"Schnelles Breitband gehört zu den wichtigsten Standortfaktoren einer Region", sagt Landrat Steffen Burchhardt. Der Landkreis will in den Gewerbegebieten damit anfangen. Mit Übertragungsgeschwindigkeiten ab 100 Mbit/Sekunde. Einen Spatenstich wird es dafür in diesem Jahr allerdings nicht geben.

Gommern l Im Juni soll es in der Kreisverwaltung einen intensiven Austausch zur Breitbandversorgung aller Hauptverwaltungsbeamten des Landkreises mit externen Experten geben. "Es gilt notwendige Eigenmittel, Qualität der Netze, Geschwindigkeit der Umsetzung und weitere Faktoren sorgfältig abzuwägen", erklärt Burchhardt. Eine Machbarkeitsstudie liegt der Verwaltung bereits vor, die Ergebnisse des Markt-erkundungsverfahren sollen bei diesem Treffen erläutert werden. Fakt ist: "Dieses Jahr wird es keinen Spatenstich mehr geben. Die Grundlagen müssen erst geschaffen werden", betont der Landrat.

Im Fokus der schnellen Internetversorgung sollen dabei die Gewerbegebiete stehen. Bei einer Abfrage seitens der Kreisverwaltung wurde hier der größte Bedarf signalisiert. "Viele Firmen kritisieren, dass die Datenleitungen nicht mehr ausreichen. Wir wollen eine Abwanderung natürlich verhindern", stellt Manfred Förster vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft klar. Eine flächendeckende Versorgung wird aber über Jahre dauern, und das über 2020 hinaus, macht Peter Boike, Medienberater von Kabel Deutschland, deutlich.

In Gommern wurde bislang in den Breitbandausbau ein sechsstelliger Betrag investiert. 37 Verteilerstellen gibt es in der Region. Davon übertragen lediglich elf mit Geschwindigkeiten bis 50 Mbit/s. "Mittlerweile ist das schon ein Lacher", sagt Boike. Zum Vergleich: Der Raum Leipzig hat 600 Mbit/s, Weißenfels sowie Zeitz 200 und selbst die Stadt Quedlinburg hat Geschwindigkeiten von 100 Mbit/s. "Wir wollen in diesem Bereich weiter investieren. Was wir tun können, hängt von der finanziellen Ausstattung der Kommunen ab. Wir sind auf einem holprigen Weg, für den wir Partner suchen. Diese Probleme sind aber von Jerichow bis Gommern immer die gleichen", sagt Gommerns Bürgermeister Jens Hünerbein.

Der Landkreis sei aufgrund der unterschiedlichen Voraussetzungen in den Städten und Gemeinden weiterhin in einer Orientierungsphase. "Es muss der Grundsatz geklärt werden, ob wir gleich einmal für die Zukunft bauen oder ob wir immer wieder aufstocken wollen", sagt Burchhardt. Dazu soll die Auswertung des Markterkundungsverfahren erste Ergebnisse liefern. Ohne einen großen Partner, der verschiedene Fördertöpfe anzapfen kann, scheint es kaum zu gehen. Zwei Partner wurden dazu bereits befragt. Aufgrund des vielen ländlichen Raumes und der unterschiedlichen Technik hätten diese dankend abgelehnt. "Für ein Unternehmen muss sich das natürlich wirtschaftlich rechnen, und das macht es nur, wenn viele die zur Verfügung gestellte Technik dann auch nutzen. Das ist in der Stadt einfacher als auf dem Land", erklärt Burchhardt. Darum würde man immer mit der Infrastruktur erheblich in Vorleistung gehen. In Salzwedel hat sich dafür ein Zweckverband gegründet, der beispielsweise alle Bauprojekte sammelt, wo es die Chance gibt, Leerrohre mit hineinzulegen. Förster bezeichnet die Möglichkeit des Zweckverbandes auch für das Jerichower Land als "überlegenswert".

Zeitnah werde es jedoch nicht realistisch sein, jeden Haushalt mit Breitband zu versorgen, so Burchhardt. Die Rolle des Kreises bei der Breitbandversorgung hängt davon ab, ob sich für einen gemeinsamen Weg entschieden wird oder ob die Kommunen für ihre bereits vorhandene Technik eigene Möglichkeiten in Betracht ziehen.