Genthin (mfe) l "Wenn Sie erwarten, hier Kunst zu sehen, kann ich Ihnen nur sagen - Reingefallen", machte Hartmut Glöckner humorvoll Anti-Werbung für seine Ausstellung in der Stadt- und Kreisbibliothek. Keine Schlachtengetümmel auf Großleinwand mit Farbexplosionen seien hier zu finden, auch keine latente Todessehnsucht.

"All das gibt es nicht, somit erkennen Sie mit einem Blick, es ist keine Kunst", stellte der Hobbykünstler sein Licht unter den Scheffel. "Es sind Malversuche eines ausrangierten Kommunalbeamten, der den fehlenden Büroschlaf mit etwas zu ersetzen sucht, das möglichst wenig Schaden anrichtet." Nein, Schaden richten sie nicht an, die 34 Landschaftsbilder in Acryl- und Pastell. Aber sie laden zum Betrachten ein, zum Sinnieren, zum Schwelgen. Es sind Bilder von Feldern, Alleen und Seen im Spiel der Jahreszeiten und der Tageszeiten.

Nicht ohne Grund war die Eröffnung bestens besucht. Unter den Anwesenden waren zahlreiche Freunde des 71-Jährigen. Luise Winkelmann, Dr. Roland Schäfer oder Erhard Holley.

Glöckner ist ein Spätberufener. Sein Kunstlehrer sprach ihm jegliches Talent am Zeichnen ab, sodass er sich auf das Hobby Musik konzentrierte. Erst mit über 50 Jahren begann Glöckner, sich mit der Malerei zu beschäftigen. Durch seine Tätigkeit als Gemeinde-, Kur- und Schifffahrtsdirektor der Nordseeinsel Langeoog war ihm der Inselkünstler Anselm Prester ein Begriff, bei dem er ersten Malunterricht nahm. Seit Anfang 1992 ist Hartmut Glöckner im Jerichower Land zu Hause, damals wurde er zum Bürgermeister Genthins gewählt. Hier kennt und schätzt man ihn. "Er ist jemand, der uns lieb und wichtig ist", sagte beispielsweise Bibliotheksleiterin Gabriele Herrmann während der Ausstellungseröffnung.

"Nur ist es schwer, ihn zu überzeugen, mit seinen Werken in die Öffentlichkeit zu gehen", fügte sie hinzu. Aber mit viel Überzeugungskraft sei es nun doch gelungen. In den kommenden Wochen sind die Werke unter dem Titel "Wege zu dir" im Veranstaltungsraum der Bibliothek zu sehen. Den Titel habe seine Ehefrau aufgebracht, verriet der Hobbymaler, der seine Kunst auch ganz als Hobby verstanden haben möchte. Auch weil seine Familie, besonders seine Tochter, die Werke des Vaters nicht immer mit überschäumender Begeisterung bewerten. "Kannst du nicht wieder wie früher malen?", habe sie ihn mal gefragt, als sich der Stil nach einem Workshop in der Worpsweder Malschule etwas veränderte.

Denn manchmal erlaubt sich der Ruheständler kleine exzentrische Ausreißer, wie eine farbige Collage auf dunklem Grund. "Da sehen Sie, was man mit eingetrockneten Acrylresten machen kann", sagte Glöckner mit einem Schmunzeln.