Der Kleinbahnhof Genthin am Schwarzen Weg verfällt zusehends. Als der Landkreis im Zuge der Gefahrenabwehr den Eigentümer aufforderte, das Dach in Ordnung zu bringen, reagierte die DB Service Immobilien GmbH zur Überraschung der Genthiner, indem die komplette Dacheindeckung entfernt wurde. Jetzt droht die Stadt dem Eigentümer mit einem so genannten Baugebot, um endlich Veränderungen zu erwirken. Doch es regt sich immer noch nichts.

Genthin. Es war so etwas wie ein Husarenstück. Nachdem die ersten Ziegel des Kleinbahnhofes gefallen waren, beließ es der Eigentümer nicht bei halben Sachen und nahm gleich die ganze Eindeckung ab. "So geht es ja nun auch nicht", ärgert sich Genthins Bürgermeister Wolfgang Bernicke heute noch.

Gebäude verfällt jetzt zusehends

Aller Aufregung zum Trotz konnte jedoch nicht verhindert werden, dass der Kleinbahnhof am Schwarzen Weg immer mehr zu einer Schmuddelecke mutiert.

Zerstörungswut, Wind und Wetter haben ihre Spuren an dem Gebäude hinterlassen, das 1925 gebaut wurde und über viele Jahre recht ansehnlich war.

Während der benachbarte Bahnhof von der DB Bahn in den Besitz einer Immobilienfirma gelangte, die in den vergangenen Monaten umfangreich in das Gebäude aus der Mitte des 19. Jahrhunderts investierte, ist es um den Kleinbahnhof äußerst schlecht bestellt.

Aus Leipzig, wo die DB Service Immobilien GmbH ihren Sitz hat, fehlt es offensichtlich an verlässlichen Informationen und Entscheidungen.

Genthins Bürgermeister Wolfgang Bernicke berichtet von ergebnislosen Versuchen in den letzten Tagen und Wochen, telefonisch Auskunft zur Zukunft der Immobilie zu erhalten.

Endlich muss ein Weg gefunden werden

Entweder befinde sich die Verantwortliche in einer Beratung oder das Telefongespräch werde nicht entgegegenommen. Seine Anfragen stehen im Zusammenhang mit einem so genannten Baugebot, das die Stadt dem Eigentümer angedroht hat. "Wir wollen ihn über diesen Weg zwingen, endlich etwas an dem vor sich hin dümpelnden Bauwerk zu machen", sagt Wolfgang Bernicke.

Das Baugebot kann den Eigentümer zur Modernisierung oder zur Sanierung, aber bei dem Nachweis der Unwirtschaftlichkeit auch zum Abriss auf seine Kosten verpflichten.

Die DB Service Immobilien GmbH war von der Stadt aufgefordert worden, sich bis zum 29. Januar dazu mit der Stadt ins Benehmen zu setzen, was sie allerdings nicht getan habe, gab der Bürgermeister gestern zur Auskunft.

Der letzte planmäßige Triebwagen, im Volksmund auch Ferkeltaxe genannt, verließ Ende Mai 1999 in Richtung Schönhausen den Kleinbahnhof.

Seitdem ist das Gebäude ungenutzt.

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