Ein Familienfest rund um die Mühle feierten die Mützeler am Pfingstmontag. Für Unterhaltung sorgten das gat, der Bergzower Frauenchor und die Jagdhornbläser. Zudem schlossen sich viele Besucher den Mühlenführungen an.

Mützel l Ein umfangreiches Fest boten die Mützeler Vereine am Pfingstmontag rund um die Bockwindmühle. Der Mühlentag stand in diesem Jahr ganz im Zeichen des 200. Jahrestages der Mühle. "1815 kam die Mühle von Scharteucke nach Mützel", erinnerte Fritz Fabert vom Heimatverein in seinen Worten an die Gäste an die Historie der Mühle. "Wahrscheinlich hatte sie noch im selben Jahr ihren ersten Mahlgang." 1863 wurde sie mit einem zweiten Mahlwerk versehen.

1904 kaufte sie August Kageler. Bis 1965 wurde in der Kageler-Mühle Schrot und Korn gemahlen. Mitte der 50er Jahre wurde sie als technisches Denkmal deklariert, doch das Bauwerk verfiel. "Erst in den 80er Jahren wurden das Dach und die Seitenwände abgedichtet und so der Zerfall gestoppt." Heute ist die Mühle im Besitz von Klaus Kageler. Er führte die Besucher durch die Mühle. Kageler erläuterte, wie durchdacht die Technik auch schon zur damaligen Zeit war.

"Die waren nicht dumm", sagte er anerkennend über die Erbauer der Mühle und meint damit die ausgeklügelte Mechanik, die ermöglicht, dass die komplette Mühle gegen den Wind ausgerichtet werden kann. Familien als Besucher seien ihm immer gern gesehene Gäste, denen er die einzelnen Funktionsteile der Mühle im Inneren zeigt und sich auch der Geschichte von Max und Moritz bedient.

Besucher loben das Mühlenfest

Über die Geschichte des Denkmals konnten sich die Besucher auch auf großen Tafeln informieren, die rings um die Mühle aufgestellt waren. Wir finden es gut, dass man sich im Ort so sehr für die Mühle einsetzt, denn das ist schon etwas Besonderes", lobten Jutta und Gerd Meier aus Magdeburg.

Das Ehepaar machte eine Pfingstreise durch das Jerichower Land und besuchte dabei auch die Mühlenfeste der Region. Viele Gäste hatten es ihnen nachgetan. "Wir sind aus Brandenburg und beschäftigen uns heute mit Mühlen und nicht mit Blumen", meinten Claudia und Timo Werner in Anspielung auf die laufende Bundesgartenschau in ihrer Heimatstadt. Da sie Bekannte in Hohenseeden besuchten, hätte das schöne Fest in Mützel auf dem Weg gelegen. Das sommerliche Wetter lud zum Verweilen und zum Sitzen im Gras ein.

"Mit dem Wetter haben wir heute richtig Glück gehabt und die Leute haben alle gute Laune", stellte Ortsbürgermeister Rüdiger Feuerherdt fest. Er war wie einige Verantwortliche in historischer Müllerstracht gekleidet und eröffnete am Nachmittag das Unterhaltungsprogramm. Für Stimmung sorgten als Erste die Mitglieder des Genthiner Amateurtheaters. Sie machten auf ihren Auftritt lautstark aufmerksam. "Die Komödianten aus Genthin sind da", tönte es über den Platz vor der Mützeler Bockwindmühle. Passend zum Mühlentag, an dem über alte Mühlen, Brauchtum und die schwere Arbeit in alter Zeit informiert werden sollte, spielte das Ensemble Stücke des Nürnberger Dichters Hans Sachs.

Die rund 450 Jahre alten Schwänke "Der Krämerskorb" und "Das heiße Eisen" kamen beim Publikum an. Trotz des Verzichtes auf technische Unterstützung.

gat-Ensemble präsentiert Sachs-Schwänke

"Was wir hier machen, ist klassisches Straßentheater wie vor 400 Jahren und da gab es noch keine Mikrofone", machte gat-Chef Eckhard Neumann deutlich. Wie bei Sachs-Schwänken üblich, durfte manche Derbheit nicht fehlen, da wurden Prügel angedroht und Schimpfwörter ausgetauscht. Passend dazu stellten das Schauspiel-Ensemble am Ende im Lied "Gesellenwoche" fest: "Lustig woll`n wir leben, und komm\' wir nicht in\' Himmel rein, dann komm\' wir halt daneben".

Weit über 400 Auftritte habe das gat seit seiner Gründung 1971 mittlerweile mit Märchenaufführungen, Humorabenden und Schwänken absolviert. "Das heiße Eisen haben wir heute zum 106. Mal präsentiert", verriet Neumann. Weit weniger derb ging es beim Bergzower Frauenchor zu. Deren Sängerinnen präsentierten bekanntes Liedgut und Volkslieder, die ebenfalls zum Mühlentag passten.

Da durfte die Mühle am rauschenden Bach klappern und das Wandern des Müllers Lust sein.

An den Auftritt des Chores schloss sich ein musikalisches Stelldichein der Mützeler Jagdhornbläser an. Hans-Jürgen Buchholz, Bernd Fritsch und Stephan Löber präsentierten verschiedene Signale, die bei der Jagd geblasen werden.

Daneben gab es eine Kutsche und ein Eselgespann.

Die Esel waren mit leichten Mehlsäcken beladen. "Wir zeigen, wie früher die Getreidesäcke zur Mühle transportiert wurden", meinte Ralf Zimmermann, der die Esel führte. Dieser Transport sei besonders im süddeutschen Raum üblich gewesen.

"Das gab es aber auch hier bei uns." Die weniger begüterten Landwirte hätten oft auch nur einen Handkarren verwendet und die Säcke selbst transportiert.

 

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