Tucheim - Kasan - Tucheim. Udo Krause (26), er berichtete von seinem knapp sechsmonatigen Aufenthalt in Russland für den Genthiner Rundblick, ist wieder daheim im Fienerdorf. Opa Heinrich und Oma Hannelore Neumann konnten ihn wohlbehalten in ihre Arme schließen. Mit ihnen freuen sich auch Volksstimme-Leser, von denen Udo Krause häufig angesprochen wird.

Tucheim/Genthin. Der 88-jährige Heinrich Neumann lacht bei der Frage, wer denn seinen Enkel Udo bei seiner Ankunft in Deutschland vom Flughafen Berlin-Tegel abgeholt hat. "Wer denn schon, ich", sagt der alte Herr. Heinrich Neumann und seine Ehefrau Hannelore haben die Rückkehr ihres einzigen Enkels sehnsüchtig herbeigesehnt. Hannelore Neumann kann das Fernweh ihres Enkels trotzdem gut verstehen: "Junge Leute soll man ziehen lassen und ihnen keine Steine in den Weg legen. Natürlich ist uns die Trennung schwer gefallen, aber wir konnten ja regelmäßig miteinander telefonieren oder hatten über das Internet Kontakt miteinander."

Opa Heinrich sieht die Reise seines Enkels ganz pragmatisch. Für den Kaffeenachmittag der Tucheimer Ortsgruppe der Volkssolidarität im März hat Udo erst einmal den Auftrag von seinem Opa erteilt bekommen, einen Lichtbildervortrag zu halten. "Gegenwärtig bin ich dabei, diesen Vortrag vorzubereiten", gibt der 26-Jährige zur Auskunft. Immerhin steht ihm dazu eine Auswahl von etwa 3000 Aufnahmen, die während seiner Russlandreise entstanden sind, zur Verfügung. Darüber hinaus drehte der Tucheimer in Kasan auch zahlreiche Videos.

Doch mit der Präsentation von Fotografien und Videos ist für den Russlandreisenden, der ein halbes Jahr im Deutschen Haus in Kasan tätig war, längst nicht der Schlussstrich unter sein Auslandseinsatz gezogen.

Eigentlich wollte Udo Krause, der drei Semester Slawistik studiert hat, in seiner Kasan-Zeit seine Sprachkenntnisse verbessern. "Aber die russische Grammatik und ich werden wohl nie so richtig zusammenfinden", räumt er ein. Zumindest würde sein Russisch nun aber ausreichend sein, um sich zu verständigen.

Auch wenn er in der Sprache möglicherweise noch nicht den ganz großen Durchbruch erreicht hat, will der 26-Jährige, der in Magdeburg Politikwissenschaft und Geschichte studiert hat, beruflich mit Russland und seinen Menschen verbunden bleiben. "Das klingt möglicherweise platt, aber ich suche etwas, was in diese Richtung geht."

Das Erlebnis Kasan war ohne Frage für den jungen Tucheimer prägend: In dem hal-ben Jahr habe er jedenfalls mehr erlebt, als er erwartet habe. Und auch die Entscheidung, in die nicht gerade gefragte russische Provinz zu gehen, sei absolut richtig gewesen, resümiert Udo Krause. Hier habe er "richtige Mischkulturen", einen "bunten Sowjetmix" an Menschen, kennenlernen dürfen, was für ihn am beeindruckendsten während des sechsmonatigen Aufenthaltes in der Region Kasan war.

Dieses Praktikum war ein einzigartiges und spannendes Erlebnis. Dennoch: Der Grundstein für Udo Krauses Russland-Interesse wurde schon vor vielen Jahren in der deutschen Heimat gelegt. Nämlich mit der Aufnahme von Tschernobylkindern in der Familie, wie er sagt.