels finanziellem Spielraum in die Schublade tun.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren? Im kleinen Genthin oder in der großen Politik?

Große Politik? Da sehe ich mich nicht. Wie Sie wissen, bin ich parteilos. Ob ich in zehn Jahren noch hier bin, kann ich nicht sagen. Beruflich habe ich viele Stationen absolviert. Ich glaube, man sollte nicht mehr als Bürgermeister wirken, wenn einen die Themen nicht mehr anheben oder die Familie unter dem Amt leidet. Dann höre ich auf. Davon kann aber gegenwärtig keine Rede sein.

Die Macht als Bürgermeister ist begrenzt. Was würden Sie verändern, können es aber nicht?

Ich bin kein Fan der Gebietsreform und plädiere für mehr Rechte und Pflichten der Ortschaften. Sie sollten ein Budget bekommen und das selbstständig verwalten.

Andererseits kann man als Bürgermeister viel bewegen. Was wollen Sie verändern?

Die Finanzen der Stadt müssen geordnet werden. Ich möchte die Wirtschaft beleben und Genthin für alle Generationen lebenswerter machen. Zuerst möchte ich mit meinen Mitarbeitern und den Stadträten Fördermittel einwerben, um Krippen, Kindergärten und Schulen zu sanieren.

Wie sehr trifft Sie Kritik aus dem Stadtrat?

Es wäre gelogen, wenn ich sage, ich denke nicht intensiv darüber nach. Konstruktive Kritik gehört zur Demokratie. Mich ärgert verschwendete Zeit. Wenn jemand generell gegen alles ist und nicht ersichtlich wird, wofür mein Gegenüber ist, dann wird es schwierig.

Sie sind auf Facebook aktiv. Lob und Anfeindungen inklusive. Warum gehen Sie trotzdem immer wieder online?

Das Internet bietet mir Kontakt zu Leuten, den ich sonst nie bekäme. Ich antworte immer. Mit Anfeindungen muss man heutzutage als Politiker wohl leben.