Lange Tage und grüne Bäume: Der Frühling ist im Anmarsch. Das freut auch die Reiter: Trainingseinheiten können aus staubigen Reithallen auf den Reitplatz verlegt werden. Die ersten Turniere unter freiem Himmel sind in Sichtweite. Dafür muss natürlich geübt werden. Im Reitverein Jerichow-Steinitz laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren.

Jerichow/Steinitz. Aus den Boxen schauen Pferde auf den blitz-blank gefegten Hof. Pony Ohio guckt fragend um die Ecke, als ein Auto in die Hofeinfahrt biegt. Schauplatz der idyllischen Szene: Das Grundstück von Familie Dreusicke aus Steinitz. Sozusagen das Herz des Reitvereins Jerichow-Steinitz. Immerhin leben und trainieren hier vier der 16 Mitglieder.

Da wäre beispielsweise Hermann Dreusicke: Er hat den Reitverein 1953 mitbegründet. "Damals waren die Pferde noch Hauptakteure in der Landwirtschaft", erinnert er sich. "Nach Feierabend sind wir geritten oder haben die Pferde vor den Wagen gespannt." Heute steht er im Stall und beobachtet Sohn Rainer und Enkelin Carmen beim Satteln der Pferde.

Aufs Pferd klettert er mittlerweile nicht mehr, auf den Reitturnieren in der Region findet man ihn trotzdem fast jedes Wochenende: Als Kampfrichter wacht er über Dressur- und Springprüfungen. "Endlich ist der Boden aufgetaut", sagt Rainer Dreusicke. "Da reiten wir wieder draußen." Rainer Dreusicke hat den Pferdevirus von seinem Vater geerbt und die erfolgreiche Familientradition fortgesetzt: Sein schönster Moment auf dem Pferd: "Ganz klar mein Titel als DDR-Meister 1974. Mein Pferd hieß Juli, der Wallach war damals erst sechs Jahre alt. Das war ein ganz besonderes Pferd, ein richtiger Kämpfer", erinnert sich der Vereinsvorsitzende. "Jetzt müssen wir aber los. Sonst ist es dunkel, bevor wir auf dem Reitplatz sind", sagt Tochter Carmen lachend. Beide steigen auf ihre Pferde und machen sich auf den Weg zum Reitplatz. Carmens Bruder Lutz Dreusicke ist in der Dressur erfolgreich bis zur Klasse M geritten. Inzwischen ist er nur noch Zuschauer auf den Turnieren. Tochter Carmen ist den Pferden treu geblieben, obwohl sie auch weniger erfreuliche Kindheitserinnerungen damit verbindet: "Beim Sturz von Pony Liane habe ich mir den Arm gebrochen, das hat mich aber auch nicht davon abgehalten, wieder aufs Pferd zu steigen", erzählt die 26-Jährige schmunzelnd.

Das Durchhalten hat sich gelohnt: Carmen hat Erfolge bis zur Klasse M vorzuweisen und das im Springen wie in der Dressur - eine Seltenheit im Reitsport, wo die Spezialisierung auf Dressur oder Springen oft schon im Jugendbereich beginnt.

Auf dem Reitplatz angekommen, beginnen Vater und Tochter damit, ihre Pferde zu lösen. "Ein 100-Meter-Läufer muss sich auch warm machen und fängt nicht gleich mit dem Sprinten an", erklärt Marita Dreusicke. "Wenn meine Frau nicht gerade auf dem Pferd sitzt, kommt sie als helfende Hand mit auf den Reitplatz", sagt ihr Mann Rainer. Auch Donald Stieger - Carmens Lebensgefährte - ist heute mit auf den Platz gekommen. "Wenn sie beim Springen nachher ein Hindernis reißt, muss es ja jemand wieder aufbauen", sagt er lächelnd.

"Ziel: Mannschaftskreismeister 2011"

Die ganze Familie war in den vergangenen Jahren in Dressur und Springen erfolgreich für den Reitverein unterwegs. 2010 konnte die Dressurmannschaft des Vereins den Kreismeistertitel holen. Anika Teickner, Carmen und Rainer Dreusicke holten wie schon 2009 die Siegerschärpe. Anika Teickner wurde in der Einzelwertung mit Merlin auch noch Vizekreismeisterin. "2009 hat Anika die Meisterwertung sogar gewonnen", freut sich Rainer Dreusicke über die Erfolge seiner Vereinskollegin. "Zwei bis drei Stunden am Tag investieren wir alle mindestens in die Reiterei", so der Steinitzer. "Wir starten im Sommer etwa auf 15 Turnieren", ergänzt seine Frau. "Deshalb wird jeden Tag trainiert."

Das kennt auch Vereinskollegin Karola Meier, die in Dressurprüfungen an den Start geht. Tochter Lina hat ihr Hobby sogar zum Beruf gemacht und arbeitet in Mecklenburg-Vorpommern als Bereiterin.

Im Verein wird außerdem erfolgreich gezüchtet. "Uwe Teickner, Familie Köppe und Konrad Weber sorgen für erfolgreichen Pferdenachwuchs", erzählt Marita Dreusicke, während Mann und Tochter durch die Cavaletti-Reihe springen. "Gymnastik ist für die Pferde nach der Winterpause besonders wichtig", erklärt Rainer Dreusicke.

Sein Wissen gibt der Ausbilder nicht nur an seine Familie weiter. Mittlerweile pilgern auch Reiter aus Brandenburg zu seinen Lehrgängen. Der jüngste fand im Januar in der Reithalle von Familie Ebert aus Hohenseeden statt. "Trotz Winterpause waren gut 20 Reiter hier", erzählt Steffen Ebert. Auch er hat bei Rainer Dreusicke mittrainiert. "Er kann unglaublich gut erklären", meint der Springreiter. Auch die Kleinsten kamen auf ihre Kosten. Annemieke Schuldt (11) aus Mützel: " Herr Dreusicke hatte super Tipps für mich und mein Pony. Beim nächsten Lehrgang im April bin ich wieder dabei."

Für die neue Saison haben sich alle Mitglieder des Reitvereins viel vorgenommen. "Wir wollen mit der Mannschaft wieder Kreismeister in der Dressur werden", sagt Carmen Dreusicke, lobt ihre Stute La Luna und beendet ihr Training. Das wäre dann der dritte Titel in Folge.

 

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