Typische Traumberufe junger Männer: Feuerwehrmann, Pilot, Polizist... Nichts für Enrico Weber aus Karow. Sein Berufswunsch: Hufschmied. Den Traum von der mobilen Werkstatt für Pferdehufe hat er sich nun erfüllt.

Genthin/Karow l Das Auto von Enrico Weber ist anders als andere Autos. Statt Getränkekisten, Kindersitz und anderem Krimskrams finden sich darin Hammer, Amboss und ein Ofen. Weber arbeitet seit Februar in und um Genthin als selbstständiger Hufschmied, sein Auto ist seine mobile Werkstatt.

Den ganzen Tag umgeben von Pferdehufen, die beschlagen werden wollen und auch mal ordentlich zutreten können, wenn ihnen etwas nicht passt... Klingt nicht gerade nach einem Traumberuf. "Für mich schon", sagt Enrico Weber überzeugt.

2002 beginnt der heute 30-Jährige eine Ausbildung zum Metallbauer bei Otto Heine aus Kade. Heine ist das Urgestein unter den Hufschmieden der Region. Die Pferdehufe, die er mit Eisen versehen hat, lassen sich längst nicht mehr zählen. Heine war es auch, der Enrico Weber nach der Arbeit in der Werkstatt mit auf Tour nahm. "Wir fuhren von Hof zu Hof. Heute kommt das Pferd nicht mehr in die Schmiede, sondern umgekehrt", erklärt Weber. Begeistert hat ihn das schon damals, trotzdem trieb es den angehenden Metallbauer erst einmal in die Ferne. Bundeswehr, Marine, Bürokaufmann. So lässt sich sein beruflicher Werdegang zusammenfassen. Im Büro fällt ihm irgendwann die sprichwörtliche Decke auf den Kopf. "Ich wollte handwerklich arbeiten, etwas zum Anfassen schaffen und an der frischen Luft sein", sagt Weber und zeigt dabei auf das Eisen, das er gleich aufschlagen wird. "Als Hufschmied erfüllen sich für mich all diese Anforderungen an meine Arbeit."

Vor der Arbeit kam die Lehre, schließlich lassen Pferdebesitzer nicht jeden an die Hufe ihrer Vierbeiner. Enrico Weber beginnt seine Ausbildung 2012 an der Lehrschmiede in Münster. Sie dauert zwei Jahre und vier Monate. Der Lehrplan ist umfangreich: Anatomie, Bewegungsapparat, Krankheiten wie Hufrehe und -rolle... Etliche Pferdehufe beschlägt er bereits während der Ausbildung, auch bei Eseln und Wildpferden aus dem Münsteraner Zoo sammelt er Erfahrungen. Nach Feierabend fährt er bei einem Schmied mit, um Berufspraxis zu bekommen. "In unserem Beruf lernt man ganz viel durch die praktische Arbeit." Und davon hat ein Hufschmied genug. Um 8 Uhr morgens kommt Weber meistens auf dem ersten Hof an. Berät, berundet, beschlägt.

Sein Repertoire umfasst den Haflinger wie das Turnierpferd, er bietet alles vom einfachen Berunden bis hin zum orthopädischen Beschlag an. Mit dem richtigen Eisen kann er Fehlstellungen am Pferdehuf korrigieren. "Es gibt ganz verschiedene Arten von Hufeisen, je nach Einsatzgebiet des Pferdes", sagt Weber und zeigt einige Eisen: Beim Dressurpferd ist wichtig, dass nichts übersteht. Das Springpferd braucht Stollen, damit es nicht rutscht. Und bei Rennpferden werden gerne Eisen aus Aluminium genommen, da sie leichter sind..." Wenn Weber über Hufe und Eisen spricht, ist er in seinem Element, wirkt wie ein wandelndes Lexikon.

Das Erlernte kann er nun im Alltag anwenden, nach der Lehre trieb es ihn 2014 zurück in die Heimat nach Karow. Von dort aus startet er seine morgendlichen Touren zu den vierbeinigen Kunden.

Im Berufsalltag der Hufschmiede hat sich unterdessen mehr getan, als dass die Pferde nicht mehr in die Schmiede kommen... Früher wurde viel auf Knien gearbeitet. "Das geht natürlich auf den Rücken", erklärt Weber und zeigt, wie es heute gemacht wird: "Ich nehme den Huf beim Ausschneiden zwischen die Beine, so dass ich von oben drauf sehe." Für die Hinterbeine benutzt er eine Aufhalteschlinge. Das schützt auch vor Tritten.

Weder zum Berunden noch zum Beschlagen braucht Weber einen Aufhalter, also einen Assistenten. Sein Bruder Kevin begleitet ihn trotzdem oft, um die Pferdebeine hochzuhalten. "Gerade wenn die Vierbeiner nicht hundertprozentig stillhalten, schont das die Nerven von Pferd, Besitzer und Schmied", sagt Enrico Weber.

Und wer weiß? Vielleicht entdeckt Kevin Weber beim Aufhalten ebenfalls den Traumberuf Hufschmied, so wie es einst bei seinem Bruder Enrico war.

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