Neudeutsch würde man sagen, dass das Schloss Parchen am Pfingstsonntag Schauplatz einer Familienzusammenführung war. Familien-Patriarch Rudolf-Florentin von Byern empfing seine Verwandtschaft auf dem ehemaligen Gutshof.

Parchen l Rudolf-Florentin von Byern (1844 bis 1913) und sein treuer Diener Heinrich ließen am Pfingstsonntag bei einem Rundgang in szenischen Dialogen den Zeitgeist um 1910 wach werden.

Gutsherren-Darsteller Jeff Lammel zog als professioneller Schauspieler alle Register seines Könnens. So wirkungsvoll, dass selbst der Urgroßneffe des historischen Rudolf-Florentin von Byern, Gero von Byern aus Groß Germersleben, dem Darsteller eine große Authentizität bescheinigte.

Gero von Byerns jüngster Sohn Alexander glaubte im Rudolf-Florentin-Darsteller, als er die große Treppe mit einem Kronleuchter in der Hand herunterschritt, gar einen Geist erkannt zu haben. In der Tat: ein Familiengeist.

"Ich hätte nie gedacht, dass die Führung so gut gemacht wird", unterbreitete von Byern den Akteuren des Fördervereins Schloss Parchen ein großes Kompliment.

Die Familie von Gero von Byern aus Groß Germersleben vertritt neben der Linie aus Zabakuck und der aus Borna die drei großen Linien des Hauses. Bei einem Familientreffen vor zwei Jahren war diese Linie nicht vertreten.

"Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich zum ersten Mal in Parchen bin", so Gero von Byern, der den Besuch in Parchen nutzte, um sich auch mit dem Stammbaum seiner Familie vertraut zu machen. Sein Vater, Hans Wolfgang Henning von Byern (1924 bis 2003), berichtet Gero von Byern, habe oft von dem Stammsitz Parchen erzählt. Ein alter Stich von Parchen im väterlichen Besitz habe immer die Familiengeschichte wach gehalten.

Gero von Byern ist der Einzige in der großen Familie der von Byerns, der noch ein Gut, eine ehemalige Hofstelle der Familie, bewirtschaftet. "Ich bin wie mein Vater Landwirt durch und durch und sitze selber auf dem Schlepper", erzählt der 52-Jährige, der nach der Wende aus Lübeck nach Groß Germersleben kam.

Natürlich, sagt von Byern, sei er traurig, dass die Geschichte so verlaufen sei und seine Familie nach dem Krieg nicht nur ihres Besitzes, sondern auch ihrer Heimat beraubt worden sei.

Gero von Byern erinnert daran, dass sein Vater, als er 1949 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft entlassen wurde, des Kreises verwiesen wurde.

"Das war sehr schlimm für unsere Familien, denn wir von Byern sind davon geprägt, dort wo wir geboren sind, auch verwurzelt zu sein." Deshalb habe seinen Vater auch nichts gehalten, als die Grenze fiel, in seine alte Heimat zurückzukehren. Mit Freude registriere er nun, dass in Parchen daran gearbeitet werde, vieles wieder herzurichten. Anders als in Groß Germersleben, wo das Schloss einer Brandstiftung zum Opfer fiel.

Zum Abschluss seines Besuches in Parchen trug sich Gero von Byern in das Gästebuch des Fördervereins Schloss Parchen ein.