Genthin l "Ich hatte nicht vor, ein weiteres Studium zu beginnen, mir reicht das, was ich bereits habe", sagt Christa Alex und lacht. Vor einigen Tagen war der 88-jährigen Seniorin eine Erstinformation der Hochschule Fresenius in Idstein ins Haus geflattert. "Ich weiß gar nicht, was ich mit denen zu tun haben soll", stellt die Seniorin fest. Angefordert habe sie ganz sicher nichts. In der Mappe enthalten ist eine Checkliste für die Bewerbungsunterlagen.

Darin erfährt Christa Alex, dass neben dem obligatorischen Bewerbungsschreiben und dem Lebenslauf auch ein hausärztliches Attest sowie ein polizeiliches Führungszeugnis beigelegt werden soll.

Für den Studienplatz zur Logopädin, für den sie sich angeblich interessiert, ist eine Liste mit Anmelde,- Monats,- und Prüfungsgebühr beigelegt. "Das ist für mich alles ein Witz", meint Christa Alex. Sie könne längere Texte nur noch mit einer Lupe lesen, auch sei sie nicht mehr gut zu Fuß. "Für mich ist ein Studium nichts mehr, da bin ich ja erst mit 100 Jahren fertig", nimmt sie die Zuschrift mit Humor. "Auch das stressige Campus-Leben ist nichts für Menschen in meinem Alter." Dabei hat sie durchaus Erfahrungen mit dem Studieren. Vor weit über 40 Jahren hat Christa Alex ein Studium als Lehrerin und Erzieherin absolviert. "Das war aber zu DDR-Zeiten, das hat mit dieser Sache nichts zu tun." Warum ausgerechnet ihr die Unterlagen zugegangen sind, weiß sie nicht. "Es ist durchaus so, dass ich mir von Zeit zu Zeit etwas aus dem Katalog bestelle, vielleicht ist meine Adresse dabei weitergegeben worden", vermutet sie, wobei ihr das sehr unangenehm wäre. "Ich habe niemals eine Erlaubnis gegeben, mir Werbung von anderen Firmen oder Institutionen zuzusenden", wird sie doch ein wenig ernst. Ein wenig Aufklärung kann Thomas Pier, Pressesprecher der Hochschule am Standort Idstein geben. "Wir bedauern, dass Frau Alex unerwünscht von uns kontaktiert wurde und werden sie zukünftig aus unserem Verteiler löschen." Eine Adressenweitergabe einer Firma läge nicht vor.

"Solche Erstinformationen werden nur versandt, wenn die Unterlagen direkt angefordert werden." Das könne bei Informationsmessen, Berufstagen oder auch im Bewerberportal im Internet geschehen. Bei solchen Veranstaltungen war Christa Alex allerdings noch nie und einen Internetanschluss besitzt sie nicht. Im World Wide Web liegt aber wahrscheinlich der Grund dafür, dass die Seniorin zur Studieninteressierten wurde. "Jemand hat die Post-Anschrift von Frau Alex wohl aus Scherz im Bewerbungsformular eingegeben", vermutet Pier. Dass lasse eine Jux-Email-Adresse vermuten, die ebenfalls eingetragen wurde. "So etwas versuchen wir zu vermeiden, aber es kommt hin und wieder vor", sagt Pier. Ältere Studenten gäbe es an der Hochschule jedoch schon. "Nicht in diesem Alter, aber derzeit haben wir eine 65-Jährige, die einen Masterabschluss im naturmedizinischen Bereich anstrebt." Zumeist würden aber eher über 40-Jährige berufsbegleitend studieren und sich in einem angestammten Beruf spezialisieren. "Das gibt es häufiger und dort werden die Abschlüsse auch oft erreicht."

Für Christa Alex ist die Sache letztlich noch nicht ausgestanden. "Irgendwo verwendet jemand meine Adresse", sagt sie. Vor einigen Tagen ist ihr eine Herren-Unterhose eines Versandhändlers nebst Rechnung zugegangen. "Das zahle ich nicht und schicke das postwendend zurück", sagt Christa Alex. "Das ist genau der richtige Weg", rät Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch.

"Die Versandhändler nehmen diese Ware auch unproblematisch zurück. Einen Straftatbestand sieht Kriebitzsch hier noch nicht.

"Das wäre erst der Fall, wenn fortgesetzt Waren ins Haus kommen, die nicht von einem Selbst bestellt worden sind." Dann läge eine Beeinträchtigung der Lebensqualität vor.