Kein Problem für die Volksstimme-Leser, dem aktuellen Heimatfoto-rätsel auf die Schliche zu kommen: Diesmal war die alte Dorfstraße in Dretzel, die jetzige Straße der Freundschaft, zu erraten. Nach 100 Jahren hat sie kaum gravierende Veränderungen erfahren.

Genthin l 25 Anrufer ließen gestern zwischen 10 Uhr und 10.30 Uhr die Volksstimme-Telefone heiß laufen.

Bis auf eine Anruferin, die die historische Ansicht in Parchen vermutete, lagen alle mit ihrer Antwort richtig. Das Kreismuseum hatte diesmal der Redaktion aus seinen Beständen freundlicherweise diese Straßenansicht um 1900 zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Ein Foto, das wahrscheinlich kaum bekannt ist.

Vor allem für die Dretzeler bot die Volksstimme-Rätselnuss verständlicherweise einen Anreiz, sich an der Aktion zu beteiligen. Aber auch Genthiner, Mützeler, Nielebocker und Paplitzer waren wieder dabei.

60 Jahre sei sie mittlerweile in Dretzel beheimatet und wüsste viel zur Dorfgeschichte aus den Überlieferungen ihres Mannes, berichtete Anna-Maria Haar, mit 71 Jahren die älteste Anruferin. Das Gasthaus Pfennighaus auf der linken Straßenseite, gegenüberliegend das Haus der Familie Hesse mit dem Torbogen, die Schnapsbrennerei mit dem Schornstein und natürlich das Ostausche Schloss - für Anna-Maria Haar kein Wiedererkennungsproblem.

Die Seniorin hat alles penibel aufgeschrieben, angefangen von der urkundlichen Ersterwähnung Dretzels bis hin zum neuen Wappen.

Busfahrt direkt zur Gaststätte

Bernd Eichholz aus Tucheim kann zwar keine heimatgeschichtliche Abhandlung über Dretzel wie Anna-Maria Haar vorweisen, verbindet das Heimatfotorätsel trotzdem mit einer besonders liebenswürdigen Erinnerung an das Dorf. Er steuerte der Rätselauflösung eine nette Anekdote aus den 1960er/1970er Jahren bei.

Ein Bus, der seinerzeit in Richtung Gladau verkehrte, habe schon mal die jungen Männer unmittelbar an der Gaststätte Pfennighaus abgesetzt, obwohl dort keine offizielle Haltestelle eingerichtet war, erzählte er. Die Burschen zischten schnell ihr Bierchen hinter und ließen sich dann von dem Busfahrer auf seiner Rücktour wieder aufgabeln.

Für Christel Pfennighaus, deren Schwiegeltern die Gaststätte bis 1992 betrieben haben, war die richtige Antwort verständlicherweise eine leichte Kür.

Mit "links ist auf der Aufnahme die Gaststätte Pfennighaus zu finden und rechts hinten ist das Gut und Schloss Ostau zu sehen", hatte auch Ilona Gropler aus Paplitz die richtige Antwort parat. Schnell schob sie noch nach: "Der Storch hatte vor 100 Jahren offensichtlich noch nicht den Schornstein bezogen."

Mit Helga Neuber meldete sich eine aufmerksame Auto-fahrerin zu Wort. Während ihrer Berufstätigkeit, sie musste täglich den Weg nach Magdeburg auf sich nehmen, führten sie oft genug Umleitungen durch Dretzel, so dass sie die historische Aufnahme auch als Genthinerin zuordnen konnte.

Das gelang auch Erwin Wittig aus Brettin. Früher beim Handels-Transport tätig, hat er unter anderem die Gaststätte Pfennighaus beliefert.

Außenstelle des Standesamtes Genthin

Eine Geschichte aus der jüngeren Vergangenheit verbindet Christina Pierau aus Genthin mit Dretzel. Auch sie wusste natürlich um die richtige Lösung. Als ehemalige Ordnungsamtsamtsleiterin der Stadt Genthin hat sie dafür Sorge getragen, dass im Ostauschen Schloss vor einigen Jahren eine Außenstelle des Standesamtes Genthin etabliert wurde, das gern von Paaren aus nah und fern für den schönsten Tag im Leben genutzt wird. Christina Pierau schwärmt jedenfalls, wenn sie von Dretzel spricht, auch vom Ostauschen Park: "Hier ist es wunderschön."

Das Schloss und den Gutshof hat auch Volksstimme-Leserin Christa Bürmann aus Genthin sofort erkannt. Sie wusste zu berichten, dass in den 1950er Jahren hier Lehrlinge, darunter Rinderzüchter und Schäfer, ausgebildet wurden. Sie erlernte ein paar Häuser weiter den Beruf der Geflügelzüchterin.

Gewonnen hat in dieser Woche Erwin Wittig aus Brettin. Sein Gewinn, ein kleines Überraschungspaket, kann in der nächsten Woche in der Redaktion des Genthiner Rundblicks (Brandenburger Str. 55-57) abgeholt werden.

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