Alte Schuhe in der Bio-Tonne oder Plastiktüten und Wackersteine beim Papier: Falsche Abfallsortierung verursacht jedes Jahr zehntausende Euro Schaden. Der Landkreis will private Falschsortierer jetzt zur Kasse bitten. "Ein Ordnungsgeld von bis zu 2500 Euro ist möglich", sagt Fachbereichsleiter Jürgen Bruehlheide.

Genthin/Burg. "Diese Fehlwürfe haben in den vergangenen Monaten drastisch zugenommen", erklärt Dr. Henning Gehm. Der AJL-Geschäftsführer nennt Beispiele: "Rund 520 Kubikmeter Hausmüll müssen von der AJL jährlich aus den Papieranlieferungen heraus sortiert werden, damit es nicht zu Reklamationen seitens der Papierfirmen kommt." Sortierkosten für die Abfallbeseitigungsgesellschaft beziffert Gehm pro Jahr auf rund 35 000 Euro.

Oder: "Stark mit Plastiktüten, Glasflaschen, Steinen oder sonstigem Müll verunreinigter Bioabfall kann nicht kompostiert werden, da ansonsten kein qualitätsgeprüfter Kompost hergestellt werden kann", sagte Gehm zur Volksstimme. Die Inhalte von extrem "verunreinigten" Biotonnen muss zusammen mit dem Hausmüll verbrannt werden - dieser Entsorgungsweg ist mehr als doppelt so teuer wie die Kompostierung. Jährlicher Schaden: 40 000 Euro.

"Diese Mehrkosten gehen natürlich zu Lasten der Gebührenzahler, also der Allgemeinheit", erklärte Landkreis-Umweltfachbereichsleiter Jürgen Bruehlheide kürzlich im Umweltausschuss des Kreistages. Und deshalb will der Landkreis mit so genannten Ordnungswidrigkeitsanzeigen gegen Verbraucher vorgehen, die ihre Tonnen falsch bestücken. Soll heißen: Ähnlich wie Parksünder im Verkehr werden ertappte Mülltonnen-Falschbestücker mit Bußgeldern belegt. Höchstmaß sind hierfür 2500 Euro. Bruehlheide: "Je nach Schwere des Einzelfalls werden sich die Bußgeldsummen bei 40 bis 50 Euro einpegeln."

"Übervolle Tonnen auch vor Eigenheimen"

Ein weiteres Thema sind laut AJL-Geschäftsführer Gehm übervolle Müllbehälter: "Dies ist ein allgemeiner Trend, nicht nur bei Großwohnanlagen, sondern auch bei Eigenheimen." Viele Grundstückseigentümer bestellen (und bezahlen) zu kleine Mülltonnen, in die der ganze Müll aus dem 14-tägigen Entsorgungszyklus nicht hineinpasst. Jedoch können die Verbraucher dafür nicht zur Kasse gebeten werden. "Dazu fehlt uns die Handhabe", sagte Jürgen Bruehlheide auf Volksstimme-Nachfrage.

Aber auch das soll sich ändern: Der Landkreis soll jetzt entsprechende Sanktionsmöglichkeiten erarbeiten, die dann irgendwann der Kreistag beschließen muss. Gut möglich, dass dann für Tonnen zusätzliche Gebühren anfallen, wenn sich die Klappe wegen Überfüllung nicht schließen lässt.

 

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