Mindestens 400 Besucher haben sich am Wochenende die Ausstellung über die "WiFo" im Dorfgemeinschaftshaus Derben angeschaut. Die Organisatoren waren erfreut über dieses riesige Interesse und die positive Resonanz quer durch alle Altersgruppen. Eine Fortsetzung und Erweiterung ist durchaus möglich.

Derben l Sichtlich erschöpft, aber zufrieden waren die Organisatoren und Helfer am Sonntagabend. Drei Tage lang herrschte enormer Andrang, berichtete Anita Hempel, Vorsitzende des Heimatvereins "Elbaue" Derben/Neuderben. "Manche kamen sogar an zwei oder drei Tagen, um in Ruhe alles anschauen zu können, erzählt sie. Und manche saßen auch mehrere Stunden und lasen in den Mappen mit vielen ergänzenden Informationen, die neben den neun Ausstellungstafeln und allerhand Originalstücken aus der WiFo präsentiert wurden.

In mühevoller Recherchearbeit hatten Anita Hempel und Christa Schmette vom Derbener Heimatverein. Christiane Wagner vom Pareyer Heimatverein und Horst Wedau aus Ferchland Material und Informationen über die "Wirtschaftliche Forschungsgesellschaft", Außenstelle Derben - Tarnname "Löwenberg" - ein geheimes Tanklager des Nazi-Regimes, zusammengetragen.

Die WiFo war Grund dafür, dass kurz vor Ende des 2. Weltkrieges noch so viele Bomben auf Derben fielen. Genau 70 Jahre nach der Bombardierung standen etliche, die bei der Ausstellungseröffnung dabei waren, schon einmal beisammen und gedachten jener furchtbaren Stunden, erinnerte Bürgermeisterin Jutta Mannewitz. Und genau 70 Jahre nach dem Kriegsende ist diese Ausstellung nun eröffnet worden.

Jutta Mannewitz sagte zur Eröffnung einige Worte und schloss mit der Mahnung, alles zu tun, damit sich so etwas nicht wiederholt, sowie einem Dankeschön an die Organisatoren der Ausstellung. Sie hatte ein Besucherbuch mitgebracht, in das sich im Laufe des Wochenendes auch etliche Gäste eintrugen - alle mit Kommentaren, die Anerkennung und Dank zum Ausdruck bringen.

Es ist tatsächlich beeindruckend, was nach monatelanger Recherche hier zu einer Ausstellung zusammengestellt wurde. Und doch sind Anita Hempel und die drei Chronisten noch längst nicht zufrieden. Von vielen Besuchern sei der Wunsch geäußert worden, dass das Material zu einer Broschüre zusammengestellt wird, sagt Anita Hempel. "Aber es gibt noch zu viele Fragezeichen! Wir haben ja einige Gebiete noch gar nicht dargestellt und einige nicht vollständig."

Deshalb soll noch weiter recherchiert werden, und um den Wünschen entgegen zu kommen, soll ein Teil des neuen Derbener Heimatkalenders mit Material aus der WiFo-Ausstellung bestückt werden.

Einige weitere Informationen und Material seien schon während der Ausstellung dazu gekommen - mitgebracht von Besuchern. Zum Beispiel von Hans Krause: Er wohnt in Calbe/Saale, hat früher beim Wasser- und Schifffahrtsamt gearbeitet und hatte vor einiger Zeit dem Heimatverein Derben versprochen, ein Stück Kette aus der Elbe (von der Kettenschifffahrt) für`s Schiffermuseum mitzubringen. Das Versprechen löste er nun ein und hatte auch noch etwas zur WiFo-Ausstellung beizutragen: Da er Ende der 50er Jahre hier gelernt hatte, besitzt er Bilder von Resten der riesigen Tanks, von denen er dem Verein Kopien überließ.

Auch einige Gegenstände, die aus der WiFo stammen, wurden von Besuchern noch mitgebracht.

Wertvolle Hinweise erhielten die Vier auch von Antonia Beran, Leiterin des Kreisheimatmuseums Genthin. Sie sei begeistert gewesen von der Ausstellung, freut sich Anita Hempel, und die Fachfrau gab Tipps, wie man dies oder jenes noch besser darstellen könne.

Eine Info-Veranstaltung zur WiFo Ende vergangenen Jahres im Kreisheimatmuseum hatte bereits das riesige Interesse für dieses Kapitel Heimatgeschichte, das noch so viele Geheimnisse birgt, gezeigt. Horst Wedau hatte dort schon sein Wissen weitergegeben und dann für die Volksstimme einen Bericht geschrieben (Erschienen am 12. Januar 2015). So kam es dann zu der Idee, gemeinsam diese Ausstellung zu erarbeiten.

Neben den umfangreichen Recherchen und der inhaltlichen Gestaltung war auch der organisatorische Aufwand nicht zu unterschätzen. Alle Mitglieder des Derbener Heimatvereins und weitere Helfer trugen zum Gelingen bei.

"Ich hatte auch meine Schüler gefragt, ob sie mir helfen - und sie waren hier!" freut sich Anita Hempel. Sechs Schüler aus der Klasse 9/3 des Bismarck-Gymnasiums Genthin - jeweils zwei an einem Tag - sicherten die Betreuung der Besucher mit ab, denn es musste an vielen Stellen gleichzeitig jemand sein: In der Ausstellung selbst, in der ebenfalls geöffneten Schifferscheune, oben in der Heimatstube und draußen am Kuchenstand...

Auch beim Auf- und Abbau packten viele mit an. Denn leider mussten die Tafeln wieder raus aus dem großen Raum des Dorfgemeinschaftshauses, der ja für verschiedene andere Zwecke gebraucht wird. Einige Tafeln bleiben erstmal komplett, andere - ausgeborgte - mussten wieder abgeliefert werden.

Aber dass es eine Fortsetzung geben wird, ist inzwischen schon so gut wie ausgemachte Sache. Viel zu sehr haben sich Anita Hempel, Christa Schmette, Christiane Wagner und Horst Wedau inzwischen in das Thema "verbissen" und sind begierig darauf, auch noch weitere Geheimnisse jener furchtbaren Zeit zu lüften.

   

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