Einen regelrechten Besucheransturm erlebte die Parchener Mühle am Pfingstmontag. Die Organisatoren hatten sich ein vielfältiges Programm überlegt. Die Besucher konnten Mehl herstellen und Brot backen.

Parchen l Vorsichtig füllte Julien Negraszus den Becher mit Weizenkörnern. 1170 Gramm brachte dieser auf die Waage. "Das ist noch ein wenig zu viel, da musst du noch ein paar Gramm herausnehmen", riet Jutta Radde vom Heimatverein. Erst als genau 1160 Gramm erreicht waren, schüttete Anna-Lena Deinert den Weizen in die Getreidemühle. "Wir müssen das Bechergewicht einrechnen, denn wir wollen ein Kilo Mehl bekommen."

Die beiden Kinder in der weißen Kutte und mit den langen Zipfelmützen waren beim diesjährigen Mühlenfest in Parchen gemeinsam mit ihrer Helferin Emma Lendner als Mühlenkinder im Einsatz. Zum ersten Mal konnten sich die Besucher an der Mühle Roggen, Dinkel und Weizen zu Mehl mahlen lassen. Der Heimatverein kooperierte dafür mit der Leinölmühle.

"Auf unserem Hof können die Besucher das Mehl verarbeiten und zu einem Kuchen, kleinen Pizzen oder zu Brot backen lassen", erläuterte Leinölmühlen-Betreiber Ernst-Adolf Kampe. Viele Besucher machten von dem Angebot Gebrauch und bekamen frische Backwaren aus dem eigens aufgestellten Ofen.

Während der Ofen völlig ohne Strom funktionierte, wurde die Getreidemühle mit Solarstrom angetrieben. Eine kleine Solaranlage lieferte die nötige Energie. "Die früheren Mühlen wurden mit Wind angetrieben, heute nutzen wir bei der kleinen Mühle die Sonne", fügte Marcus Fuchs von der Energiegenossenschaft Magdeburg hinzu, die die Solartechnik zur Verfügung stellte. Neben der Premiere des Mahlens und Backens, wurde eine beliebte Tradition fortgesetzt.

Der Mühlentag in Parchen startete wie immer mit dem beliebten Hähnewettkrähen des Rassegeflügelzuchtvereins. Diesmal waren 17 Zwerg- und 15 Großhähne am Start. Neun Juroren des Rassegeflügelzuchtvereins waren mit geschultem Ohr und Auge im Einsatz, um die "Kräher" der teilnehmenden Tiere zu zählen.

Für jedes "Kikeriki", bekamen die Hähne einen Punkt in Form eines Striches auf dem Wertungsbogen. Zum Teil ging es laut durcheinander. "Das war eben mein Hahn", meinte Andreas Ranft vom Genthiner Geflügelzuchtverein, der einen Hahn am Start hatte. "Die Tiere haben unterschiedliche Stimmen, und den eigenen Hahn erkennt man, weil man ihn täglich hört", so Ranft. Am Ende teilte sich das Feld in Viel-, Wenig- und Gar-nicht-Kräher. Für Letztere verteilte Vereinschef Jürgen Stämmler fünf Mal scherzhafte Abmahnungen. "Das ist auch ein schöner Beleg für die Nachbarn, dass der Hahn eben nicht kräht", juxte Stämmler, bevor er die Sieger verkündete.

Bei den Zwerghähnen hatten die Tiere von Jan-Hendrik Ranft mit 48 Anschlägen, Jason Lottmann (36) und Hartmut Kasperzack (30) die Schnäbel vorn. Bei den großen Exemplaren waren die Hähne von Sam Ochsendorf mit 60 und 53 Lauten und Wolfgang Schulze (45) am besten.

Jungzüchter Jan-Hendrik Ranft hatte für den Sieg zu einer drastischen Geheimwaffe gegriffen: "Ich habe meinen Tieren gesagt, dass sie in den Topf kommen, wenn sie nicht krähen", verriet er mit einem Augenzwinkern. Erfolgreich war aber auch ein anderer Nachwuchszüchter. "Das ist mein vierter und fünfter Pokal", freute sich Sam, der mit seinem Großvater aus Burg angereist war. Besonders trainiert habe er seine Tiere nicht. "Die krähen einfach so", lautete sein einleuchtendes Fazit.

Rund um die Mühle herrschte bereits am Vormittag ein reges Treiben. An verschiedenen Ständen konnten die Besucher stöbern, für die Kinder war eine Hüpfburg aufgebaut und es gab eine Vorführung der Seilherstellung, bei der die Gäste ebenfalls Hand anlegen konnten. Besonders gut besucht waren auch die Führungen durch die historische Bockwindmühle, die die Vorsitzende des Heimatvereins Elke Lendner anbot.

Kurios: Bei der umfänglichen Vorbereitung für das große Fest haben die Parchener fast ein Jubiläum ihrer Mühle verpasst. Diese stand ursprünglich in der Altmark und kam 1840 durch Kauf nach Parchen. "Daher steht sie in diesem Jahr 175 Jahre an dieser Stelle", erklärte Ortschronist Günther Schulenburg. Heute steht sie unter Denkmalschutz steht und wird als technisches Museum genutzt. Aber der große Zuspruch auf dem Gelände zeigte, dass die Parchener Mühle kein Jubiläum benötigt, um bei den Ausflüglern beliebt zu sein.

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