Zwei junge Feldahorn-Bäume sind am Sonntag in der "Allee der Bäume des Jahres" auf dem Klietznicker Weinberg gepflanzt worden. Wie in jedem Jahr kamen zahlreiche Gäste zu der Aktion, und etliche nutzten auch die Gelegenheit, vom Aussichtsturm die weite Sicht in die Umgebung zu genießen.

Klietznick l Die Klietznicker Dorfspatzen, unter Leitung von Andreas Dertz, begrüßten die Gäste mit fröhlichen Liedern - sie hatten nach dem kleinen Konzert am Sonnabend in der Klosterkirche schon ihren zweiten Auftritt an diesem Wochenende. Harald Bothe richtete als Vorsitzender des Verschönerungsvereins ein "Willkommen" an die Runde, die sich rund um die Pflanzstelle in der zweiten Jahresbaumallee versammelt hatte.

Etwas über den Feldahorn, den Baum des Jahres 2015, berichtete Peter Oestreich von der Biosphärenreservatsverwaltung den Anwesenden: "Es ist die kleinste einheimische Ahornart. Waldbaulich findet er kaum Beachtung." Das finde er schade, denn als Alleebaum für Parkanlagen sowie als Schutzstreifen in Heckenform sei er recht bedeutend. Der Feldahorn sei anspruchslos und "vermehrungsfreudig". Beides spiele unter den Bedingungen des Klimawandels eine wichtige Rolle: nach seinen persönlichen Beobachtungen seien die Ahornarten auf dem Vormarsch.

Ein paar interessante Daten nannte Peter Oestreich noch zum Feldahorn: Das höchste Exemplar in Europa wachse im Landkreis Bamberg und sei immerhin 28 Meter hoch, der dickste Feldahorn stehe im Landkreis Freising mit beachtlichen 357 Zentimeter Stammumfang. Ob allerdings die beiden Bäume auf dem sandigen Klietznicker Weinberg jemals solche Ausmaße erreichen, wage er zu bezweifeln.

Der Feldahorn habe auch medizinische Bedeutung: Aufgüsse oder Tees aus der Rinde wirken gegen gerötete Haut beziehungsweise schweißhemmend. Auf dem Vormarsch sei der Ahorn auch bei der Nutzung als Brennholz.

Diese beiden Bäumchen sind allerdings nicht die einzigen Feldahorn-Exemplare in der Klietznicker Jahresbaumallee - darauf wies Andreas Dertz hin. Denn 1995 war der Spitzahorn Baum des Jahres - damals hieß er zunächst allerdings nur "Ahorn", und so waren statt des Spitzahorns Feldahornbäume gewählt worden, die nun schon recht kräftig gewachsen sind. Sie stehen etwa in der Mitte der ursprünglichen Jahresbaumallee. Als diese voll war, ist 2008 am Fuß des Weinbergs eine neue begonnen worden, und 2009 kam hier an zweiter Stelle erneut der Ahorn an die Reihe, diesmal allerdings ganz richtig der Bergahorn.

Bevor Andreas Dertz mit seinen "Spatzen" das selbstgeschriebene Lied "Bäume sind Leben" anstimmte, las er noch ein Zitat von Alexander von Humboldt vor, das ihm Heinz Mangelsdorf aus Jerichow geschickt hatte und das sehr gut hierher passt:

"Habt Ehrfurcht vor dem Baum.

Er ist ein einziges großes Wunder, und euren Vorfahren war er heilig. Die Feindschaft gegen den Baum ist ein Zeichen der Minderwertigkeit eines Volkes und von niederer Gesinnung des einzelnen."