Der Wirtschafts- und Umweltausschuss des Genthiner Stadtrates machte sich bei seiner jüngsten Sitzung ein Bild von der Situation des Johanniter-Krankenhauses, das seit Anfang des Jahres den Status eines "Krankenhausversorgungszentrums" besitzt.

Genthin l Für die Zukunft des Krankenhausversorgungszentrums ist vorsichtiger Optimismus angesagt, diese Botschaft vermittelten Prof. Ulrich Nellessen, Ärztlicher Direktor des Johanninterkrankenhauses Stendal-Genthin, und Constanze Dulich, stellvertretende kaufmännische Leiterin, den Stadträten bei einem Rundgang durch das Haus.

Prof. Ulrich Nellessen hob mit der Verwendung des Titels "Krankenhausversorgungszentrums" ausdrücklich auf die besondere Entwicklung ab, die das Haus in den vergangenen Monaten erfahren hat.

Rückblende: Das Genthiner Krankenhaus war in der sachsen-anhaltischen Krankenhausplanung im Jahr 2004 mit der Fertigstellung des dritten Bauabschnitts in Stendal 2016 aus der akut-medizinsichen Versorgung zunächst herausgenommen worden.

Doch seit Anfang des Jahres gibt es wieder Hoffnung für das traditionsreiche Haus: Denn in der aktuellen Leistungs- und Qualitätsverordnung, die von den Krankenkassen sowie vom Gesundheits- und Sozialministerium erarbeitet wurde, ist die Entscheidung aus dem Jahr 2004 rückgängig gemacht worden und das Krankenhaus festgeschrieben als ein "Grundversorgungszentrum mit dem Ziel der wohnortnahen medizinischen Versorgung am Standort Genthin."

Prof. Ulrich Nellessen erklärte den Mitgliedern des Ausschusses beim Rundgang durch die Einrichtung, dass hier eine "solide Basisversorgung" gewährleistet sei. 90 Prozent der Erkrankungen, darunter im wesentlichen Zivilisationskrankheiten, seien in Genthin behandelbar.

Constanze Dulich machte die Ausschussmitglieder mit den zahlreichen Umstrukturierungen vertraut, die das Grundversorgungszentrum braucht, um als Krankenhaus der "kleinen Versorgung" wirtschaftlich bestehen zu können.

So wird das ehemalige Haupthaus komplett freigezogen und die Funktionsdiagnostik in das aktuelle Haupthaus einziehen. Die Versorgungsabläufe, erklärte Constanze Dulich diesen Vorgang, würden damit schneller. Die Konzentration im Haupthaus mit OP/CT/Funktionsdiagnostik/Notaufnahme würden kurze Wege, kurzes Reden, kürzere Verständigung bedeuten. "Deshalb weichen wir vom bisherigen Containerprinzip ab."

Constanze Dulich verwies zudem auf "kosmetische Eingriffe" wie etwa Malerarbeiten, Veränderungen bei Mitarbeiter- oder Aufenthaltsräumen.

Bezüglich des freigezogenen alten Gebäudes informierte sie, dass hier eine Nutzung im Rahmen der Altenhilfe oder der Reha in Erwägung gezogen werde.

Prof. Ulrich Nellessen resümierte die ersten Monate der Einrichtung als Kranken- hausversorgungszentrum: "Es sieht alles so aus, dass wir einen richtigen Weg gehen. Wir haben hervorragende Mitarbeiter, die unsere Entscheidungen mittragen, obwohl unter ihnen natürlich eine Nervosität vorhanden ist."

Er betonte, dass der Erhalt des Krankenhauses als Grundversorgungszentrum ein Dienst an der Bevölkerung sei, die sich mit ihrem Krankenhaus identifiziere. "Schließen, ohne sich um den Standorterhalt bemüht zu haben, ist intellektuell primitiv", sagte er im Hinblick auf den Erhalt als Grundversorgungszentrum.

Nach den gut eineinhalbstündigen Vorträgen von Constanze Dulich und Prof. Nellessen resümierte Lutz Nitz (Grüne): "Bei uns ist angekommen, dass hier eine gute Arbeit geleistet wird. Wir nehmen mit, dass hier zwei Personen (Dulich und Nellessen, Anmerkung d.Red.) tätig sind, die sich voll hinterklemmen. Mir ist damit die innere Unruhe genommen. Ich sehe jetzt optimistisch in die Zukunft."

Das Schlusswort hatte Helmut Halupka: "Letztlich werden die Genthiner selbst entscheiden, ob das Krankenhaus bleibt oder nicht".