Genthin l Wenn dieser Tage das Haseloff-Zitat "Tröglitz ist überall" die Runde macht, verlangt dies nach einer Art Standortbestimmung. Wie halten wir es mit den Flüchtlingen und Asylsuchenden? Darüber versuchte Wahid Kulijew, verantwortlicher Betreuer als Angestellter des Landkreises speziell in Genthin, den Landkreis-Grünen Antworten zu geben.

Kulijew gab zunächst Informationen über die Unterbringung der zirka 100 Flüchtlinge und der Asylsuchenden in Genthiner Wohnungen. Er ziehe den Hut vor den Menschen, die sich in der Kanalstadt ehrenamtlich um die Menschen kümmerten, sagte Kulijew, der in den 1990er Jahren aus den ehemaligen GUS-Staaten nach Deutschland kam. Gerade deshalb stehen ihm die Asylbewerber und Flüchtlinge emotional nahe. "Man sieht sie toll angezogen, doch wenn man in ihre Seelen schaut, haben sie sehr sehr viele Probleme." Er unterstrich dabei: "Wenn man ehrlich mit Asylpolitik umgehen will, muss man als Nichtbetroffener auch genau hinsehen wollen."

Sören Herbst wiederum erinnerte daran, dass er am Ende des vergangenen Jahres Gast der Kennenlernveranstaltung im Kreishaus war. Er sei davon sehr begeistert gewesen. Herbst forderte im Verlaufe des Abends eine andere Offenheit für das Thema Asylpolitik, die zwingend notwendig sei, weil sich die Zahl der Asylanträge innerhalb eines Jahres verdoppelt hätte und in nächster Zeit weiter anwachsen werde. Sören Herbst: "Das Problem sind nicht die Asylbewerber, sondern die Bedingungen, auf die sie treffen."

Der Bündnisgrüne warb unter seinen Parteifreunden dafür, dass sich für die Unterbringung der Asylbewerber ein Qualitätsdenken entwickeln müsse.

Eine dezentrale Unterbringung, wie es in Genthin der Fall ist, sei das erklärte Ziel. In Gemeinschaftsunterkünften seien die Asylbewerber isoliert und hätten damit keine Teilhabe am öffentlichen Leben. Im Jerichower Land sieht es diesbezüglich allerdings noch nicht so gut aus. Der Grünen-Kreisverbandsvorsitzende und Mitglied des Kreistages Lutz Nitz hakte an dieser Stelle ein: "Das Jerichower Land ist hier auf einem guten Weg. Wir stellen fest, dass der Landkreis von der zentralen Unterbringung immer mehr abrückt."

Wie in allen Kommunen im Gespräch schloss sich auch Herbst der Forderung an den Bund nach einem anderen Finanzierungsmodell für die Betreuung der Asylsuchenden an.

Er plädierte eindringlich für eine Abkehr von der Gastarbeiterkultur der 1960er Jahre zu einer neuen Willkommenskultur vor dem Hintergrund des demografischen Wandels in der Gesellschaft. "Wir müssen auf die Qualifikation der Asylsuchenden schauen."

Herbst sprach sich vehement für eine schnelle Integration der Asylbewerber in die Gesellschaft aus. "Die Bevölkerung ist aufgerufen, die Asylsuchenden zu unterstützen."

Der Landespolitiker warb für einen "kulturellen Wandel", zu dem unter anderem auch gehöre, dass Ämter Ermessensspielräume im Sinne des Asylsuchenden ausnutzen.