Für das Jahr 2010 liegt der Bericht der Touristinformation Genthin jetzt vor. Der weist die wichtigsten Kerndaten dieser Branche aus, macht Entwicklungen beispielsweise bei den Übernachtungszahlen und der Anzahl der Übernachtungen von Touristen in der Kanalstadt aus. Die Bilanz ist durchwachsen, aber zur Panik gibt es keinen Grund.

Genthin. Lassen wir Zahlen sprechen: Bekam die Touristinformation im Jahr 2009 noch 14 814 Kundenanfragen, so waren es im vergangenen Jahr 12 614. Die Zahl der Tagesbesucher blieb mit durchschnittlich 45 pro Tag (2009 waren es 44) fast konstant.

Bei der Anzahl der Anfragen zur Vermittlung von Zimmern weist die Statistik nur noch 98 aus, im Vergleich dazu waren es 2009 noch 135. Außerdem wurden 2010 auch weniger Karten in der Einrichtung verkauft. 2193 waren es 2010 (2009: 2653).

Bei den Übernachtungen in der Region Genthin zeigt der Daumen nach unten: 41 579 wurden im vergangenen Jahr registriert, 2009 waren es noch 43 619. An diesem Rückgang sind die Jugendherbergen übrigens zu 70 Prozent beteiligt, 1700 Übernachtungen gab es hier weniger.

Eine der besten Zahlen im Tourismusbericht: Den Altlandkreis Genthin bereisten im vergangenen Jahr 159 927 Besucher, das sind rund 5000 Gäste mehr als 2009. Diese Steigerung liegt am Erlebnisdorf Parey, das immer mehr zum Magnet für Touristen wird.

Auch die Umsatzentwicklung der Touristinformation kann sich sehen lassen. Fast 159 000 Euro nahmen die Mitarbeiterinnen ein, das ist ein Plus im Vergleich zu 2009 von über 18 000 Euro.

Also alles in allem eine durchwachsene Bilanz. Gibt es Anlass zur Sorge? "Die Lage ist nicht dramatisch" sagt Marina Conradi, Chefin der Touristinformation Genthin. "Wenn beispielsweise weniger Veranstaltungen in Genthin angeboten werden, dann können wir auch nicht mehr Karten verkaufen. Wir sind ja nicht immer die Veranstalter der Events, sind also von dem abhängig, was hier in der Stadt passiert."

Und genau hier sieht sie auch Reserven. "Wenn wir das Kartoffelfest feiern, dann sind die Hotels und Pensionen ausgebucht. Auch wenn der Spee-Cup bei uns stattfindet, findet man in der gesamten Kanalstadt kein leeres Bett zur Vermietung mehr. Gleiches gilt für den Weihnachtsmarkt."

Die Chefin der Touristinformation macht in diesem Zusammenhang auf einen aus ihrer Sicht wichtigen Aspekt aufmerksam: "Wir müssen uns immer wieder aufs Neue überlegen, wie wir uns von anderen Anbietern abheben, was wir Besonderes anbieten können".

Bürgermeister Wolfgang Bernicke sieht die Bilanz realistisch. "Genthin ist keine Touristenhochburg, kein Urlaubsdomizil. Das muss man doch ganz realistisch sehen. Genthin hat keine historischen Höhepunkte. Wir sind nicht Quedlinburg, wo sich die Touristen allein schon im Stadtzentrum stundenlang aufhalten, um die Fachwerkschätze zu bestaunen und anschließend etwas zu essen und zu trinken."

Als entscheidende Chance für das Aufleben des Tourismus in der Stadt sieht Bernicke den Radtourismus. "Die Radler, die von Osten nach Westen wollen, nehmen auf der Strecke Genthin eher die Bahn, fahren praktisch an unserer Stadt vorbei. Alle, die per Rad aus dem Großraum Berlin kommen, gehen uns verloren. Es gibt den beliebten Elbe-Radweg und den Altmarkrundkurs, aber davon haben wir eben nichts. Der Straßenbegleitende Radweg an der B 1 fehlt und wird auch nicht kommen."

Aber der Bürgermeister sieht auch Möglichkeiten. "Wir sind bekanntlich dabei, den Fiener Bruch zu erschließen. Das geht im April los. Auch der Radfahrweg zwischen Paplitz und Ziesar wir noch in diesem Jahr in Angriff genommen. Wir brauchen ganz einfach einen funktionierenden Anschluss an das Brandenburger Radwegenetz."