Eigentlich fallen sämtliche Akteure bei "Dornröschen" in einen hundertjährigen Schlaf. Nicht so bei der Theatergruppe der Uhland-Grundschule. Sie präsentierte jüngst das Märchen "mal anders".

Genthin l Großer Trubel herrschte in der vorigen Woche hinter der Bühne in der Aula der Uhland-Grundschule. Ein letzter Blick in das Textbuch, letzte Korrekturen an den Kostümen, eine kurze Tonprobe und schon öffnete sich der Vorhang. Diesmal aber nicht für eine klassische Märchenaufführung, sondern für eine recht eigenwillige humorvolle Umsetzung des bekannten "Dornröschen"-Stoffes.

Weil die schwarze Fee nicht zur Taufe der Prinzessin eingeladen wurde, verflucht sie das Kind. Das hat auch Folgen für das Königreich. Das Volk wird immer streitlustiger und zänkischer. Dem König brummt davon der Schädel . Für Lacher sorgte sein verzweifelter Ausruf "Ich will ein anderes Volk."

Um den Fluch zu brechen, muss die Prinzessin ran und an ihrem 15. Geburtstag drei Aufgaben erfüllen. Was dem Königspaar gar nicht recht ist, freut die Nachwuchsregentin: "Raus in die Welt, Cool." Sie trifft bei ihrer Reise auf Frau Holle und einen schönen Prinz, mit dem sie den Kampf gegen einen verwunschen Drachen besteht.

Im Genthiner Wald hausen die gemeinen Räuber

Besonderen Schwung bekam das Stück in einer Szene mit Räubern im Genthiner Wald. Erst gab es eine schwungvolle Gesangseinlage "Lustig ist das Räuberleben" und dann durften die drei Räuberinnen den Prinzen ganz gemein gefangenhalten. Der konnte sich auch nicht dagegen wehren, wenn er darauf hinwies: "Ihr kommt in diesem Märchen doch gar nicht vor!"

Erst das verkleidete Dornröschen konnte den Prinzen befreien und am Ende wurde der Fluch gebannt, die schwarze Fee vertrieben und das Volk wieder gnädig mit seinem Herrscher. Diese Versöhnung wurde natürlich mit einem Abschlusstanz gefeiert.

Drei Vorstellungen gaben die kleinen Akteure in der vergangenen Woche. Insgesamt 21 mal wurde nach dem Unterricht geprobt. "Für das Theaterstück ist keine Schulstunde verwendet worden", erklärte Lehrerin Angela Engel, in deren Händen die Inszenierung lag. Die Hälfte der Darsteller habe zudem zum ersten Mal auf der Bühne gestanden.

Das merkte man keinem der Akteure an. Schließlich galt es, ein witziges, ganz ungewöhnliches Märchen umzusetzen. "Ich finde es gut, dass die Prinzessin Aufgaben erfüllen und nicht nur schlafen muss", fand Dornröschen-Darstellerin Emma Heinrich.

Eltern helfen hinter den Kulissen

Viel Text habe sie lernen müssen, aber das sei kein Problem. Etwas aufgeregt war Josephina Eckert, "schließlich sind heute unsere Eltern da". Aber als Räuberin zeigte sie eine Bühnenpräsenz wie ein alter Hase - von Aufregung keine Spur.

"Prinz" Anton Kyrychuk meisterte seinen Part mit Bravour, obwohl er kurzfristig für einen erkrankten Mitschüler einspringen musste. Besonders für ihn spielte das Ensemble die zweite Aufführung, die dieser besuchte. Oliver Kühnel hatte im Stück nicht nur eine Rolle als König, sondern begleitete den Gesang auch mit dem Akkordeon. "Kein Problem, ich spiele ja schon zwei Jahre", meinte er vor der Aufführung lässig.

Locker nahm es auch Noah Wende. Als Polizist musste er sich auf der Bühne als Halsabschneider und Giftzwerg beschimpfen lassen. "Leider darf ich keine Strafzettel verteilen", grinste er. Das wäre dann auch teuer geworden.

Die Umsetzung der Aufführung gelang auch durch die Mitwirkung vieler freiwilliger Helfer. "Viele Eltern haben nicht nur den Kindern beim Text lernen zur Seite gestanden, sondern auch beim Bau der Kulissen und der Herstellung von Kostümen geholfen",, erzählt Angela Engel.

Denn ein Teil der Bühnenkulisse sei extra für das Stück hergestellt worden. Anderes habe der Carnevals Club Waschmittelwerk und das Genthiner Amateurtheater zur Verfügung gestellt. Bei letzterem haben einige der jungen Darsteller auch schon erste Bühnenerfahrung sammeln können, vielleicht auch ein Grund für den professionellen Ablauf der Aufführungen.

Am Ende gab es für alle Akteure vor und hinter den Kulissen einen tosenden Beifall der Zuschauer. Die Darstellerriege wurde mit Urkunden belohnt und Angela Engel mit einem Blumenstrauß von Schulleitein Angelika Wiegmann, die das Ensemble für die wunderbare Leistung im Sommer zum Eisessen einlud.

 

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