Jerichow l "Im Oktober 2013 haben wir angefangen, für die BUGA zu planen", blickt Jan Wißgott, Leiter der Stiftungsverwaltung, zurück. Lehrgänge wurden besucht und erstmal überlegt, was überhaupt alles gemacht werden soll. Damals gab es noch manche Stimmen, die sagten: "Das wird nie was! Die lassen uns da nie rein!" Als wir dann das Siegel an der Tür hatte, da haben alle verstanden: "Oh, jetzt wird es ernst!"

Mit den baulichen Aktivitäten ging es dann erst los. Das war vergangenen Sommer. Es war also nichtmal ein Dreiviertenjahr Zeit, um die vielen Projekte umzusetzen - neben der laufenden Arbeit hier in Klostermuseum, Garten und Gaststätte einschließlich Veranstaltungen und mehr.

Inzwischen hatten sich die Bedingungen hier und da geändert, manches musste neu überdacht und angepasst werden. Vom Grundkonzept her entsprach aber alles der Beantragung. So wurden 13 Gärten neu angelegt.

Jan Wißgott sieht in der Anlage solcher thematischer Gärten auch einen Auftrag und begründet dies am Beispiel des Braille-Gartens, also eines Gartens, bei dem Blinde und Sehschwache auch die Möglichkeit haben, die Natur zu erfahren.

Durch Zufall habe er mal im Urlaub einen Braillegarten am Tegernsee entdeckt, war begeistert und habe nachgeforscht: Das sei damals der einzige Braillegarten in Deutschland gewesen. Jerichow müsste dann also der zweite sein.

Bei der Planung wurde überlegt: Es soll ein Garten sein für Blinde, er soll aber auch für die Sehenden fantastisch sein. So sei das "Zipfelmützendach" entstanden: Man sieht es beim Rückweg vom Klostergarten-Café zwischen Kloster und altem Stall ganz entfernt im Hintergrund, und es macht neugierig, dorthin zu gehen: Aus Weidenruten haben Mitarbeiter der Stiftung ein Dach auf einem Gerüst aus Holzbalken und Latten gebunden. Es ist nur ein Schattendach, bewusst nicht regendicht.

Teilweise darunter mit Fortsetzung nach draußen befindet sich im 90-Grad-Winkel ein Hochbeet, bei dem die Pflanzen auch in Braille-Schrift bezeichnet sind. Durch Tasten können Blinde hier den Namen und die Pflanze in allen Details erfahren und können auch bequem daran riechen.

Auch bei den bereits bestehenden Gärten hat sich einiges getan. Der Feldgarten hinter dem alten Pumpenhaus, in dem sich das Klostergarten-Café befindet, sieht zwar äußerlich unverändert aus. Hier habe Diana Müller aber eine völlig neue Pflanzliste erarbeitet, erklärt Wißgott und fügt schmunzelnd an: "Mit den Dohlen hat sie darum gekämpft, dass das Korn in der Erde bleibt. Ein paarmal hat sie verloren..." Im Sommer werde man hier ein "reines Wunder" erleben, freut er sich schon.

Am Rande des Feldgartens und des Hochgartens befindet sich der Bauernblumengarten mit ganz vielen Blumen. "Dabei haben uns unter anderem die Frauen von der Volkssolidarität unterstützt und aus ihren Gärten ganz viel hergebracht." Das sei voriges Jahr schon ein Blütenmeer gewesen. Dieses Jahr werde es noch schöner.

Einige Hochbeete sind wieder erneuert worden. Dieses Jahr im Herbst soll daraus auch eine Schauaktion gemacht werden, das heißt, dass nicht erst im November, sondern schon Oktober mit dem Erneuern von Beeten begonnen wird. Denn hier in Jerichow laufe die BUGA-Saison noch bis 31. Oktober - etwas länger als in der Havelregion.

Café in neuem Gewand

Freuen können sich die Besucher auch auf einen Besuch im neu gestalteten Klostergarten-Café. Den ganzen Winter wurde hier "gewerkelt", damit eine kleine Oase für die Besucher entsteht, die sich in das ganze Ensemble einfügt. "Ich hatte das fest geprägte Bild im Kopf, wie es aussehen soll, und wusste, das muss hinzukriegen sein. Da haben die Mitarbeiter manchmal geschimpft wie die Rohrspatzen, wenn sie etwas nochmal machen mussten, weil es noch nicht so war, wie es sein sollte", schmunzelt Wißgott. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, und die Mühen sind nun (fast) vergessen.

Hauptaufenthaltsort für die Gäste hier wird ohnehin die Terrasse sein. Diese ist leicht eingesenkt und mit einer bepflanzten Böschung umgeben. Für den "Schlechtwetterfall" ist drinnen vorgesorgt: An Pflanztische wie in einer Gärtnerei sollen die rustikalen Tische erinnern, an denen dazu passend Hocker stehen. So ist auch der Platz in dem kleinen Raum optimal genutzt. Wer möchte und eine Wendeltreppe nicht scheut, kann sich im Dachgeschoss einen sehr gemütlichen Platz für seine Kaffeepause suchen.

Auf der anderen Seite des Klosters, noch hinter dem Braillegarten, befand sich bis vor kurzem noch die "Wüste" des aufgegebenen Domänenhofs. Dort war voriges Jahr schon ein neuer Obstgarten angepflanzt worden. Nun sind hier noch zwei "Schlaffässer" aufgestellt worden, die speziell Fahrradtouristen eine gemütliche Unterkunft bieten.

Charme bis in jede Ecke

"Am Anfang habe ich selbst gezweifelt, ob wir dem Bereich zwischen den Schrottscheunen dort hinten und diesem ganzen fürchterlichen Anblick auch nur im Ansatz einen gewissen Charme abringen können", gibt Jan Wißgott zu. "Wenn man sich jetzt dort hinstellt und rekapituliert, wie es vorher aussah, was es eigentlich war und wie es jetzt aussieht... Es ist eine wunderschöne Ecke geworden!"

Heute könne man die Leute ruhigen Gewissens 360 Grad ums Kloster schicken. Mit Blickfängern wie dem "Zipfelmützendach" gelingt es auch, die Besucher in die verschiedenen Winkel zu locken. Wißgott nennt ein anderes Beispiel: Der lange, diagonale Weg durch die Wiese des Klostergartens ist jetzt gesäumt von alten landwirtschaftlichen Geräten, die hier ausgestellt werden. "Früher ist nie jemand hier geradeaus gelaufen. Sie standen vorn, schauten: Ach, nur Wiese... Die Geräte standen kaum, da hat sich da hinten ein Haufen Menschen gebildet!"

So kam ein Detail zum anderen. Wie hier die alten Ackergeräte sind vorn, gleich hinterm Eingang im sogenannten "Industriegarten", Teile aus dem Inventar der alten Brennerei integriert: alte Fenster zum Beispiel, an denen nun Pflanzen hochranken, ein alter Ausgleichskessel aus dem Pumpenhaus, in dem bereits Meisen wohnen. "Es hat keine zwei Wochen gedauert, da sind sie eingezogen", sagt Wißgott. Ein Transmissionswerk aus der Brennerei liegt ein Stück weiter hinten, ein Stück Heckenschere schaut aus der Erde und so weiter.

Hinter dem Malzkellersaal stand Nach dem letzten Wochenende noch ein großes, elegantes Festzelt, denn es hatte hier schon eine Hochzeitsfeier gegeben. Das wird immer wieder weggeräumt und macht dann einer Reihe Liegen Platz, denn hier befindet sich nun der "Ruhegarten". Zum Weg hin gibt es eine Rabatte, auf der im Moment nur Erde zu sehen ist. "Hier hat Diana Müller ganz viele Dahlien eingepflanzt", verrät Wißgott. Im Hochsommer wird es eine Blütenpracht geben.

Garten der Gleichnisse

Um den Südflügel des Klosters herum, vorbei an Braillegarten und neuem Obstgarten mit den Wohnfässern geht es zum Westportal der Kirche. Der Weg hinein führt übers Wasser: Zwischen Steinen hindurch rinnt es, entspringt links auf einem Miniatur-Felshügel, spielt mit einer gläsernen Kugel und mündet rechts in einen Miniaturteich, der blank ist wie ein Spiegel. In der Gestaltung und den verschiedenen Pflanzen stecken überall Gleichnisse. Es ist der "Paradiesgarten". Wer mehr darüber wissen möchte, kann vorn in der Information ein Büchlein dazu bekommen.

Am Sonnabend beim Eröffnungsfest wird es zudem viele thematische Führungen geben. Bei der riesigen Fülle von Angeboten verschiedenster Art lässt sich mühelos ein ganzer Tag hier verbringen - bis in die späten Abendstunden, denn auch die "Museumsnacht" lockt mit viel Interessantem und Spannendem.

   

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