Von Anja Keßler

Jerichow. Zu einem Warnstreik hatte am Dienstag die Gewerkschaft ver.di die Mitarbeiter der AWO fair.leben Integrations- und Heimbetriebe GmbH in Jerichow aufgerufen. Etwa 40 Mitarbeiter waren dem laut Gewerkschaft gefolgt. Die Volksstimme berichtete in ihrer gestrigen Ausgabe über die Aktion. Die Mitarbeiter fordern bessere Gehaltsbedingungen.

Seit Sommer 2010 haben zwischen ver.di und AWO fair.leben, einer Tochtergesellschaft der AWO Krankenhausbetriebsgesellschaft, drei Runden der Tarifverhandlungen statt gefunden. Während der Arbeitgeber von überzogenen Forderungen durch ver.di spricht, erklärte der Gewerkschaftsvertreter Thomas Mühlenberg, dass AWO fair.leben bisher kein Angebot für die Verhandlungen abgegeben habe.

Dem widerspricht Thomas Zenker. Der Geschäftsführer von AWO fair.leben erklärte, dass man ein Angebot vorgelegt habe. "Das beinhaltet die Bezahlung nach dem Tarif unserer Muttergesellschaft - der AWO Krankenhausbetriebsgesellschaft -, den ver.di im vergangenen Jahr ausgehandelt hat, sowie eine Einmalzahlung von 200 Euro und eine jährliche Gehaltssteigerung bis 2014 um je ein Prozent." Dieses Angebot sei abgelehnt worden, so Zenker.

Mühlenberg von ver.di erklärte, dass dies lediglich als Überlegung von Seiten des Arbeitgebers angesprochen worden wäre. "Schriftlich haben wir nichts", so Mühlenberg gestern gegenüber der Volksstimme. Die Forderungen der Gewerkschaft umfassten im Kern auch den gültigen Tarif der Krankenhausbetreibsgesellschaft, plus eine Einmalzahlung von 250 Euro sowie eine Gehaltssteigerung von zehn Prozent. "Eine jährliche einprozentige Steigerung bis 2014 ist für uns nicht akzeptabel."

Besonders kritisch sieht ver.di, dass die Beschäftigten seit 2004 unterschiedliche Arbeitsverträge zu höchst unterschiedlichen Konditionen erhielten.

Tatsächlich gibt es bei der am 1. Januar 2009 gegründeten AWO fair.leben drei Gruppen von Arbeitsverträgen, bestätigt Thomas Zenker. Am günstigsten gestellt sind die nach Bundes-Angestelltentarifvertrag (BAT) entlohnten Mitarbeiter. Die zweite Gruppe wird nach dem AWO-Tarif der Krankenhausbetriebsgesellschaft bezahlt, bei der die Mitarbeiter bis zur Gründung von fair.leben angestellt waren. Die dritte Gruppe umfasst Einzelverträge. Die machen etwa die Hälfte der Belegschaft aus.

Ziel des Arbeitgebers sei es, für alle Mitarbeiter einen gleichen Tarif zu vereinbaren. "Wir arbeiten derzeit an einem Angebot. Doch es kann noch bis zu sechs Wochen dauern, ehe wir es vorlegen können", erklärte Zenker und begründet dies damit, dass noch nicht klar ist, welche Erlöse AWO fair.leben erzielen wird. "Wir sind Entgelt-gebunden." Ziel der Tarifverhandlungen sei nicht, dass alle Mitarbeiter nach BAT bezahlt werden. Das könne sich kein Arbeitgeber in der Pflegebranche mehr leisten.

AWO fair.leben betreibt in Jerichow und Groß Ammensleben (Bördekreis) zwei Heimbetriebe für geistig und mehrfach behinderte Menschen. In Jerichow sind 80 Mitarbeiter, in Groß Ammensleben 20 Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt werden derzeit fast 120 Menschen betreut. Laut ver.di sind 33 Mitarbeiter der AWO fair.leben Gewerkschaftsmitglieder.

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