Mit allen Sinnen in die Geschichte eintauchen konnten die Besucher beim Tag der offenen Tür im Schiffermuseum und in der Heimatstube Derben. Die Ausstellungen wurden weiter ergänzt und um eine Ziegeleiausstellung erweitert, die künftig hier stehen bleibt.

Derben l Was Ziegeleien mit Schifffahrt zu tun haben? Eine ganze Menge, zumindest für Derben und Umgebung. Davon zeugen solche Sprüche wie "Berlin ist aus dem Kahn gebaut" oder "Der Ku`damm ist mit Netzbands Steinen gepflastert", die Christa Schmette in der Ausstellung natürlich auch verwendet hat. Illustriert hat sie diese Zeilen mit einem um 1900 entstandenen Bild von der Verladestelle an Netzbands Ziegelei am heutigen Gelände des Anglervereins.

Unzählige Stunden hat Christa Schmette für die Ausstellung recherchiert, insbesondere in den Archiven des Museums in Genthin. Auf einer Tafel hat sie die Standorte von elf ehemaligen Ziegeleien in der Gemarkung Derben (ein Standort gehört schon zur Gemarkung Parey) dargestellt, die meisten an Kanal oder Baggerelbe gelegen, eine in der Feldmark Richtung Ferchland.

Der Transport der Ziegel - in erster Linie nach Berlin - war seinerzeit für viele Schiffer eine Haupteinnahmequelle.

Dies und noch vieles mehr erfahren Besucher in der neuen Ziegeleiausstellung - allein dafür lohnt sich schon ein Besuch hier in Derben. Es gab eine Menge zu "fachsimpeln", insbesondere im Kreis von Ortschronisten und Hobby-Historikern. Aufmerksame Spaziergänger können in der Region noch manche Spuren der ehemaligen Ziegeleien entdecken, auch wenn es mitunter nur noch markante Geländepunkte oder Bäume sind, die einst Wege und Gelände säumten.

Interessant ist auch, dass die meisten dieser Ziegeleien über Ringöfen verfügten - ähnlich dem, wie er nur noch in Parey (mehr oder weniger) erhalten ist.

In der Schifferausstellung neu zu sehen ist eine alte Gegensprechanlage von einem Kahn. Sie ist noch voll funktionsfähig und kann ausprobiert werden.

Der Einladung zum Kaffeetrinken in der Heimatstube kamen die Besucher nach dem Rundgang durchs Schiffermuseum gern nach. Zwischen all den Dingen aus Urgroßmutters Zeiten, die die Mitglieder des Heimatvereins "Elbaue" Derben/Neuderben liebevoll zusammengestellt haben, macht sich Gemütlichkeit breit.

Allerdings wurde in einer praktischen Vorführung auch deutlich gemacht, dass zum Kuchenbacken damals kein elektrisches Rührgerät da war, sondern Muskelkraft gefragt. Anita Hempel, Vorsitzende des Heimatvereins, hatte Zutaten für einen "abgerührten" Kuchen mitgebracht, und beim Teigrühren in der Steingutschüssel durfte, wer wollte, gern mithelfen.

Der Kuchen wurde gleich vor Ort in einem kleinen Backofen (jüngeren Datums) gebacken. Für die Kaffeetafel waren allerdings schon Kuchen und Torten vorbereitet worden. Da brauchte keiner auf den Selbstgerührten warten.

Die Veranstalter sind mit diesem Tag recht zufrieden. Besucher kamen aus Derben, Ferchland, Parey, Genthin und Burg, berichtete Anita Hempel. Etliche von ihnen waren selbst mit der Schifffahrt verbunden oder sind es noch.

Ab diesem Monat sind Schiffermuseum und Heimatstube nun wieder jeden Sonntag von 14 bis 16 Uhr für Besucher geöffnet, zu Ostern allerdings ist geschlossen. Wer zu einer anderen Zeit kommen möchte, zum Beispiel mit einer Gruppe, kann beim Heimatverein einen Termin vereinbaren.

Kontakt: Anita Hempel, Telefon 039349/511 06, oder bei Christa Schmette, Telefon 039349/506 96

   

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