Zwei Jung-Handwerksmeister aus dem Jerichower Land sind von der Handwerkskammer als Jahrgangsbeste ausgezeichnet worden. Die Volksstimme besuchte Detlef Reimann und Clemens Rudorf.

Burg/Niegripp l Maurerkelle in der rechten Hand, Klinkerstein in der linken: Delef Reimann steht in sieben Metern Höhe auf der dritten Etage einer Rüstung an einer Hauswand. Was er da macht, nennen Fachleute verklinkern. Das fast rohbaufertige Haus in Niegripp bekommt außen eine zweite Mauer. Jeder Stein, jede Fuge sitzt perfekt: "Maurer ist meine Berufung, ich wollte nie etwas anderes machen", erzählt Reimann, während er seinen schwarzen Kübel mit Mörtel füllt, den ihm sein Kollege im gelben Eimer reicht.

Detlef Reimann ist nicht nur Maurer, sondern Maurermeister. Noch genauer: Der 48-jährige Burger gehört zu den Meisterschulabsolventen, die von der Handwerkskammer als Jahrgangsbeste ausgezeichnet wurden. Dabei gehörte er unter den Teilnehmern zu den älteren Semestern: "Aber genau deshalb hat mich der Ehrgeiz zusätzlich gepackt, ich wollte es den jungen Leuten zeigen." Hat geklappt: Abschluss mit Note gut. Reimann sagt: "Ich habe abends ganz schön viel Stoff lernen müssen." Dabei konnte er jederzeit auf die Unterstützung seiner Familie bauen: "Sonst hätte ich es so nicht hinbekommen."

Mit weiteren 219 frisch gebackenen Handwerksmeistern hat Reimann kürzlich von der Handwerkskammer im Magdeburger Opernhaus seinen Schmuckmeisterbrief erhalten. "Mit dem Meisterbrief stehen Ihnen alle Türen offen, er ist Ihre persönliche Eintrittskarte zum Erfolg", sagte Kammerpräsident Hagen Mauer. Laut Sprecherin Anja Gildemeister kommen die Meister aus den Berufen Elektrotechniker, Kraftfahrzeugtechniker, Friseur, Installateur und Heizungsbauer, Maler und Lackierer, Maurer und Betonbauer, Metallbauer sowie Tischler: "Sie haben ihre Meisterausbildung im Berufsbildungszentrum der Handwerkskammer absolviert."

Mit dem Meisterbrief in der Hand will sich Reimann nicht gleich selbstständig machen: "Nein, das war nicht meine Intention. Ich wollte mich beruflich auf den neuesten Stand bringen. Beton, Ziegel, Verbundsysteme - in unserer Branche hat sich in den vergangenen 30 Jahren viel verändert." Deshalb meinte auch sein Onkel Bodo Reimann (im Jerichower Land als Malermeister bekannt), dass die Meisterschule die richtige Entscheidung ist.

Detlef Reimanns Meisterprüfung datiert auf Juni 2014 in Wernigerode. Sein Meisterstück war ein Mauerwerk in drei Wandstärken mit diversen Anschlägen und Nischen: "Innerhalb von sechs Stunden habe ich 300 Steine vermauert."

Lehre im BMK

1983 hat er seine Lehre absolviert: In der Burger Außenstelle des Bau- und Montagekombinats (BMK). Über verschiedene berufliche Stationen ist er im kleinen Unternehmen von Dennis Drobeck in Niegripp gelandet: "Hier fühle ich mich sehr wohl. Innerhalb der Vier-Mann-Truppe machen wir qualitativ hochwertige Arbeit, hier stimmt die Chemie."

Auf seiner Rüstung an der Mauer in Niegripp fehlen nur noch wenige Verblendsteine bis zum Dachfirst. Reimann sagt: "Zum Schluss an der Spitze dauert es ein wenig länger, weil viele Steine exakt geschnitten werden müssen." Aber erstmal ist es 12 Uhr, Mittagspause. Und Zeit für ein Gespräch mit der Volksstimme: "Mit meinem Meisterbrief habe ich künftig alle Möglichkeiten. Wer weiß schon, was morgen ist..."