Genthin l Der Straßenausbau der Genthiner Ortsdurchfahrt nimmt Gestalt an. Doch am Wegesrand sind dieser Tage Mitarbeiter des Landesamtes der Denkmalpflege Sachsen-Anhalt in Halle mit Grabungen und Vermessungen beschäftigt.

"Die Gräberfelder aus der Bronzezeit sind seit dem 19. Jahrhundert bekannt, deshalb sind wir hinzugezogen worden", sagt Archäologin Ursula Uhl. Stück für Stück haben sich die Helfer in den vergangenen Tagen entlang der Baustelle zwischen Tankstelle und Finanzamt vorangearbeitet. Haben gegraben, kleinere Fundstücke freigelegt, fotografiert, gemessen und dokumentiert. Viele Fundstücke in der unmittelbaren Umgebung sind bereits seit dem späten 19. Jahrhundert im Bereich der heutigen Tankstelle bis hin zur Breitscheidstraße gehoben worden. Auch bei ihrer jetzigen Suche sind die Archäologen wieder erfolgreich gewesen.

"Wir haben zwei große Gräber gefunden, eines am Eingangsbereich vom Sportplatz, eines auf Höhe des Ehrenfriedhofes." Dabei handelt es sich um 3000 Jahre alte Glockengräber aus der Bronzezeit. "Glockengrab heißt es, weil ein zweiter Behälter wie eine Glocke über die Urne gestülpt ist", erläutert Ursula Uhl. In nicht ganz einem Meter Tiefe waren die Archäologen auf die Funde gestoßen. Neben den großen, gibt es auch ganz unscheinbare Grabfunde.

"Das geht bis hin zu kleinen Leichenbrandkonzentrationen, die in organischen Behältern bestattet worden sind." Dort finden die Archäologen nur Reste von Bastkörbchen oder Lederbeuteln. Immer wieder tauchen auch kleine Tonstücke auf. Dass eine Bergung der großen Urnengefäße möglich geworden ist, ist auch der in dem Bereich tätigen Baufirma Ostbau zu verdanken. "Die Glockengräber sind unheimlich schwer und die Firma hat uns mit ihrer Technik geholfen, die Fundstücke zu heben und zu transportieren."

Alle Fundstücke sind derzeit in sicherer Obhut. Vorsichtig sind sie verpackt und gesichert worden, um sie zum zentralen Fundmagazin in Halle zu transportieren. Dort werden sie gereinigt, getrocknet und inventarisiert. Danach stehen die Stücke für die wissenschaftliche Arbeit zur Verfügung, möglicherweise auch für Ausstellungen. Diese Arbeit unterliegt einem ständigen Wandel.

Nicht nur ändert sich der Schwerpunkt des archäologischen Interesses, sondern auch die technischen Möglichkeiten. "Früher hat man in erster Linie die Gräber gehoben und den Siedlungen nicht so viel Beachtung geschenkt", meint Uhl. Heute hätten sie und ihre Mitarbeiter in Genthin auch die angrenzenden Siedlungen im Blick.

Das dieses früher nicht gemacht wurde, habe einen einfachen Grund: "Die Hinterlassenschaften in den Siedlungen sind viel unscheinbarer als bei einem Grabgefäß mit Leichenbrand." So etwas sei in der Erde deutlich sichtbar. "Aber Flecken in der Erde, bei denen man sagt, das könnte ein Pfostenloch sein, sind viel schwerer zu bestimmen." Heute wolle man aber nicht nur wissen, wie die Menschen früher bestattet wurden, sondern auch wie sie gelebt haben.

Dieser Ansatz bietet viel Stoff für künftige Forschergenerationen. Ihnen bleibt die Möglichkeit noch etwas Neues zu finden und mit neuen Methoden neue Erkenntnisse zu gewinnen.

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