Derben l Bilder, Texte, Mappen und auch schon fertige Ausstellungstafeln auf großen Papierbögen stapeln sich auf den Tischen der Heimatstube im Derbener Dorfgemeinschaftshaus. Eigentlich haben Anita Hempel, Christa Schmette, Christiane Wagner und Horst Wedau schon mehr als genug Material beisammen, um eine sehr interessante Ausstellung für die "WIFO", die "Wirtschaftliche Forschungsgesellschaft" - oder besser das kriegswichtige Großtanklager - zwischen Derben und Ferchland zusammenzustellen.

Ob der Aufruf an die Bevölkerung, weiteres Material (leihweise) zur Verfügung zu stellen, trotzdem noch gilt? "Ja!" Schön wäre, wenn jemand noch Gegenstände aus dem Tanklager oder dem Umfeld, den Wohn- und Versorgungsbaracken zum Beispiel, hat. Besteckteile zum Beispiel haben die vier Chronisten aus Derben, Parey und Ferchland bereits, in die zum Schutz vor Diebstahl die Aufschrift "Geklaut im D.A.F. Lager Ferchland" eingestanzt worden war.

Wie viele Ausstellungstafeln es werden stehe noch nicht fest. Denn je mehr die vier nach Material "graben", desto mehr Interessantes finden sie. Anita Hempel hat sogar Originalfotos aus der WIFO von einem Sammler im Internet ersteigert. Kleine, vergilbte Fotos sind es, auf denen aber viele interessante Details zu erkennen sind.

Die erste Tafel ist fertig. Sie enthält einen allgemeinen Überblick zur Lage der WIFO-Anlagen und welche Flächen dazu gehörten. Erläutert wird auch, warum ausgerechnet dieser Platz für das Tanklager gewählt wurde: Die Lage sei optimal gewesen - die Alte Elbe. die hier in die Stromelbe mündet, bildet einen natürlichen Hafen, und Bahnanschluss gab es auch.

Von Fritz Bierotte aus Jerichow haben sie einen Plan vom "Aufstellbahnhof Derben" bekommen: Zehn Gleise lagen parallel, wo Kesselwagen abgestellt werden konnten.

Es gibt auch noch Fotos vom ehemaligen Derbener Bahnhofsgebäude, das recht ansehnlich war. Es ist, wie viele andere Häuser im Dorf, der Bombardierung zum Opfer gefallen, die dem Tanklager galt. Später wurde statt dessen ein kleineres, recht schlichtes Bahnhofsgebäude errichtet, das nach Stilllegung der Strecke verwahrloste und vor ein paar Jahren abgerissen wurde.

Christa Schmette hat auch Bilder von vielen Derbener Grundstücken zusammengestellt, die die alten Häuser zeigen, dann den Zustand nach den Bombenangriffen und die Häuser heute. Es sind erschütternde Zeugnisse jener furchtbaren Tage, ergänzt noch von Luftbildern der Bombenangriffe und Bildern der Bomber.

Die "WIFO" in Derben/Ferchland war nur ein Teil einer Gesellschaft mit Hauptsitz in Berlin, zu der zehn geheime Großtanklager gehören. "WIFO" war nur eine Tarnbezeichnung. Die Ausstellung wird einen Eindruck davon vermitteln, welcher enorme Aufwand hier zur Beschaffung und Lagerung kriegswichtiger Stoffe betrieben wurde und verweist immer wieder auf Spuren in den Orten und deren Umgebung, die heute noch zu erkennen sind.

Eröffnet wird die Ausstellung am Freitag, 8. Mai, 14 Uhr im großen Raum des Dorfgemeinschaftshauses.