Zwei Engel mehr für Schlagenthin. Am Sonntag wurden die Holzengel des Bildhauers Dieter Block während eines Familiengottesdienstes enthüllt. Bei den Vorarbeiten hatten Kinder aus der Kirchengemeinde geholfen.

Schlagenthin l Es war ein spannender Moment, als der Vorsitzende des Fördervereins der Schlagenthiner Kirche, Rüdiger Schnapp, die Tücher über den Werken herabfallen ließ und den Blick auf die beiden neuen Holzengel freigab. Ein Raunen ging durch das vollbesetzte Kircheninnere, jetzt hat der Ort zwei weitere Attraktionen mehr. Nicht wenige Anwesende fühlten sich an Arbeiten eines Ernst Barlach oder einer Käthe Kollwitz erinnert.

Die Werke, besonders der schwebende Engel unter der Decke, lassen diese Vergleiche durchaus zu, sind letztlich aber ganz eigenständige Arbeiten. Besonders wenn man die Entstehungsgeschichte betrachtet. Vor zwei Jahren hatten über 30 Kinder der Kirchengemeinde an zwei Wochenenden gemeinsam mit dem Bildhauer Dieter Block und dessen Ehefrau Marina die Grundlagen für die Werke gelegt. Aus Ton wurden damals die kleinen Modelle gefertigt, die als Muster für die späteren Holzengel dienten.

"Wir haben uns intensiv mit der Arbeit eines Bildhauers beschäftigt und auch Werkzeuge wie den sogenannten Storchschnabel verwendet", erzählte Dieter Block während des Gottesdienstes. Mit dem Pantografen können Umrisse in einen kleineren oder größeren Maßstab übertragen werden. Die jetzt enthüllten Holzengel tragen also deutlich die Handschrift der Kinder, auch wenn der Bildhauer die Engel in 200 weiteren Arbeitsstunden bis zum Ende bearbeitet hat. "Das harte Eschenholz zu bearbeiten, verlangt sehr viel Kraft, viele hatten das erste Mal einen Holzhammer in der Hand, der wiegt schon viel." Der Bildhauer hielt aber auch fest: "Es war eine gemeinsame Arbeit mit den Kindern und mir."

Pfarrer Johannes Möcker lobte das Engagement der Beteiligten. Einige der Kinder, die geholfen haben, seien mittlerweile schon Konfirmanden. Möcker hatte eine weitere Premiere parat. "Wir haben ein neues Puppenspieler-Team. Von nun an werden Eileen Banse, Jana Freihuber und Silke Winkler die Stücke in den Familiengottesdiensten gestalten. Diesmal erzählten sie vom barmherzigen Samariter, der als einziger von drei Personen einem ausgeraubten und verletzten Mann half. Er versorgte seine Wunden und transportierte ihn auf seinem Reittier zu einer Herberge, wo er gesund gepflegt wurde. "Dieser Samariter war für den Verletzten wie mein helfender Engel", machte Alt-Bischoff Wolfgang Huber in seiner Predigt deutlich. Der Samariter sei ein Vorbild für die christliche Hilfe.

"Dafür braucht man Empathie, aber auch die Möglichkeit zu helfen." Huber erinnerte sich an eine Begegnung mit dem Betreiber eines kleinen Flugunternehmens in Nordafrika, dieser transportiere Ärzte, Pfarrer oder Missionare über weite Strecken. Der Pilot habe seine Mittel auf englisch als "good transportation" bezeichnet. "Der Samariter konnte helfen, weil er mit dem Lasttier eine Transportmöglichkeit hatte." Sich dieser Möglichkeiten bewusst zu werden, aufmerksam gegenüber den Menschen zu sein, die einen umgeben, könne jeden zu einem helfenden Engel für andere werden lassen." Wolfgang Huber war Gast des Familiengottesdienstes, da seine Frau Kara Huber bereits seit einigen Jahren in Schlagenthin bekannt ist. Unter anderem steuerte sie einen Text über die Schlagenthiner Engeldecke in einem Buch von Eva Luise Köhler bei.

   

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