Genthin l Das Festkonzert zum Tag der Deutschen Einheit am 2. Oktober ist immer wieder Gegenstand politischer Diskussionen in den Genthiner Gremien. So auch während der jüngsten Stadtratssitzung, in der sich Günter Sander (Bündnis 90/Die Grünen) bei Bürgermeister Thomas Barz (parteilos) nach den angepeilten Zahlen des Vorverkaufs erkundigte. "Wir wollen dabei 100 Eintrittskarten absetzen", erläuterte Barz. Das entspreche bei einem Eintritt von 15 Euro dem vor einigen Jahren gewährten Zuschuss eines Sponsors, der sich an den Kosten des Gastspieles des Kammerchores und des Kammerorchesters "La Rejouissance" aus Porta Westfalica mit 1500 Euro beteiligte.

Seitdem dieses Geld weggefallen ist, steht das Konzert immer wieder in der Diskussion.

In der Vergangenheit hatte die Stadt die Unkosten des Konzertes getragen, die vor drei Jahren mit rund 10 000 Euro beziffert wurden.

Während einige Stadträte infrage stellten, ob sich diese Ausgaben für die Stadt wirklich lohnen würden, da nur ein geringer Teil der Genthiner wirklich von dem Konzert angesprochen würden, waren andere der Meinung, dass ein Image-Schaden für Genthin entstünde, wenn sich die Stadt aus der Tradition herausziehe. Seit mehr als 20 Jahren treten Kammerchor und Kammerorchester am Vorabend des Tages der Deutschen Einheit auf und geben das gleiche Konzert am Feiertag auch in Tangermünde.

Der Wille, an der Veranstaltung festzuhalten, ist bei der Stadtverwaltung Genthin durchaus vorhanden.

Zu Beginn des Jahres hat Bürgermeister Barz den Vorschlag aufgenommen, für das Konzert Eintritt zu nehmen, um grundlegende Einnahmen zu generieren. Dieser Vorverkauf läuft. Allerdings mit noch mäßigem Erfolg. Rund ein Drittel der Karten sind mittlerweile abgesetzt, ist aus der Touristinformation Genthin zu erfahren.

Deren Leiterin Marina Conradi wirbt für die Veranstaltung: "Ein solches Konzert ist immer auch ein Wirtschaftsfaktor." Man könne damit durchaus einen touristischen Mehrwert für die Stadt bieten, lobt sie den zweifellos hochklassigen Musikabend, in dem in den vergangenen Jahren unter gutem Zuschauerinteresse Mozarts "Krönungsmesse", Brahms "Requiem" oder Haydns "Schöpfung" erklangen.

Auch dem künstlerischen Leiter Georg Kindt liegen die Konzertabende in Genthin am Herzen. "Unser Festkonzert in Genthin findet in diesem Jahr zum 22. Mal statt, somit ist es eine traditionelle Musikveranstaltung, die sich in den zurückliegenden Jahren fest etabliert hat", sagt er.

Die Vereinbarungen würden zwischen der Stadt Genthin und dem Kammerchor getroffen. "Wie in jedem Jahr werde ich auch 2015 wieder zu einem Vorgespräch mit dem Bürgermeister nach Genthin kommen." Dann wird wohl festgelegt, wie mit dem Konzert verfahren werden soll.

Die Musik-Liebhaber in Genthin haben es bis dahin in der Hand, mit dem Erwerb der Eintrittskarten quasi für das Konzert zu stimmen. Denn darüber ließ Bürgermeister Thomas Barz in der Sitzung des Stadtrats keinen Zweifel aufkommen: "Sollte das Interesse nicht vorhanden sein, wird es möglicherweise das Festkonzert nicht mehr geben."

Karten für den Abend sind in der Genthiner Touristinformation (Bahnhofstraße 8) erhältlich.