Zuwachs an der Uhland-Grundschule: Drei neue Schüler sind am Montag aufgenommen worden. Fjolla und Florentina Sopjani aus dem Kosovo sowie Sherife Sula aus Albanien. Es sind die ersten offiziell eingeschulten Flüchtlinge in Genthin.

Genthin l "Migration ist ein furchtbares Wort", sagte Bürgermeister Thomas Barz am Montag in der Aula der Uhland-Schule. "Eigentlich heißt es nicht mehr, als aufeinander zugehen und miteinander leben. Das wollen wir tun." Alltag - das heißt für Kinder auch Schule. Während das für deutsche Kinder selbstverständlich ist, ist es für die Flüchtlinge ein langer Weg, bis sie das erste Mal auf einer Schulbank Platz nehmen. Fjolla und Florentina Sopjani aus dem Kosovo sowie Sherife Sula aus Albanien werden nun täglich die Uhland-Grundschule besuchen.

"Wir wollen nicht immer nur von Integration reden, sondern den Kindern auch zeigen, was bei uns Tradition ist, wenn sie zur Schule kommen", sagte Barz. Die wohl bekannteste deutsche Tradition zur Einschulung ist die Schultüte und die gab es gestern auch für Fjolla, Florentina und Sherife. Für die Übergabe hatte die Stadt mit Kartoffelkönigen Caroline Lange, Sänger Robert Schulze und Schriftsteller Torsten Rohde drei Genthiner Prominente gewonnen. Neben den lokalen Promis brachten auch die Erst- bis Viertklässler Glanz in ihre Aula, in der die Einschulungsfeier stattfand. Die Drittklässler sangen ihr selbst geschriebenes Genthin-Lied mit dem an diesem Tag sehr passenden Refrain "Es ist so schön, so schön bei euch zu sein". Begleitet wurden sie von Robert Schulze an der Gitarre. Der Sänger hat einst selbst die Uhlandschule besucht.

Am Montag wurde auch getanzt und geturnt. Thomas Barz sagte in seiner Rede: "Uns ist wichtig, zu zeigen, dass ihr in Genthin willkommen seid. In diesen Tagen wird häufig vergessen, dass es ein großes Privileg ist, in Deutschland, also in Frieden und Wohlstand geboren zu sein. Ich wünsche mir, dass wir unsere Herzen für diese Kinder öffnen."

Eine Herausforderung für die Pädagogen wird nun die Sprachbarriere sein. "Die Kinder sind bereits zwei Wochen bei uns", sagt Schulleiterin Angelika Wiegmann. "Ein bisschen deutsch sprechen klappt schon, nun gilt es, diese Kenntnisse auszubauen." Ob die Flüchtlinge tatsächlich Asyl erhalten, darauf haben weder Schule noch Stadt Einfluss. Gegenwärtig stehen die Chancen für Bewerber aus dem Kosovo beziehungsweise Albanien eher schlecht.

"Die wirtschaftliche Notlage dieser Personen ist nachvollziehbar. Ein Grund für einen Antrag nach Paragraf 16a des Grundgesetzes als politisch Verfolgter ist das jedoch nicht", sagt zum Beispiel Horst Labrenz im Interview mit der Deutschen Welle. Labrenz ist Leiter der zentralen Unterbringungs-Einrichtung für Asylbewerber in Hemer (Nordrhein-Westfalen). Paragra 16a sieht Asyl für politisch Verfolgte vor und für die Menschen, deren Leib und Leben bei der Rückkehr ins eigene Land gefährdet sind. Bei den ankommenden Kosovaren ist das nach Auffassung der zuständigen Behörden in der Regel nicht der Fall. Deswegen haben im Januar nur 0,3 Prozent der Kosovaren tatsächlich Asyl erhalten.

"Stellt ein Ausländer einen Asylantrag so ist kraft Gesetzes das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) als spezielle Bundesbehörde zuständige Entscheidungsbehörde", sagte Kreissprecher Henry Liebe gestern auf Volksstimme-Nachfrage.

"Die Entscheidung über den Asylantrag der kosovarischen Familie Sopjani mit zwei schulpflichtigen Kindern und der albanischen Familie Sula mit einem schulpflichtigen Kind trifft das BAMF." Auch bei Flüchtlingskindern greift die Schulpflicht, so Liebe weiter. "Bei abgelehnten, ausreisepflichtigen Kindern besteht die Schulpflicht bis zur Erfüllung ihrer Ausreisepflicht."

 

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