Die Hauptwege des Genthiner Friedhofes - ihr Zustand ist in den vergangenen Monaten wiederholt zum Gegenstand heftiger Kritik geworden - werden instand gesetzt. Der erste Schritt dazu ist ein Beschluss des Hauptausschusses, in dem er sich für die Ausführung in einer so genannten ungebundenen Bauweise ausspricht.

Genthin l Dass der vordere Hauptweg sowie die rechten und linken Hauptwege einer Sanierung unterzogen werden müssen, bedurfte in der Runde der Stadträte keiner Debatte. Notwendig wurde jedoch eine Entscheidung, wie diese Sanierung ausgeführt werde soll.

Die Verwaltung legte den Ausschussmitgliedern drei Varianten vor, so dass sie eine Auswahl zwischen einer Gestaltung mit Betonsteinpflaster (veranschlagte Kosten 55 000 Euro), mit hochwertigem Betonsteinpflaster (veranschlagte Kosten 70 000 Euro) oder in einer so genannten ungebundenen Bauweise unter Verwendung von Schlemmsand (veranschlagte Kosten 14 000 Euro). Andreas Buchheister (CDU) gab, bevor die Räte eine Variante favorisierten, zu bedenken, dass der Friedhof in der Wegegestaltung ein einheitliches Bild bilden müsse.

Allein der Eingangsbereich weise schon drei verschiedene Pflastersorten auf, insbesondere der Bereich die Kapelle. Daraufhin erwiderte Bürgermeister Thomas Barz (parteilos), dass dieses Areal erhalten bliebe, es ginge nur um die Wege. "Die Neugestaltung wollen wir jetzt mit aller Konsequenz durchziehen", machte er deutlich. Bürgermeister Barz eröffnete die Diskussion, indem er für die ungebundene Bauweise mit Schlemmsand plädierte. Als Argument führte er an, dass der Genthiner Friedhof einen starken Baumbewuchs aufweise und dessen Wurzeln unweigerlich zu Beschädigungen am Pflaster führen. Zudem halte er eine Ausführung mit Schlemmsand für eine ästhetische Lösung.

Die Bedenken des Bürgermeisters, dass Pflaster und Baumwurzeln in Konflikt miteinander treten, bestätigte Franz Schuster (Ländliche Wählergemeinschaft/Fiener), aus Erfahrungen vom Paplitzer Friedhof. Die Schlemmsandvariante, sagte Heinrich Telmes (Pro Genthin), sei auch aus seiner Sicht die ökologisch und ästhetisch beste Variante.

Er verwies zudem darauf, dass um die großen Friedhöfen ein Bitumenring für Fahrzeuge angelegt sei und die Wege, die in die Anlagen führen, in dieservon ihm favorisierten Variante ausgeführt seien. Für die ungebundene Bauweise, das ergänzte der Bürgermeister, spreche auch, dass bei auftretenden Unebenheiten der Bauhof diese ausgleichen könnten.

Birgit Vasen (Die Linke)nutzte die Diskussion, um die Verwaltung aufzufordern, das bisher geltende Radfahrverbot auf dem Gelände des Friedhofes aufzuheben, weil auf dem weitläufigen Areal große Entfernungen zurückzulegen seien. Dies umso mehr, als dass auch rücksichtslose Autofahrer zu beobachten seien, die den Friedhof befahren, merkte sie an. In der Abstimmung sprachen sich alle Hauptausschussmitglieder für die Wegesanierung in der Variante der ungebundenen Bauweise aus.

Mit dem Genthiner Friedhof verbindet sich eine mittlerweile eine fast 120-jährige Geschichte. Der Friedhof am Heinigtenweg wurde 1896 angelegt. Ursprünglich als Waldfriedhof geplant, kam er über gutgemeinte Ansätze nicht hinaus. Bereits 1907 wurde die Anlage erweitert, zu diesem Zweck sollte der angrenzende Wald behutsam ausgeholzt werden.

Genthin schloss sich, wenn auch nur in Ansätzen, dem damaligen Trend in Europa an: der Anlage von Reform- oder Waldfriedhöfen. In Genthin entfernte man auf der Erweiterungsfläche jedoch fast den gesamten Baumbestand, so dass eine herkömmliche Anlage entstand. Auf der nun geschaffenen Sichtachse entstand 1908 die Friedhofskapelle.