Genthin l Besonderer Besuch in der Kanalstadt: In der vergangenen Woche starteten die Segelflieger des Lausitzer Luftsportvereins Neuhausen in die Punktejagd der zweiten Segelflug-Bundesliga. Vereinsmitglied Ronalf Gottscheck flog dabei auf direktem Weg von seinem Heimatflugplatz Bronkow im östlichen Brandenburg bis nach Genthin. Eine Strecke von rund 160 Kilometern Luftlinie.

Von Genthin nahm er mit Rückenwind Fahrt in die Heimat auf und war schon nach 90 Minuten wieder bei Hoyerswerda. Anschließend ging es zurück nach Bronkow. Nach rund vier Stunden Flugzeit standen 400 Kilometer und eine Geschwindigkeit von 94,6 km/h in der Wertung, die sich aus mehreren Flügen verschiedener Starter zusammensetzt.

Dass der Bundesligist überhaupt in Genthin landete, war dem Wetter geschuldet. "Genthin war ein mehr oder weniger zufälliges Ziel. Ronalf Gottscheck entschied sich dort umzukehren, weil das Wetter weiter westlich nicht mehr so gut aussah", erläutert Stefan Schumann vom LSV Neuhausen.

Hintergrund für die Flugaktion war ein einfacher Umstand. "Wir Segelflieger fliegen unsere Strecken komplett ohne Motorhilfe - nur mit natürlich vorkommenden Aufwinden. Ein Wertungsflug für die Bundesliga wird ohne Zwischenlandung durchgeführt."

Fehlt der Aufwind, landen die Flieger auch schon mal irgendwo in der freien Landschaft - zumeist auf dem Acker. "Der Flug ist dann dort zu Ende und das Flugzeug wird mit einem speziellen Anhänger wieder nach Hause gebracht."

So war es in Genthin letztlich nicht, denn Ligaflieger Gottscheck brachte den Flug letztlich in die Wertung. Nach dem ersten Flugdurchgang mussten sich die Neuhauser mit dem Platz 20 in der Tabelle zufrieden geben.

Aber die Saison ist noch jung und vielleicht kommen die Flieger wieder in Genthin vorbei. "Generell kommen wir bei einem Flug westlich von Berlin recht häufig vorbei, da die Region viele Aufwinde hervorbringt, die uns helfen `oben` zu bleiben", sagt Schumann. Vielleicht ist also bald mal wieder ein Segelflugzeug aus der Lausitz über Genthin zu sehen.

Übrigens haben die flugbegeisterten Vereinsmitglieder durchaus einen Blick für die Landschaft. "Je nach Flughöhe, die bei uns bis zu 3000 Metern über dem Boden betragen kann, lassen sich mehr oder weniger Details ausmachen." Markante Punkte wie der 48 Meter hohe Genthiner Wasserturm oder auch das Kloster Jerichow würden bei den Flügen fast immer ins Auge fallen.