Keine Einweihung des Mahnmals Genthin-Wald am Sonntag. Noch sind die Arbeiten nicht vollständig abgeschlossen und daher ist auch die Abnahme noch nicht erfolgt.

Genthin l "Eigentlich ist die Neugestaltung gut gelungen", war nach der Gedenkveranstaltung zum 8. Mai von vielen Besuchern in Genthin-Wald zu hören. Dort hatten Teilnehmer auf Einladung der Stadt dem Ende des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren gedacht.

Doch es gab beim genauen Blick auf die rekonstruierte Gedenkstätte auch einige Zweifel. So kritisierten einige die zum Teil etwas unebene und unsaubere Beschaffenheit der Betonstele. Auch kleinere Bruchstellen rund um die vertieft liegenden Buchstaben stießen auf das Missfallen einiger Besucher.

Nicht ganz zu Unrecht, wie es den Anschein hat, denn die Stadt hat die Arbeiten noch nicht abgenommen, die offizielle Einweihung am kommenden Sonntag abgesagt und auf einen noch nicht festgelegten Termin verschoben. "Sobald die Fertigstellung erfolgt ist, teilen wir einen neuen Termin zur Einweihung mit", heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt. Über die Absage des Einweihungstermins hatte Bürgermeister Thomas Barz (parteilos) während der Stadtratsitzung am Montag informiert.

"Wir hatten die Hoffnung zum 8. Mai mit den Arbeiten fertig zu werden, aber nun ist auch der 17. Mai in Gefahr." Aus diesem Grund sei die Einweihung zunächst zurückgestellt, bis belastbare Arbeitsergebnisse vorlägen. Eine Abnahme der bisherigen Arbeit sei bis zum Wochenende auch nicht mehr möglich. Auf Volksstimme-Anfrage macht der Bürgermeister deutlich: "Es ist für uns die erste sogenannte Sgrafittoarbeit und wir müssen nun sehen, wie wir damit umzugehen haben", erläutert Barz.

Es seien noch baufachliche Überprüfungen der fachgerechten Arbeit notwendig. In diese Überprüfungen werde auch die Denkmalschutzbehörde einbezogen. Erst wenn diese Schritte mit Zustimmung durchlaufen wurden, ist eine endgültige Abnahme der Gedenkstätte möglich. Erst dann würde der Schwebezustand an der Gedenkstätte endgültig enden. Begonnen hatte alles mit dem Diebstahl der auf dem Gelände befindlichen bronzenen Frauenskulptur im Frühjahr 2013. Die Skulptur ist später nicht mehr aufgetaucht und die Stadt musste sich mit einer Neugestaltung befassen. Da eine Rekonstruktion der Skulptur an der Erinnerungsstätte nicht möglich war, entschied der Stadtrat im Herbst 2013, dass die Betonwand, vor der die gestohlene Frauenfigur an das Leid der KZ-Häftlinge erinnerte, mit einer Schrift im Kratzputzverfahren, dem sogenannten Sgraffito, gestaltet werden solle. Die Magdeburger Grafik-Designerin Gudrun Seffers bekam den Auftrag zur Gestaltung eines Entwurfs.

Die Entscheidung für eine endgültige Variante erfolgte gemeinsam mit der 90-jährigen Künstlerin Ursula Schneider-Schulz aus Magdeburg, die die Frauenfigur einst gestaltete und bei der die Urheberrechte für das Denkmal liegen, sowie der Unteren Denkmalschutzbehörde. "Ich weiß, welcher Entwurf umgesetzt wurde", bestätigt sie auf Anfrage. "Allerdings habe ich die Arbeit in der nun umgesetzten Form noch nicht gesehen", muss sie einräumen.

Für Schneider-Schulz ist es wichtig, dass auch die Grafikerin in den Abnahmeprozess einbezogen wird. Gudrun Seffers hat dieser Tage bereits gegenüber der Stadt ihre Zustimmung zur Neugestaltung erteilt. Die Arbeiten seien unter Berücksichtigung ihrer Entwürfe durchgeführt worden, machte sie nach einer Begutachtung vor Ort deutlich.

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