Genthin l Begeistert begutachtet Alsahli Ahmad die Nähmaschinen. Zwölf Stück sind im Genthiner Integrationstreff aufgereiht, Alsahli darf sich eine aussuchen. Ein kleiner Lichtblick in einer schweren Zeit. Der Syrer ist vor dem Bürgerkrieg in seinem Land geflohen, lebt seit ein paar Monaten in der Genthiner Einsteinstraße.

Sein wichtigstes Ziel: Deutsch lernen. Einen offiziellen Kurs des Landkreises gibt es noch immer nicht, Ehrenamtliche kümmern sich derzeit darum, dass die Flüchtlinge die wichtigsten Vokabeln und Grammatikregeln lernen. Eine von ihnen ist Anne Nitzsche. Sie war es auch, die vor Kurzem in der Volksstimme-Redaktion ein ungewöhnliches Anliegen vortrug: "In meinem Kurs gibt es einen Schneider. Vielleicht hat ja ein Leser die Möglichkeit, eine alte Nähmaschine zur Verfügung zu stellen." So richtig daran geglaubt, dass sich eine Nähmaschine für Alsahli findet, hat sie eigentlich nicht. Und wurde eines besseren belehrt. Gleich zwölf Nähmaschinen warten nun im Integrationstreff auf ihren Einsatz. Mitarbeiterin Cornelia Otto sagt: "Wir haben schon einige Interessenten. Viele der Flüchtlinge können mit der Nähmaschine umgehen und freuen sich über dieses Zeichen der Solidarität."

Das Integrationstreff ist für die Flüchtlinge erster Anlaufpunkt bei Fragen und Problemen. Eine offizielle Beratungsstelle des Landkreises gibt es nur in Burg. Finanziert werden die Genthiner Räumlichkeiten und Mitarbeiter vom Verein "Aufbruch". Hier, in der Einsteinstraße 25, finden auch die Deutschkurse statt, in denen Ehrenamtler ihre Kenntnisse weitergeben.

Für Alsahli Ahmad steht bereits fest, was er als erstes mit seiner Nähmaschine anfangen wird: "Kaputte Sachen ausbessern und ein neues Hemd nähen."