Der Kiessee bei Parey wächst, immer weiter schiebt er sich zwischen den Ort und die Elbe. In den nächsten Jahrzehnten wird das voraussichtlich so weiter gehen. Die Landschaft wird sich sehr verändern. Einen Ausblick darauf gab Marcel Busch von "Cemex" in der jüngsten Hauptausschusssitzung.

Parey l Anlass für die Information aus erste Hand waren die Diskussionen im Gemeinderat um den Vertragsabschluss mit Cemex zu der vorübergehenden Wegeführung Richtung Elbdeich. Denn der vor etwa einem Jahr provisorisch über den Acker gebaute Weg musste dem schneller als erwartet fortschreitenden Kiesabbau längst wieder weichen. Nun hat das Unternehmen den privaten Weg von der Siedlungsbrücke Richtung Unkenwäldchen gepachtet und für die öffentliche Nutzung zur Verfügung gestellt.

Der ursprüngliche Betonspurweg soll aber wieder hergestellt werden - schon bevor dieser Teil des Kiesfelds ausgebaggert ist. Dazu liegen schon Tunnelelemente als Brücke für das Förderband bereit. Termin soll laut Vertrag der 1. Januar 2017 sein, an dem der Weg der Gemeinde zurückgegeben wird.

Marcel Busch, Cemex-Regionalleiter Elbe-Spree sowie Geschäftsführer der Kieswerke Parey und Rogätz, war zusammen mit Peter Mexner, Betriebsleiter des Kieswerks Parey, zu dieser Sitzung gekommen und begann seine Ausführungen mit einer Kurzvorstellung des weltweit agierenden Unternehmens "Cemex", das über 47 000 Mitarbeiter habe. Und er betonte ausdrücklich, dass der Standort Parey ein sehr wichtiger sei für Cemex: Hier werden etwa 500 000 Tonnen Kiese und Sande pro Jahr gefördert, wovon etwa 400 000 Tonnen per Schiff nach Berlin gehen.

Rund um Berlin gebe es keine geeigneten Lagerstätten für hochwertige Sande und Kiese, so dass die Anlieferung aus einem Radius von 120 Kilometern und mehr erfolgen müsse, erläuterte Marcel Busch. Und es gebe nur noch drei Werke, aus denen die Anlieferung per Schiff erfolgen könne. Das seien Parey und Rogätz von Cemex sowie Rothensee. Für Cemex sei das ein enormer Standortvorteil, zumal das Unternehmen auch eigene Werke in Berlin habe.

Busch zeigte anhand von Karten, wie sich die Kiesabbaufläche in den nächsten Jahren und Jahrzehnten entwickeln wird. Die bereits genehmigte Abbaufläche umfasst den ganzen Bereich bis zum Weg an der Alten Elbe hinter Parey im Südosten, bis zum jetzt genutzten Weg Siedlungsbrücke-Unkenwäldchen und weiter bis kurz vor den Elbdeich, und parallel zu diesem bis hinter die Fortführung "Bittkauer Weg". Mit dem Abbau in den hinteren Bereichen soll aber erst nach 2020 begonnen werden.

Ob aber der Termin 2020 für die Beendigung des Abbaus in diesem Bereich eingehalten werden kann oder nicht, das könne heute keiner mit Sicherheit sagen, betonte Marcel Busch. Das hänge vor allem von der Tiefe der Kiesschicht ab. Zwar werden bei der Erschließung von Lagerstätten immer Probebohrungen durchgefährt, um diese zu erkunden. Allerdings seien diese Bohrungen sehr teuer, deshalb werde genau überlebt, wie viele Bohrungen unbedingt sein müssen. "Das ganz hat den nachteil, dass man nicht weiß, was zwischen den Bohrungen ist."

Passieren könne dann so etwas wie in den vergangenen Jahren in Parey: Statt der erwarteten 20 Meter dicken Schicht wurden nur noch acht und weniger gefunden. Dann sei man mit den jeweiligen Quadratmetern Fläche viel schneller fertig als geplant.

Das sei freilich auch aus wirtschaftlicher Sicht für das Unternehmen ärgerlich - und es könne eben kein genauer Termin genannt werden. Auf Nachfrage betonte Marcel Busch, dass wegen der günstigen Lage zu Berlin eine wechselnde Situation bei der Abnahme der Produkte für Parey keine Rolle spiele.

Wenn das jetzt begonnene Kiesfeld vollständig ausgebaggert ist - idealerweise also 2020 - dann werde der Querweg vom Unkenwäldchen (Tierhotel) Richtung jetziger Kiessee durchschnitten, um den Schwimmbagger auf das andere Feld umzusetzen und dort weiter zu machen. Weil der jetzige Weg zum Deich (Wiedwerder Rampe) dann nicht mehr genutzt werden kann, werde ein neuer - und endgültiger Weg neben dem Unkenwäldchen gebaut.

Auch dieser Teil des Betonspurwegs soll später wieder hergestellt werden, so dass im unteren Bereich ein kleinerer See entsteht, um den komplett herum Wege führen. Die gesamte andere Wasserfläche, die jetzt schon vorhanden ist und noch entstehen wird, werde dann ein großer See sein.

Cora Schröder brachte die Sorge viele Anwohner zum Ausdruck, ob so viel Wasserfläche diesseits des Deichs nicht eine größere Gefährdung bei Hochwasser bedeute. "Wir haben in Rogätz viele Untersuchungen machen lassen, die zeigen, dass eine Wasserfläche sogar besser ist, um zusätzliches Wasser aufzunehmen", erklärte Marcel Busch. Die Wasseroberfläche liege etwa drei Meter tiefer als zuvor die Erdoberfläche - das bedeute mehr verfügbares Volumen. Und die Stabilität des Deiches, dessen Erhöhung und Verstärkung ja demnächst beginnt, werde nicht beeinträchtigt.

Pareys Ortsbürgermeisterin Nicole Golz sprach die Beschilderung der neuen Routen zur Elbe und zur Ortschaft an. Diese ist teilweise durch Cemex schon aktualisiert worden, soll aber noch ergänzt werden, versprach Busch. Dabei geht es insbesondere um den Privatweg, der jetzt genutzt werden darf.

Allerdings wird es mit beginn der Deichbaumaßnahmen auch wieder Einschränkungen und die Sperrung von einigen Wegen geben, gab Busch zu bedenken.

 

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