Die Eröffnung der Horst Janssen-Ausstellung im Genthiner Kreismuseum Jerichower Land hat am Sonntagvormittag ein großes Publikum angezogen. Professor Rolf Müller aus Halle führte in das Werk von Janssen, einem der bedeutendsten Grafiker des 20. Jahrhunderts, ein.

Genthin. Es sei eine Ehre, wenn man Werke von Horst Janssen im Hause haben könne, sagte Professor Rolf Müller, der an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein unterrichtete. Horst Janssen sei ein hochsensibler Mensch und "schwieriger Künstler" gewesen, aber zugleich "einer, der es mit Leidenschaft tat, mit allen Höhen und Tiefen."

Die Eröffnung der Janssen-Ausstellung im Kreismuseum traf am Sonntagvormittag auf großes Interesse. Der Vortragsraum konnte kaum alle Kunstliebhaber fassen, und auch in den beiden Ausstellungsräumen herrschte Gedränge. Allein knapp 70 Besucher zählte das Museum in der ersten Stunde.

"Die Ausstellung hat in Sachsen-Anhalt Seltenheitswert", sagte Museumsleiterin Antonia Beran nicht ohne Stolz. Sie verwies auf die Zusammenarbeit mit dem Genthiner Kunstverein. Die Kooperation habe die Ausstellung ermöglicht. Zwar sei das Kreis- museum Jerichower Land kein Kunstmuseum, sondern auf Regionalgeschichte konzentriert, aber die Ausstellung sei ein wichtiger Punkt, bekannter zu werden, setzte Antonia Beran hinzu.

Musikalisch umrahmt wurde die Ausstellungseröffnung von der Bläsergruppe der Kreismusikschule unter der Leitung von Horst Blachan. Unter anderem Stücke von Mozart spielten Sophie Lehmann und Constanze Bauer.

In seiner Einführung verzichtete Professor Müller darauf, einzelne Werke des Grafikers zu erklären. Er rückte vor allem den Künstler und seine Arbeitsweise in den Mittelpunkt. "Alles war wert gezeichnet und umgedeutet zu werden." Das habe Horst Janssen bei seinem Lehrer Alfred Mahlau gelernt. Zu den Mahlau-Schülern gehörte auch Vicco von Bülow, besser bekannt als Loriot.

Horst Janssen zeichnete täglich und "kritzelte sogar im Schlaf". Irgendwann habe sich ein Thema herauskristallisiert, sei eine Serie entstanden. Dann habe Horst Janssen den "Scheitelpunkt der Lust" erlebt. Seine Blumenstilleben beispielsweise seien mal Farbrausch, mal Symbol der Vergänglichkeit. Janssen habe dem Selbstgespräch der Dinge gelauscht, deren Oberfläche gezeichnet und umgedeutet und ihnen damit Tiefe verliehen.

Neben der Betrachtung der Werke und dem Gespräch darüber nahmen die Ausstellungsbesucher auch gern das Angebot an, dem Künstler bei der Arbeit über die Schulter zu schauen - wenn das auch nur noch im Film möglich ist.