Es war eine Abschiedsfeier mit Gesang und Lachen, aber auch mit Schwermut und ein paar versteckten Tränen: Nach gut 31 Jahren hat Thomas Schöbel nun sein Amt als Chorleiter der Chorgemeinschaft Hohenseeden endgültig aufgegeben. Eine Zeit lang kam er noch von Berlin zu Proben und Auftritten her.

Hohenseeden/Ferchland l Eines der Probleme nach seinem Umzug von Hohenseeden nach Berlin wurde auch an diesem Abend wieder deutlich: Stau auf der Autobahn, und Thomas Schöbel kam zu spät. Diesmal war es nicht gar so schlimm, denn die Chorprobe, die diesmal im Ferchländer "Storchennest" stattfand, hatte bereits Jürgen Töpfer geleitet. Er wird sich vorübergehend um den Chor kümmern, bis ein neuer Chorleiter oder eine Chorleiterin gefunden ist.

Den Kontakt ganz abreißen lassen wollen aber weder Chormitglieder noch Thomas Schöbel: Damit letzterer das auch niemals vergisst, überreichte ihm Vereinsvorsitzender Hans-Jürgen Bamberger nebst diversen Präsenten eine Urkunde als "Ehrenchorleiter".

Klar, dass an diesem Abend im "Storchennest" viel in Erinnerungen geschwelgt wurde. Thomas Schöbel weiß noch genau, wann es seinerzeit anfing mit dem Hohenseedener Chor: "Im März 1984 durch einen Aufruf von Karin Möbus, Inge Kremkau und mir. Da waren wir vielleicht zehn, zwölf Leute." Einige kamen dann noch aus umliegenden Orten dazu. Getroffen haben sie sich damals im Kulturhaus in Hohenseeden. Schließlich waren es etwa 20 Sangesfreunde, die anfangs zusammen mit der Chorgemeinschaft Stremme/Karow gesungen haben, "weil wir uns am Anfang nicht getraut haben, allein aufzutreten".

Aber schon nach ein, zwei Jahren sang der Hohenseedener Chor selbständig beim Konzert in der Klosterkirche Jerichow. Das habe sich gut entwickelt - bis die Wende kam. "Dann fing es gewaltig an zu bröckeln. Zeitweise waren wir weniger als zehn Leute."

Verstärkung wurde dringend gesucht. 1998 konnten dann Sangesfreunde aus dem ehemaligen Pareyer Chor dazugewonnen werden, und als sich der Frauenchor Parchen auflöste, wurden dessen Mitglieder zum Teil mit aufgenommen, und weitere kamen dazu. Die "Chorgemeinschaft Hohenseeden" entstand mit zeitweise 35 oder 36 aktiven Sängerinnen und Sängern. "Das hat schon Spaß gemacht!"

Auf die Frage nach seinen "Höhen und Tiefen" mit dem Chor fängt Thomas Schöbel mit letzterem an: "Ich hatte schon meine Vorstellungen, und da haben wir manchmal auch Stress gekriegt!" Will heißen: Thomas Schöbel, der eine ausgezeichnete musikalische Ausbildung auf dem Landesgymnasium für Musik in Wernigerode erhalten hat, stellte natürlich hohe Ansprüche an die Qualität und gab sich mit Halbheiten nicht zufrieden. Er forderte jeden Einzelnen ganz. "Wenn es um Disziplinfragen ging oder die Teilnahme zu wünschen übrig ließ, da gab es in den 80er Jahren schon mal eine Phase, wo ich mein Amt niedergelegt habe. Da bin ich aus dem Kulturhaus gerannt und habe gesagt: Ich erscheine nicht mehr!" Und tatsächlich blieb er weiteren Proben fern.

Einige von damals sind heute noch dabei und können sich noch gut daran erinnern. Irgendwann sei dann Hans-Jürgen Bamberger zu ihm gekommen und habe gesagt: "Wir müssen weitermachen!" Und Thomas Schöbel machte weiter. Bamberger sei schon immer die "gute Seele" des Chors gewesen, konnte schon immer prima organisieren. Zwischen beiden habe es immer einen kurzen Draht gegeben, man stimmte sich ab, das funktionierte prima. Und unterm Strich seien alle auch sehr froh darüber gewesen.

Der ganze Chor habe auch davon profitiert, dass Hans-Jürgen Bamberger immer so tolle Fahrten organisiert hat. Solche Erlebnisse haben zusammengeschweißt. "Davon haben wir gezehrt", sagt Schöbel. Und darum fiel ihm nun der Abschied auch so schwer. Eine Rede hätte er nicht halten können, schon die Lieder zum Abschied wurden schwer...

Das allerschönste dieser vielen schönen Erlebnisse sei für ihn die Fahrt nach Schweden, nach Malmö, gewesen, blickt Thomas Schöbel zurück. Das war in der ersten Hälfte der 90er Jahre. "Da haben wir eine lustige Atmosphäre in der Eingangshalle des Hotels entwickelt - wir haben das ganze Hotel unterhalten! Wir haben ein Klavier gefunden, ich hab mich drangesetzt, und wir haben sie Schwäb`sche Einsenbahn gesungen", weiß er noch ganz genau. "Das war ein Gaudi!"

Ähnliche Erlebnisse gab es auch bei anderen Fahrten. Kein Klamauk, nichts Aufgesetztes sei das gewesen. Das kam von Innen. "So etwas kann man nicht steuern", weiß Schöbel. Es seien gar nicht in erster Linie musikalische Ereignisse gewesen, sondern aus dem gemeinsamen Beisammensein heraus. "Da hat man gemerkt: Wir gehören zusammen!"

Nach der Wende-Flaute mit der geringen Mitgliederzahl hat sich der Chor nicht nur personell, sondern auch qualitativ wieder toll entwickelt. Gern blickt Thomas Schöbel auf die Konzerte vor einigen Jahren in der Klosterkirche zurück, wo man gemerkt habe: "Der Chor kann was. Der braucht sich nicht zu verstecken!"

Ganz ohne Singen kann sich Thomas Schöbel seine Zukunft nicht vorstellen. Ein wenig umgeschaut habe er sich schon in Berlin nach einem Chor, dem er sich anschließen könnte. Noch hat er sich nicht entschieden. "Mal schauen", sagt er.