Genthin l Seit gestern gilt im Jerichower Land die höchste Waldbrandgefahrenstufe 5. Ungewöhnlich für das Frühjahr. "Es liegt ganz klar am Wetter, wenig Regen, viel Sonne", erklärt Genthins Forstamtsleiter Peter Sültmann. Waldbrände seien im Frühjahr besonders gefährlich. "Durch die fehlenden Niederschläge sind die frischen Gräser und Sträucher noch nicht grün, sondern trocken. Dazu kommt das alte Laub." Was bedeutet Stufe 5 für die Menschen? "Sie dürfen nicht mehr in den Wald", erklärt Sültmann. "Das Betreten ist nur noch auf Wegen erlaubt." Außerdem sollten Autos nicht auf trockenem Gras abgestellt werden. "In der vergangenen Woche gab es in Osterburg einen großen Waldbrand. Grund war wahrscheinlich ein im Wald abgestelltes Auto", sagt Sültmann.

Er ist nicht nur Forstamtsleiter, sondern auch Beauftragter für den Waldbrandschutz im Jerichower Land. In dieser Funktion legt er die Gefahrenstufe fest. "Der Wetterdienst in Leipzig berechnet die Stufe zweimal am Tag, ich rechne das nach und beziehe lokale Faktoren wie Niederschlag, Vegetation und Luftfeuchte ein, daraus resultiert die Waldbrandgefahrenstufe."

Dass die nun bei 5 liegt, bedeutet für die Mitarbeiter des Forstamts vor allem Arbeit. "Statt einem Revierförster sind vier im Einsatz", sagt Sültmann. Außerdem wird die Videoüberwachung verstärkt.

An den Monitoren, die Aufnahmen aus Genthin, Klietz, Waldrogäsen, Landsberg und Pietzpuhl zeigen, sitzt der Forstwirt Lutz Hartmann. So höher die Gefahrenstufe, umso länger sitzt er hier. Bei Stufe 5 von 10 bis 20 Uhr. Die Aufnahmen zeigen Wälder im gesamten Kreis. "Wenn etwas rauchig aussieht, blinkt bei mir eine rote Meldung auf", erklärt Hartmann. Dann wird vergrößert und entschieden: Brennt es oder zeigt die Kamera nur ein Licht-Schatten-Spiel an? Bis zu 1000 Warnungen gehen momentan täglich über Hartmanns Bildschirm. Die Bilder von den Genthiner Wäldern werden übrigens vom Wasserturm aus aufgenommen.

Was im Falle eines Waldbrandes zu tun ist, erklärt Forstamtsleiter Peter Sültmann: "Nicht erst lange nach der Nummer vom Förster suchen, sondern immer die 112 anrufen."

Um die Nachsorge nach einem Waldbrand muss sich dann der Waldbesitzer kümmern. "Die Maßnahmen bespricht der Revierförster mit dem Besitzer", sagt Sültmann. Diese können vom Umflügen der Brandflächen bis zur Brandwache reichen. "Ist der Waldbesitzer nicht vor Ort, kümmert sich der Förster darum. Allerdings auf Kosten des Besitzers", so Sültmann.