Plakate zum Thema Bestattungsvorsorge hängen ab Montag in Genthin. Doch kann man sich auf den letzten Weg überhaupt vorbereiten? Und wie kann ein Bestatter dabei helfen?

Genthin l Jacqueline Titze ist eine zierliche, blonde Frau. Sie lächelt viel, hat eine angenehme Stimme, man hört ihr gerne zu. In ihrem Beruf kommt ihr das zugute.

Jacqueline Titze ist Bestatterin. Seit Januar sogar geprüfte Bestatterin. Das heißt, sie hat eine neunmonatige Ausbildung absolviert, in dem jeder Bereich ihres Berufes beleuchtet wurde. Beratungsgespräche mit verzweifelten Angehörigen, Trauerpsychologie, Dekoration von Gräbern, Rechtsgrundlagen und hygienische Versorgung. Letzteres, weil die Verstorbenen vor ihrer Beerdigung gewaschen, frisiert, und angezogen werden.

Klingt nach enormen Herausforderungen, doch wenn Jacqueline Titze über ihre Arbeit spricht, fällt oft das Wort "Traumberuf".

Dabei sieht zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn nichts danach aus, dass sie ihr Geld einmal mit Beerdigungen verdient. Sie macht eine Ausbildung zur Krankenschwester, arbeitet danach in der Gastronomie. 1997 lernt sie ihren Mann Marcel kennen. Beruf: Bestatter. "Seinen Arbeitsalltag mitzubekommen, hat mein Interesse geweckt", erzählt Jacqueline Titze. Im Babyjahr macht sie ihren Betriebswirt, um die Buchführung im Bestattungshaus Titze übernehmen zu können.

Mit Bestattungen zu tun haben alle im Familienunternehmen. Das heißt, sie haben eine Ausbildung absolviert und im Bestatterberuf gearbeitet. Geprüfter Bestatter war bisher einzig Wolfgang Titze, deren Frau Evelyn die Inhaberin ist. Wolfgang Titze will in Zukunft beruflich kürzer treten, die Söhne Marcel und Mario sollen noch mehr Verantwortung übernehmen. Auch einen geprüften Bestatter soll es im Familienunternehmen weiterhin geben. Mit der Auszeichnung Jacqueline Titzes ist das nun amtlich. "Ich wollte mich in meinem Beruf weiterbilden, die unterschiedlichen Bereiche noch genauer kennenlernen", sagt sie. Neun Monate ist sie regelmäßig zu Lehrgängen und Prüfungen nach Unterfranken gefahren, die Abschlussprüfung fand in Düsseldorf statt. Dort musste sie zum Beispiel einen Verstorbenen herrichten und ein Beratungsgespräch führen. Voraussetzung für den Lehrgang zum geprüften Bestatter sind eine abgeschlossene Berufsausbildung sowie drei Jahre Erfahrung im Beruf des Bestatters.

Ein Beruf, der sich stark gewandelt hat. "Früher hatte man die Wahl zwischen Feuer- und Erdbestattung", sagt Mario Titze. Heute gibt es viel mehr Möglichkeiten. Nicht nur die Lebensläufe werden individueller, auch für den letzten Weg eines Menschen gibt es unzählige Optionen. Jacqueline Titze zählt auf: "Bestattungen auf hoher See oder im Wald nehmen zu." Bei der Seebestattung wird der Verstorbene verbrannt, die Asche dann je nach Wunsch in Ost- oder Nordsee, manchmal sogar im Atlantik verstreut. Grundsätzlich wird dabei mit einer Reederei zusammengearbeitet.

Viele Angehörige stehen vor einem Rätsel

Die letzte Ruhestätte beim Waldbegräbnis liegt direkt an einem Baum. So einen Waldfriedhof gibt es zum Beispiel in Seelensdorf bei Premnitz. Häufiger seien natürlich Feuer- oder Erdbestattungen. Doch ausgefallene Wünsche nehmen zu. Zum Beispiel ist es möglich, einen Teil der Asche zu einem Kristall oder Diamanten verarbeiten zu lassen, den man dann immer bei sich tragen kann.

"Wir versuchen, alles möglich zu machen", sagt Mario Titze über die unzähligen Optionen, mit denen Angehörige bei der Planung einer Beerdigung konfrontiert sind. "Ein Verstorbener war beispielsweise leidenschaftlicher Motorradfahrer. Seine Urne sollte mit dem Zweirad auf den Friedhof gebracht werden." Eigentlich ist das nicht gestattet, denn nur Bestattungswagen dürfen den Friedhof befahren. "Wir haben eine Ausnahmegenehmigung besorgt, auch dafür, dass unzählige Motorräder auf dem Friedhof stehen durften, um den Verstorbenen zu empfangen", erklärt Jacqueline Titze.

Doch woher weiß man so genau, was der Tote sich für seine Beerdigung vorgestellt hat? Welche Musik spielen soll? Wo er beigesetzt sein möchte?

"Gerade heute ein immer größeres Problem", sagt Jacqueline Titze. "Viele Menschen leben allein, die Angehörigen sind weit weg und stehen bei der Bestattung schließlich vor einem inhaltlichen und finanziellen Rätsel." Ideal sei es, wenn jeder für seine eigene Bestattung vorsorgt. Dazu könne man einen Termin mit dem Bestatter seines Vertrauens machen. Und klären, wie man seinen letzten Weg gehen möchte. Auch die Finanzierung könne man so selbst regeln. "Das heißt ja nicht, dass man morgen stirbt", sagt Jacqueline Titze. "Wenn man vorgesorgt hat, lebt es sich auch ruhiger."

Und wie lebt es sich als Bestatterin? Wenn man ständig von Tot und Trauernden umgeben ist? "Gut", sagt Jacqueline Titze überzeugt. "Auch wenn mein Tag aus vielen Dramen, Schicksalen und Tränen besteht." Natürlich nehme das auch den Bestatter mit. "Wenn man aufhört mitzuweinen und mitzufühlen, sollte man den Beruf wechseln." Die Angst vor dem Tod nehme der Beruf einem aber nicht, sagt Mario Titze. "Schließlich wissen auch wir nicht, was danach kommt."

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