Auch noch fünf Wochen nachdem in der Zulassungsstelle im Genthiner Kreishaus neue Öffnungszeiten gelten, macht sich Ärger wegen langer Wartezeiten breit. Nicht zum ersten Mal. Landrat Steffen Burchhardt (SPD) äußerte sich zu den Vorwürfen.

Genthin l Wolfgang Fleischer aus Genthin ist schlichtweg sauer und macht daraus keinen Hehl. Am Mittwoch vor Ostern suchte er die Zulassungsstelle in Genthin auf, weil er den Kauf eines Neuwagens in einem Autohaus außerhalb des Jerichower Landes beabsichtigt. Der Weg in die Genthiner Zulassungsstelle sei deshalb eigentlich nur eine Kleinigkeit, war er der Annahme. Als Zuarbeit für einen auswärtigen Zulassungsdienst musste er persönlich vorstellig werden, um Kopien und Zuarbeiten anfertigen zu lassen. "Alles in allem eine Zwei-Minuten-Sache", sagt Fleischer, der dafür letztlich eine dreieinhalbstündige Wartezeit in Kauf nehmen musste. Alle Plätze im Warteraum wären belegt gewesen und es hätte eine "höllische Stimmung" unter den Leuten geherrscht, berichtet der Genthiner.

Eine Schilderung, die bei Landrat Steffen Burchhardt (SPD) auf Verwunderung trifft.

Er habe den Mitarbeitern der Zulassungsstelle angewiesen, Erhebungen darüber zu machen, wieviel Kundschaft bedient und welche Vorgänge abgearbeitet werden. Eine dreieinhalbstündige Wartezeit sei ihm aus seiner Kenntnis dieser Erhebungen allerdings nicht bekannt. "Das würde mich arg wundern. Das werde ich weiterleiten". Bisher gab es Beschwerden von relativ kleinen Gruppen, räumt der Landrat ein, Privatleute wie Wolfgang Fleischer seien jedoch nicht darunter gewesen.

Steffen Burchhardt warb zudem dafür, dass sich die jungen Kollegen in Genthin erst einfuchsen müssten. Auf Kritik, dass die Zulassungsstelle mit zwei jungen Mitarbeitern besetzt worden sei, reagierte er unwirsch: "Wenn wir jemand dahinsetzen, verfügt er auch über die notwendigen Voraussetzungen".

Zu einem abschließenden Urteil, ob sich das "Modell der Genthiner Zulassungsstelle" bewährt habe oder nicht, wollte sich der Landrat zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht hinreißen lassen. Für ihn ist dieser Zeitpunkt nach drei bis vier Monaten gekommen.

In der Vergangenheit hatten Genthiner auch versucht, auf die Burger Zulassungsstelle auszuweichen, um so Zeit zu sparen. Auch hier mussten sie zum Teil lange Wartezeiten in Kauf nehmen (Volksstimme berichtete).

Doch zumindest für die Burger könnte es eine "Entspannung" in der Zulassungsstelle geben. Hier werden, wenn die dafür notwendige Software vorhanden ist, per Buchungssystem Termine vergeben, kündigte der Landrat an. Es ist geplant, einen Bereich über die Terminvergabe abzudecken und einen weiteren für die Spontanbesucher.

In Genthin wird es hingegen keine solche Lösung geben. Aus baulichen Gründen sei dies nicht praktikabel. In einer Wartehalle beide Bereiche unterzubringen, führe letztlich zu Unmut unter den Kunden, befürchtet der Landrat.

Die veränderten Öffnungszeiten der Zulassungsstelle im Genthiner Kreishaus bieten immer wieder neuen Zündstoff.

Dem Fortbestehen der Zulassungsstelle liegt ein Kompromiss zugrunde, den Landrat und die Fraktionsvorsitzenden des Kreistags einstimmig beschlossen hatten. Nunmehr öffnet die Zulassungsstelle montags und mittwochs zwischen 8.30 und 16 Uhr und ist in dieser Zeit mit zwei Personen besetzt.

An den anderen Tagen steht die Zulassungsstelle in Burg zu den bekannten Öffnungszeiten zur Verfügung. Dieser Kompromiss stand bei den Autohäusern von Anfang an in Kritik.