Lieselotte Gottschalk aus Genthin vollendete gestern ihr 100. Lebensjahr. Zu den zahlreichen Gratulanten gesellten sich auch Landrat Steffen Burchhardt und Paul Karle als Stellvertreter des Bürgermeisters.

Genthin l Dass eine ungewöhnliche Dame ihren 100. Geburtstag feiert, machte deren jüngste Tochter Christine gleich beim Eintreten in ihre Wohnung klar, in der gefeiert wurde: "Meine Mutter will den Durchblick behalten und bittet deshalb jeden Besucher, sich in eine Unterschriftenliste einzutragen."

Schon in den Vormittagstunden gab es mitunter eine kleine Warteschlange für die Gratulanten, um sich in diese Liste eintragen zu können. Dabei erwies sich Familie Gottschalk als feiererprobt: Schon der 99. Geburtstag wurde mit etwa 60 Gästen gefeiert. Das wurde nun getoppt. Unverkennbar sowohl zum 99. und jetzt zum 100. Geburtstag der Anspruch der Familie: Ein besonderes Geburtstagskind wird mit einer besonderen, liebevollen Feier geehrt.

"Unsere Mutter ist ein absoluter Familienmensch, sie lebt für ihre Kinder", brachte dies Tochter Christine Bender schnell auf den Punkt.

Die Biografie der Jubilarin im Zeitraffer: Dazu gehört ein Studium des Kunstgewerbes in Dresden, das sie aber aus Liebe zu ihrem Mann, den sie 1939 heiratete, abbrach. Beruflich war die gebürtige Leipzigerin zunächst als Prokuristin im Büro ihres Vaters tätig.

Während des Zweiten Weltkrieges arbeitete Lieselotte Gottschalk ehrenamtlich als OP-Schwester im Lazarett in Eisenach. Später unterstützte sie ihren Mann, der als Tierarzt eine Praxis betrieb. 1953 zog die Familie, zu der vier Kinder gehören, nach Genthin. Sechs Enkel und fünf Urenkel führen mittlerweile die Gottschalksche Familien- tradition fort.

Seit fünf Jahren ein Zuhause im Stilke-Heim

Mittlerweile lebt die Seniorin seit fünf Jahren im Haus Georg Stilke und betont, dass sie diese Entscheidung, in eine Pflegeeinrichtung zu gehen, aus eigenen Stücken getroffen habe. Dort hat sie sich vor einigen Jahren auch in das Heimaktiv wählen lassen.

Seine Mutter, meint Sohn Erhard respektvoll, verstehe es immer wieder, ihrem Leben einen Sinn zu geben. Sie würde nie klagen, krank zu sein. Sie winke nur ab und sagt: "Alles nur krankheitsbedingt." Seine Mutter, so der Sohn, habe es stets verstanden, sich Ziele zu setzen. Auch ihr hohes Lebensalter halte sie nicht ab davon.

Über viele Jahrzehnte hat sich Lieselotte Gottschalk mit dem Anfertigen kunstgewerblicher Karten in Genthin einen Namen gemacht. Kunstvoll gestaltete sie dabei gepresste Blumen, Gräser und Blüten. Ihre Fertigkeiten gab die alte Dame auch an die Schüler der Sekundarschule "Am Baumschulenweg" weiter. Gemeinsam gestalteten sie auch eine Ausstellung im Stilke-Heim.

Dass ihre Hände mittlerweile den Dienst für solche filigrane Handarbeit versagen, hat eine Lieselotte Gottschalk nicht in die Verzweiflung getrieben. Jetzt ist sie dabei, ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben. Sohn Erhard hat dabei die Aufgabe übernommen, die Manuskripte abzutippen. In großer Schrift, so dass die Mutter Korrektur lesen kann. Sie ließe keine Fehler zu, so der Sohn.

Als besondere Überraschung zum 100. Geburtstag gab es für die Jubilarin ein Gästebuch, in dem sich Familie und Freunde aus ganz Deutschland in Text und Bild mit Glückwünschen verewigt haben. "Es ist soetwas wie ein Fotoalbum entstanden", freuen sich die Kinder über das originelle Geschenk an ihre Mutter.